Die Sache mit den Blogaktionen

Ich habe es ja schon ein paar Mal innerhalb der Texte im Rahmen der Aktionen einfließen lassen, dass ich ein wenig Zweifel an den Blogaktionen habe. Nun würde ich meine Gedanken gerne einmal auf den Punkt bringen, aber auch hören, was andere Blogger darüber denken.

 

Blogaktionen

Zunächst einmal rede ich hier nicht über die Reihen, wo mehrere Blogs zusammen ein Buch besprechen und mit Hilfe eines Autors ein Exemplar davon verloren. Damit habe ich noch keinerlei Erfahrung und kann nichts dazu sagen. Ich möchte mich lediglich auf regelmäßig stattfindende, meist wöchentliche Aktionen festlegen, die oft eine bestimmte Frage zur Beantwortung bereitstellen. Ich selbst mache aktuell dabei bei der Montagsfrage, Gemeinsam Lesen am Dienstag, Top Ten Thursday und Follow Friday mit. Monatlich kommt darüber hinaus mein Stapel ungelesener Bücher zu Wort und erzählt von sich. Und früher gab es noch die Classic Confessions, bei denen es rein um Klassiker unter den Büchern ging.

 

Was ich an den Aktionen mag

Diese Aktionen bringen einige positive Dinge mit sich. So hat man mehrere Posts in der Woche mit relativ wenig Mühe sicher, ob man nun dazu kommt, viel zu lesen und so zu rezensieren, oder anderweitig über buchspezifische Dinge zu rezensieren, oder nicht. Darüber hinaus erhält man über den Link dann auch einiges an Seitenaufrufen, also Leser. Und man hat so die Gelegenheit, den interessierten Besuchern des eigenen Blogs mehr über sich selbst zu erzählen, sich vorzustellen. Darüber hinaus kann man so auch noch in Kurzform Bücher vorstellen und Leute vielleicht auf den Geschmack bringen, sie zu lesen. Wobei ich zugeben muss, dass ich es gerade liebe, mehr über meine Lesegewohnheiten zu erzählen und dies vielleicht auch einmal selbst kritisch zu reflektieren. Ohne Anregung durch Fragen kommt man selten dazu, nimmt sich vielleicht nicht einmal die Zeit.

Aber noch etwas kann man durch die Aktionen schaffen: Man lernt teils neue Blogs kennen und kann bei ihnen stöbern. Wobei hier auch eines meiner großen Probleme mit den Aktionen beginnt.

 

Was ich an Aktionen nicht mag

Denn wo positive Seiten sind, gibt es immer auch Nachteile und ich habe mehr und mehr das Gefühl, dass die Nachteile überwiegen. So scheint es unter anderem den Konflikt Content vs. Seitenaufrufe zu geben. Manche Blogger scheinen an diesen Aktionen nur teilzunehmen, um schnell an ein paar Klicks zu kommen, ohne darüber nachzudenken, welchen Mehrwert ihre Leser von ihrem Beitrag haben. Auf eine Frage nur ein kurzes ‚Ja‘ oder ’nein‘, oder bei Buchvorstellungen ausschließlich die Cover, teils sogar noch ungelesen, obwohl man die besten Bücher einer Kategorie vorstellen soll, ohne dass der Leser irgendeine Information darüber erhält. Oft so klein, dass man den Titel nicht einmal richtig lesen kann, und so auch selbst keine weiteren Informationen darüber zu ergooglen vermag.
Ich kann nicht beurteilen, inwiefern ich mich dessen auch schuldig mache. Anfangs war es mit Sicherheit der Fall. Auch da habe ich nie Zweizeiler geschrieben, aber ich habe weniger darüber nachgedacht, wie ich so eine Aktion vielleicht auch zu einem lesenswerten Post nutzen kann, der dem Leser und/oder mir etwas bringt, was über einen Aufruf der Seite hinaus geht. Substanz. Heute versuche ich, das immer einzubeziehen. Ob ich dabei scheitere, kann ich aber nicht selbst beurteilen.

Zumindest nehme ich aber nicht an dem damit einhergehenden Phänomen der Werbekommentare teil. Manch einer kommentiert nur ‚Kenne das Buch nicht, interessiert mich auch nicht, hier der Link zu meinem Beitrag‘. Das tun längst nicht alle. Viele gehen wirklich auf den Inhalt eines Posts ein, bieten andere Sichtweisen, man tauscht sich über Bücher aus. Und dann lassen sie den Link zum eigenen Beitrag da, was völlig in Ordnung ist. Aber die, die eigentlich nur kommentieren, um noch einmal eine weitere Quelle für Seitenaufrufe zu haben, ohne irgendeinen Inhalt im Kommentar mitzubringen, finde ich persönlich etwas dreist. Ich bin auch dazu übergegangen, meinen Link nur noch beim Hauptpost einer Aktion zu hinterlassen und überall sonst, wenn ich etwas zu sagen habe, nur zu kommentieren, ohne zu werben.

Ein weiteres Problem, was sich möglicherweise aus den lieblosen Posts ergibt, scheint mir ein schlechtes Image der Blogs zu sein, die teilnehmen. Dies könnte aber auch nur ein falscher Eindruck sein. Mir ist nur aufgefallen, dass die größten Blogs, die, die dann teilweise auch von Zeitungen, Radios und Ähnlichem nach ihrer Meinung gefragt werden, quasi die Flaggschiffe unseres Hobbies, nie an so etwas teilnehmen. Vielleicht, weil sie es nur nicht nötig haben, generieren sie doch ganz alleine genug Seitenaufrufe und benötigen diese Werbung nicht, die für sie dann nur ein weiterer Zeitaufwand ist? Vielleicht aber werden auch wir kleinen Blogs, die wir an solchen Aktionen teilnehmen, deshalb nicht größer, weil wir selbst damit unserem Ruf schaden?

Und das letzte Problem, was mich am meisten umtreibt, ist die Frage, was einem solche Aktionen, abseits der Freude an der Beantwortung der Fragen, bringen. Kleine Blogs scheinen in einer Filterblase zu leben, in der wir einander nur gegenseitig sehen. Die Aktionen sorgen dafür, dass wir uns untereinander aufrufen. Aber einerseits gehen die meisten nur auf den Aktionspost und lesen sonst nichts vom Blog, werden also auch keine neuen Follower, andererseits schaffen wir damit nur einen Sturm im Wasserglas. Ich habe das Gefühl, dass wir damit keine neuen Leser außerhalb der Bloggerszene anlocken. Es ist natürlich schön, wenn wir mit einander eine Gemeinschaft aufbauen. Aber – und vielleicht spreche ich da nur für mich – Hauptziel ist es doch, die Freude am Lesen weiterzugeben. Leute mit unserem Hobby anzufixen und vielleicht Büchertipps zu geben. Natürlich kann auch ein Blogger mal ein unbekanntes Buch auf einem anderen Blog entdecken, was ihn interessiert und vermutlich passiert es sogar häufig. Aber ich persönlich würde gern auch über Szene und Freundeskreis hinweg Leselust anregen. Und ich glaube, dass Aktionen das nicht zu schaffen vermögen.

 

Was ich für mich daraus ziehe

Das ist die große Frage. Denn ich fürchte, würde ich mit den Aktionen aufhören, würde ich keinerlei Besucher mehr auf der Seite haben. Auch ich bin nicht immun gegen den Wunsch, zu wissen, dass da draußen jemand liest, was ich schreibe. Aber ich denke, ich werde meine Teilnahme an Aktionen eindämmen. Nicht mehr bei allem mitmachen, nur weil es das dort draußen gibt. Nicht mehr meine Blogwoche nach Aktionen planen. Vieles macht Spaß, keine Frage, aber ich fühle mich dabei immer weniger wohl. Weil ich das Gefühl habe, meinen Lesern Dinge vorzusetzen, die einfach keinen Nutzen haben. Ihre Zeit zu verschwenden. Und das bringt am Ende mehr Schaden als Nutzen mit sich.

 

Und wie steht ihr zu Aktionen? Welche macht ihr mit und was ist euch positiv oder negativ aufgefallen?

5 Gedanken zu “Die Sache mit den Blogaktionen

  1. Hey Taaya!
    Ich persönlich nehme gerne an Aktionen teil. ABER.
    Für mich heißt das nicht, dass ich wirklich jede Woche mitmache und die Fragen/Themen etc. beantworte und Beiträge dazu verfasse. Manche Montagsfragen interessieren mich persönlich einfach nicht, oder geben meiner Meinung nach zu wenig her, als dass ich sie selber beantworten wollen würde.
    Manchmal merke ich, dass ich genervt bin, wenn ich an bestimmte Aktionen denke, was automatisch ein Zeichen für mich ist, dieses Mal lieber auszusetzen. Und das ist ja auch nicht schlimm.
    Auch überlege ich mir eigene, individuelle Überschriften. Ich habe recht schnell gemerkt, dass ich selber genervt war von 85 Benachrichtigungsmails mit dem Betreff „Montagsfrage: ….bla“ und habe für mich entschieden, die Überschriften thematisch anzupassen. Ebenso bei Leselaunen, Top Ten Thursday und Co. Wobei ich bei letzterem selten mitmache weil ich es eher sinnfrei finde, ständig einfach nur willkürlich 10 Cover zu posten, ohne Content. Auch bastele ich das meistens um, indem ich zB. dann nur Bücher meiner WuLi aufführe, die mit dem Buchstaben … beginnen.
    Die Verknüpfung mit anderen Blogs dadurch finde ich super, ich stöbere generell sehr gerne auf anderen Seiten, mittlerweile gehört es zu meinen morgendlichen Ritualen.
    Ich denke große Blogger „brauchen“ solche Aktionen einfach nicht, oder sie haben einfach zu wenig Zeit, bspw. durch viele andere Projekte.

    Insgesamt glaube ich, für mich einen ganz angenehmen Weg gefunden zu haben, mit dem ich mich (aktuell) wohl fühle. Mitmachen, wenn ich Lust habe, aussetzen, wenn eher nicht. Eigene Überschriften kreieren, Beiträge kreativ füllen.

    Liebe Grüße,
    Nicci

  2. Sehr schwieriges Thema, ich bin noch nicht so lange beim Bloggen dabei. Anfangs habe ich noch bei der Monatsgfrage mitgemacht, aber da sich da die Frage auch manchmal mit Gemeinsam Lesen doch etwas überschnitten hat und die Montagsfrage eben auch erst Montag online geht, habe ich mich dann letztendlich für Gemeinsam Lesen entschieden, da ich da eher einen Mehrwert drin sehe. Ab und zu nehme ich noch beim Show it Friday teil und in unregelmäßigen Abständen gibt es einen Waiting on Wednesday Beitrag bei mir.
    Ob diese Beiträge wirklich zu einem schlechten Image beitragen, weiß ich ehrlich gesagt nicht so wirklich, aber deine anderen negativem Punkte kann ich durchaus ganz gut nachvollziehen.
    Ich persönlich bin jetzt noch in der Phase, dass ich gucke, wo mich das mit dem Bloggen überhaupt hinführen wird. Mir macht das stöbern und kommentieren bei den anderen Beiträgen Spaß, aber es ist natürlich auch gut möglich, dass ich das später anders oder kritischer sehe.

  3. Sehr interessanter Beitrag, dem ich auch so zustimmen kann.
    Ich selbst habe früher an solchen Aktionen teilgenommen und habe das auch nicht komplett beendet, aber mittlerweile mache ich das nur noch sporadisch. Nämlich dann, wenn ich denke, dass ich den Lesern damit wirklich etwas neues oder sinnvolles verraten kann. Wenn ich mal den Top Ten Thursday als Beispiel nehme, ist mir auch negativ aufgefallen, dass die meisten einfach nur das Thema nennen, die Cover einfügen und fertig. Das bringt mir persönlich rein gar nichts, wenn es nicht gerade ein wirklich aussagekräftiges Thema wie „beste Fantasy“ oder „Bücher, die mich zum weinen gebracht haben“ sind (wobei ich mir auch dann noch Kommentare oder Begründungen dazu wünsche). Dazu passt dann direkt, dass das Thema für mich einen Sinn haben muss. Die Reihe „Bücher, die mit Buchstabe x beginnen“ finde ich völlig sinnlos, weil es nämlich absolut nichts über die Bücher aussagt und es mir daher als Leser gar nichts bringt – da merkt man dann direkt, dass es allein darum geht, einen Post veröffentlichen zu können und kann man sich von mir aus gerne sparen.
    Eine Aktion die ich wirklich mag ist die Montagsfrage, weil da oft wirklich interessante Themen dran sind, die man auch wirklich mit anderen diskutieren kann. Wenn ich da nicht selbst dran teilnehme, schaue ich wenigstens bei anderen Bloggern vorbei und tausche mich mit ihnen darüber aus. Das ist für mich also ein Beispiel für eine sinnvolle Aktion.
    Du hast aber tatsächlich recht damit, dass man dabei normalerweise immer in der gleichen Gruppe bleibt, die beieinander vorbeischaut. Wobei viele Blogger leider nicht mal die anderen Posts lesen, geschweige denn kommentieren, was den Sinn einer solchen Aktion ein bisschen zunichte macht.
    Dass die „großen“ Blogs an sowas nicht teilnehmen ist mir auch schon aufgefallen. Ich denke das liegt wirklich daran, dass es „besseren“ Kontent gibt und sie sich dann eher darauf konzentrieren statt solche „Lückenfüller“ zu veröffentlichen. Da macht man dann statt einer Montagsfrage lieber einen Diskussionsbeitrag oder ähnliches, was mehr Arbeit ist, dafür aber auch mehr Aufmerksamkeit erregt und einfach qualitativer wirkt.

    Ich würde auch vorschlagen, es so zu machen, wie du dich am wohlsten fühlst. Du kannst es ja auch so machen, dass du nur teilnimmst, wenn du wirklich etwas „wichtiges“ zum entsprechenden Thema zu sagen oder zu teilen hast und mal eine Woche überspringen, wenn es eben nicht so ist. Ich muss sagen, dass ich deinen Blog bisher nicht kannte, darum weiß ich nicht, wie du das bisher gehandhabt hast. Ich schaue mich aber auf jeden Fall mal um!

    Danke für den interessanten Beitrag. (Und sorry für diesen Roman.)
    Liebe Grüße,
    Jacqueline

  4. Hallo Taaya,
    bisher mache ich bei solchen Aktionen nicht mit. Grund war zum einen, dass ich zwar manche Aktionen lesenswert finde, aber ich nicht möchte, dass ein Großteil meiner Blogbeiträge nur aus der Beantwortung solcher Aktionsfragen besteht. Da sehe ich keinen Mehrwert darin, wie du auch beschreibst. Zum anderen finde ich meine Aktionen gar nicht interessant zum Mitmachen. Wie du sagst – 10 Cover posten, die blau sind. Bedeutet einen riesen Arbeitsaufwand, bringt aber eher wenig für den Blog.
    Wo ich mitmache ist die Blogverlinkungsaktion. Auch diesen Beitrag 😉 werde ich auf meiner Wanderung durch die Welt der Bücherblogs verlinken; für die KW 19, die nächsten Freitag veröffentlich wird. Die Blogverlinkungsaktion mag ich, weil man sich so gegenseitig verlinkt und auf neue, interessante Blogs aufmerksam wird. Also auch ein echter Mehrwert.
    Liebe Grüße, Daniela

    • Hallo Daniela,

      dann danke ich schon einmal dafür. Ja, das Verlinken spannender Beiträge finde ich auch gut. Ich mache das allerdings nur in meinem Wochenrückblick – oder wenn ich mich in einem meiner Beiträge darauf beziehe, direkt dort.
      Sowas find ich aber schon spannend und schau das, wenn ich es bei anderen sehe, auch konsequent durch.
      LG
      Taaya

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