Machen mich Bücher zu einem schlechteren Menschen?

Eine Frage stelle ich mir in letzter Zeit immer häufiger: Machen mich meine Bücher zu einem schlechteren Menschen? Natürlich nicht der Inhalt. Ich hoffe doch, dass der mir nicht nur bei der Beibehaltung meiner grammatischen und orthographischen Fähigkeiten hilft, sondern mich manche Bücher auch zu einem empathischeren Menschen machen oder zumindest verhindern, dass meine sozialen Fähigkeiten noch mehr verrohen als eh schon.

Es ist viel mehr die Art, WIE ich Bücher besitze. Ich mag keine Bibliotheksbücher oder private Leihgaben, weil ich bei Büchern das Gefühl des Besitzens haben will. Dabei bin ich doch sonst das, was man früher als links angesehen hätte, bevor gewaltbereite Linksradikale auf die Bildfläche getreten sind. Ich mag Kapitalismus nicht. Und doch will ich Bücher besitzen?

Und auch bei der Art, wie ich an sie herankomme, ekel ich mich selbst an. Offene Bücherregale sind ja noch in Ordnung, ebenso Bookcrossing. Ich gebe ja selbst auch mal Bücher ab, daher mag das noch im Rahmen des ethisch vertretbaren Verhaltens sein, auch wenn ich so quasi meine Lieblingsautoren um Verkäufe bringe und ihnen damit das Leben schwer mache.

Aber was ist mit Amazon Marketplace oder Rebuy? Und rette ich wirklich ein ‚armes, ungewolltes Buch‘ vor dem Presstod, wenn ich ein Mängelexemplar kaufe? Das versuche ich immer, mir einzureden, aber ich weiß nicht, ob das als Argument zählt. Passiert überhaupt etwas mit ihnen, falls sie keiner kauft? Ich habe jedenfalls immer das Gefühl, dass ich die Menschen, die diese Bücher mit ihrer eigenen Fantasie erschaffen haben, betrüge, wenn ich sie billig und gebraucht kaufe. Wäre es moralischer, weniger Bücher, dafür zum Vollpreis zu kaufen?

Habt ihr auch manchmal solche Gedanken?

Wie steht ihr dazu und wie beruhigt ihr euer Gewissen, oder findet ihr das gar nicht weiter tragisch?

4 Gedanken zu “Machen mich Bücher zu einem schlechteren Menschen?

  1. Hey,

    ich finde die Idee dieses Beitrages wirklich sehr interessant.
    Darüber habe ich mir tatsächlich nie Gedanken gemacht…
    Ich kaufe auch oft Mängelexemplare, einfach weil ich nicht das Geld dafür habe, jedes einzelne Buch, das ich gerne lesen würde für den Neupreis zu kaufen.
    Ich würde nicht sagen, dass mich das zu einem schlechteren Menschen macht.
    Bei Mängelexemplaren, die ansonsten in den Müll kommen und einfach nur jahrelang ungelesen vor sich hinvegetieren habe ich kein schlechtes Gewissen.
    Und auch wenn ich Bücher von Freunden oder der Bücherhalle ausleihe, schließlich haben diese das Buch gekauft. Und die meisten Autoren, besonders die großen, interessiert es nicht, ob nun ein Buch weniger oder mehr verkauft wird…
    Danke für diese tolle Gedankenanregung!

    Alles Liebe,
    Felia

  2. Hallo Taya,

    Ich wusste bei dem Titel deines Artikes zuerst nicht so recht , was mich erwartet, denn vom Inhalt des Buches her, denke ich genauso wie du. Ich erweitere meinen Wortschatz, schärfe mein Gefühl für die Sprache, durch die unterschiedlichen Themen in Büchern hoffe ich auch etwas für mich selber mitzunehmen.
    Bei dem Thema streiten ja auch sehr unterschiedliche Standpunkte in dir, auf der einen Seite willst du die Bücher besitzen, kaufst sie dann aber gerne auch mal irgendwo günstiger, aber Bibliotheken magst du wiederum nicht so gerne. Ich weiß nicht, ob man sich vor sich ekeln sollte. Das finde ich schon ganz schön heftig und hart sich selbst gegenüber. Wenn man eine gute Mischung aus allem findet, ist das denke ich vollkommen ok.
    Es gibt ja auch immer unterschiedliche Blickwinkel auf die verschiedenen Sachen. Ja klar mit Bücherschränken zum Beispel bringt man den Autor schon irgendwie um den Verkauf, aber vielleicht entdeckt gerade auch dadurch jemand seine Liebe zum Lesen und investiert dann später umso mehr Geld in Bücher von seinem Lieblingsautor. Es kann also auch ein Anstoß zu mehr Lesekonsum sein.
    Ich finde es auf jeden Fall toll, dass du dir Gedanken dazu machst, aber ich denke, man sollte auch nicht die positiven Aspekte aus dem Blick verlieren. Sei also nicht ganz so hart mit dir.

    LG, Moni

  3. Immer wenn ich ein Buch aus der Mängelexemplareabteilung kaufe, kaufe ich noch zwei richtig teure Bücher dazu um mein Gewissen zu beruhigen. Ich finde das sollte jeder so machen. Wenn man einen Baum fällt, muss man schließlich auch zwei neue pflanzen.

  4. Diese Gedanken mache ich mir auch sehr oft. Ich kaufe wirklich nur extrem selten Bücher zum Neupreis und habe deshalb oft ein schlechtes Gewissen, weil ich mich zwar an den Büchern erfreue, aber damit weder Autor noch Verlag unterstütze. Andererseits sind Bücher ja nun wirklich keine Wegwerfartikel, deshalb ist es nur logisch, sie sich auch gebraucht zu besorgen. Vielleicht sollte man dabei dann auf ein Gleichgewicht achten, wenn es für einen selbst von den Kosten her möglich ist?
    Dann bleibt es noch eher bezahlbar, aber man leistet trotzdem quasi seinen Beitrag.

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