Meine Lesegewohnheiten

Bei Twittergesprächen über Sommerlöcher hat das Read Pack angefragt, ob ich nicht Teil der Selbsthilfegruppe von Buchnerds mit seltsamen Lesegewohnheiten werden möchte. Meine erste Antwort war, dass ich – zum ersten Mal in meinem Leben, wohlbemerkt – hier viel zu normal bin und überhaupt keine Macken habe. Doch bei genauerem Nachdenken ist das vielleicht nicht ganz richtig.

  1. Ich lese fast nur, während ich mich bewege.
    Ich kann mich einfach nur dann auf die Texte, die ich lese, konzentrieren, wenn ich Sport mache oder auf meinem Flur hin und her laufe. Tun mir im Laufe des Tages dann die Füße weh, war’s das mit Lesen. Im Sitzen oder Liegen finde ich einfach nicht die Ruhe, mich auf einen Text zu konzentrieren. Einzige Ausnahmen sind Toilette, Badewanne, oder Kuschelwetter (Kälte, oder sitzen am Fenster bei Gewitter).
  2.  

  3. Ich muss Bücher besitzen.
    Naja, oder zumindest die Erlaubnis haben, sie ’normal‘ zu lesen. Ich komme mit Büchereibüchern einfach nicht klar. Schon in meinem Rucksack habe ich Angst, dass sie geknickt werden oder in irgendeinem Dreck landen, der da vielleicht noch drin ist, weil mal ein Bleistift ohne Etui dort rumflog. Und dann lese ich manch ein Buch auch noch auf dem Klo – die einzige Ausnahme von Punkt 1 – und auch, wenn es dabei nicht dreckig wird, habe ich doch das Gefühl, dass man so etwas mit fremderleuts Büchern nicht tut.
  4.  

  5. Ich vergesse, von wem ich welches Buch habe.
    Es gibt nur drei Menschen, von denen ich Bücher leihe. Und doch kann ich keine Übersicht darüber behalten, von wem ich was geliehen habe – und ob nicht das eine oder andere Buch, das ich nicht kenne, sogar doch mir gehört.
  6.  

  7. Ich lese immer mehrere Bücher parallel.
    Ich glaube, das habe ich schon öfter erwähnt. Ich habe immer mindestens ein Klo- und ein Hauptbuch. Manchmal dann noch ein ‚Unterwegs‘-Buch oder ein ‚Mein Hauptbuch ist zu zäh, ich brauche was lockeres‘-Buch. Oh, und aktuell immer noch ein Hörbuch. Äh, ja … Ich weiß auch nicht, wie ich die Übersicht behalte.
  8.  

  9. Goodreads ist meine einzige Rettung.
    Ich verliere völlig die Übersicht, was ich schon besitze und was nicht. Und wenn ich an der Büchergrabbelkiste vorbeigehe und ein Buch entdecke, was ich haben will, muss ich erst die Goodreads-App anschmeißen und schauen, ob ich es wirklich noch nicht habe. Peinlich. Aber so habe ich schon oft Doppelkäufe verhindert.
  10.  

  11. Ich gelobe immer Besserung und schaffe es dann doch nicht.
    Ich versuche es, wirklich. Ich möchte immer alle Zitate, alle kritischen Stellen, alles besonders Gute und Schlechte mit Post-Its markieren. Ich möchte alle Orte der realen Welt, an denen sich Szenen abspielen, markieren und hinterher bei Placing Literature eintragen, damit Bücherfreunde wie ich in ihrem Urlaub diese Handlungsorte besuchen können. Und doch vergesse ich es immer wieder. Oder die Schublade mit den Post-Its ist zu weit entfernt. Oder ich bin mir nicht sicher, ob die Stelle so markierwürdig ist und stelle erst fest, dass sie das sehr wohl ist, wenn ich sie längst verblättert habe.
  12.  

  13.  Was bitte ist ein Lesezeichen?
    Ehrlich jetzt? Was ist das? Ich halte die Existenz solcher Dinge für urbane Mythen. Ich habe schon ganze Lesezeichenkalender geschenkt bekommen, ohne dass auch nur eines dieser Lesezeichen es je in meine Bücher geschafft hat. Statt dessen nehme ich Arztrezepte, Theaterkarten, (ungenutztes!) Klopapier, jede Art von sauberem Müll (Plastikfolien, Pappverpackungen, … ), … Eben alles, nur nicht Lesezeichen. Und das nicht absichtlich als Boykott, sondern nur, weil sie nie da sind.
     
    => Ich bin wohl der unorganisierteste Leser der Welt.

     

Habt ihr auch besondere Macken?

2 Gedanken zu “Meine Lesegewohnheiten

  1. Ich sehe gerade, dass mein Kommentar hier auch nicht angekommen war, also noch mal:

    Beim Lesen herumzulaufen finde ich auch sehr ungewöhnlich. Eine Freundin von mir liest immer auf dem Heimweg, aber das auch zu Hause zu tun wäre ihr sicher trotzdem nicht eingefallen. Aber verständlich, dass das beim fokussieren hilft. Mir würde dadurch aber bestimmt schwindelig werden 😀
    Ansonsten finde ich die Gewohnheiten aber nicht seltsam. Ich besitze Bücher auch lieber selbst, weil ich mir dann keine Gedanken darum machen muss, ob nicht vielleicht Knick reinkommt. Gerade Bücher aus der Uni Bibliothek finde ich schrecklich, weil sie oft auch schon so alt sind, dass ich mir Sorgen mache, beim Lesen Seiten zu verlieren. Dann doch lieber selber kaufen als ständig gestresst zu sein.
    Parallel lesen tue ich auch immer, meistens habe ich ein Zug-Buch und ein zu-Hause-Buch. Dazu gerne auch noch einen Klassiker und/oder ein Hörbuch.
    Mit Markierungen habe ich das gleiche Problem. Entweder denke ich nicht daran oder ich habe nichts zum markieren zur Hand. Manchmal mache ich ein Foto mit dem Handy, aber hinterher kann ich dann oft gar nicht mehr zuordnen, aus welchem Buch es überhaupt stammte und ohne Kontext macht das Zitat nur noch halb so viel Sinn.

    Also (fast) alles gar nicht so ungewöhnlich 🙂

  2. Hallo!
    Ein wirklich wundervoller Beitrag! Deine Nr. 1 finde ich wirklich ungewöhnlich. Normalerweise ist ja eher das Gegenteil der Fall und Bücher werden zur Hand genommen, wenn man sich mal in Ruhe irgendwo hinsetzen kann. 😀

    Deine Nr. 6 kenne ich zu gut. Ich hatte mir irgendwann mal vorgenommen, die schönsten Zitate rauszuschreiben oder zumindest zu markieren… Tja, vielleicht hab ichs für 2 Bücher durchgehalten? *lach*

    Ansonsten hab ich, glaube ich, gar keine richtigen ungewöhnlichen Angewohnheiten. Ich besitze Bücher auch lieber selbst und wenn dann als gedrucktes Buch – aber ist das wirklich so ungewöhnlich?
    Das einzige, was an mir vielleicht etwas komisch ist: Ich hab ein Lesezeichen aus Metall, an dem ein kleiner Drache hängt. Das Lesezeichen nehme ich IMMER. Auch wenn es überwiegend nicht mehr schön silber, sondern kupferfarben ist. Oder der Drache in meiner Tasche regelmäßig irgendwo hängen bleibt und dadurch aus dem Buch rutscht. Oder ich es im Sommer beim Lesen natürlich immer in die Sonne lege, wo es schön heiß wird, sodass man es kaum noch anfassen kann. Aber irgendwie komm ich von dem Lesezeichen trotzdem nicht weg *lach*

    Liebe Grüße
    Sarah

Sagt mir etwas Nettes