Das große Buchcasting – Teil 1

Wie angekündigt habe ich vor einigen Wochen alle Bücher daraufhin sortiert, ob ich sie wirklich noch lesen will. Alle, bei denen ich das nicht mit absoluter Sicherheit sagen konnte, wurden in eine extra Box aussortiert. Aber einfach weggeben wollte ich sie auch nicht. Also gab es das große Buchcasting.

Dabei hatte jedes Buch 50 Seiten Anlesen Zeit, mich davon zu überzeugen, dass ich es lesen möchte. Wenn es mich bis dahin interessiert hatte, durfte es wieder ins Regal – oder wurde direkt durchgelesen. Die Bücher, die es nicht schafften, kamen fort.

Dabei ist dies hier nur der erste Teil. Denn nach gerade mal einem Monat ist der Beitrag schon so lang geworden, dass ich ihn erst einmal posten möchte.

 

Ich habe heute leider kein Lesezeichen für dich

Hier sind die traurigen Exemplare, die auf 50 Seiten nicht in der Lage waren, mich an sie zu binden und deshalb vom SUB entfernt wurden.

Kollegen sind die Pest: Das Lästerlexikon (German Edition)

 

Was bei der Einleitung noch lustig klingt, ist nach wenigen Einträgen im Lexikon leider ziemlich langweilig und wirkt dümmlich. Hier haben sich Menschen doch wirklich die Mühe gemacht, Schimpfwörter zu erfinden, die unbedingt nach Büro klingen. Das wirkt eher wie schlechte Wortwitze und nicht wie etwas, was wirklich im Alltag angewandt wird und nach wenigen Seiten hatte ich schon keine Lust mehr, immer gleiche Begriffe weiter zu lesen. Da half auch der Teil des Buches nicht, der über Arbeitsrecht, Bewerbungsgespräche und Co. aufklärte und dabei halbwegs versuchte, sachlich zu sein.

 

Bildergebnis für oma klopft im kreml anWeiter geht es mit einem Buch aus den 1970ern. Es klang erst vielversprechend. Eine rüstige alte Dame, die sich immer wieder in lustige Schlamassel bringt, reist diesmal nach Russland, zur Zeit des kalten Krieges. Leider ist die Protagonistin aber alles andere als sympathisch. Sie findet harte Arbeit unweiblich und findet, die Russinnen sollten sich doch bitte hübscher anziehen, denn nur dadurch wird das Leben lebenswert. Wer in einer alleine reisenden Frau eine Feministin oder wenigstens einen normalen Menschen erwartet, wird hier schwer enttäuscht. Aber leider stellte sich auch noch heraus, dass in diesem Buch aus dem offenen Bücherregal einige Seiten sauber herausgerissen waren. Spätestens da war ein Abbruch nicht mehr zu verhindern.

Bockmist

 

Um das nächste Buch tut es mir leid. Ich mag Hugh Laurie sehr gern und auch sein Schreibstil ist locker, lustig und das, was andere wohl überflüssig finden würden – sehr viele Sätze, die nichts zur Handlung beitragen, aber einfach schön zu lesen sind.

Es ist nur leider einfach nicht mein Genre. Ich lese nicht gern über ausgeprägte Gewalt, wie sie hier schon auf den ersten Seiten beschrieben wird, und auch Spionagegeschichten haben mich nie gereizt. Ich habe das Buch vor über zehn Jahren nur wegen des Autors gekauft, immer wieder angelesen und wieder weggelegt. Und jetzt ist endgültig die Zeit gekommen, mich davon zu trennen.

Artemis Fowl (Artemis Fowl, #1)

 

Der Abbruch hier tut mir fast ein bisschen leid. Meine Mutter mag Artemis Fowl sehr gern. Aber ich habe ihn als Buch angelesen, als Hörbuch ein Viertel gehört, und noch immer konnte ich keinerlei Interesse für die Geschichte aufbringen. Es war mir völlig egal. Und dadurch, dass Artemis selbst von Anfang an als Krimineller beschrieben wurde, der nur auf Gold aus ist, war er mir sofort unsympathisch. Ich bin einfach kein Freund von unmoralischen Charakteren, die auch noch selbstsüchtig sind. Vielleicht hätte er sich im Laufe des Buches noch gewandelt. Möglich. Aber nach einem Viertel Roman immer noch nichts in der Richtung zu erfahren, war einfach zu lange. So lange halte ich leider nicht in einem Buch aus, wenn man mir nicht entweder spannende Nebencharaktere gibt, oder aber eine Welt, in die ich mich träumen wollen würde. Und das ist diese hier leider nicht.

Das beste Buch der Welt

 

Wieder ein Buch der Kategorie ‚Ich wollte es lieben‘. Hier will ein alternder, alkoholkranker Autor einen Bestseller schreiben. Das beste Buch der Welt, dass alles vereinen soll, das Bestseller sonst ausmacht. Es soll ein wenig eine Parodie auf den Buchbetrieb sein. Aber leider verliert sich das Buch in langen Nichtigkeiten. Dass jemand, der auf Entzug ist (seit 8 Stunden erst) ins Philosophieren gerät, ist verständlich. Den Leser auch mit den unschönen Seiten des Lebens zu konfrontieren, ist in dem Setting unumgänglich. Aber 6 Seiten Gespräch darüber, welche Zutat der Pizza Vier Jahreszeiten nun welche Jahreszeit symbolisiert? An der Stelle hat mich der Roman leider endgültig vertrieben. Und auch vorher hat es 49 der eigentlich 50 angedachten Seiten nichts gebracht, was interessant gewesen wäre. Erst dann tritt die Lektorin des Autors wirklich auf den Plan, die gerissen und resolut wirkt, clever. Interessant. Leider ist sie aber nur eine Randfigur, die das Ganze nicht retten kann. Was mich aber am meisten enttäuscht hat, war die Idee, wie das beste Buch der Welt auszusehen hatte: Krimi, mit Kochbuch, Selbsthilferatgeber und etwas Klassenkampf. Also all das, was ich nicht lesen würde. So kamen das Buch und ich leider nicht zusammen, obwohl ich mich so auf ein Werk gefreut hatte, das den Kampf darstellt, den ein Autor bis zum fertigen Buch austragen muss.

Das Buch der Namen

 

Hier kann ich nicht genau ausmachen, warum ich den Roman nicht weiterlesen will. Thriller ist nicht wirklich mein Genre, ja, und es gibt gleich in den ersten Seiten VIEL zu viele Tote und hochrangige Politiker, die sich darüber freuen, dass ein Auftragsmörder für einen Namen auf seiner Liste mal eben mehrere tausend Menschen umbringt. Alles Gründe, die für mich gegen ein Buch sprechen. Dennoch war halbwegs spannend und hatte leichte Fantasyelemente. Und doch, alles in mir schrie, dass ich es kaum erwarten kann, endlich Seite 50 zu erreichen und das Buch abzubrechen. Möglicherweise bin ich unterbewusst noch mehr gegen Morde in 975582Büchern allergisch, als ich es rational erfassen kann.

 

Und noch eine Enttäuschung, die mich ein wenig ärgert. Denn ich liebe die Filme zu Bridget Jones – zumindest die ersten beiden. Natürlich sind sie nicht gerade ein Auswuchs an Feminismus, das muss man zugeben. Aber wenigstens gemütliche Wohlfühlfilme.

Der erste Roman der Reihe beginnt allerdings wesentlich langsamer. Bridget Jones, Lektorin in einem Buchverlag, die aber nicht einmal korrekte Rechtschreibung beherrscht, ist hier nur noch besessener von ihrem Chef, und hat so starke Stimmungsschwankungen, dass man sich fragt, ob sie wirklich schon über 30 und nicht doch eher um die 15 ist. Auch die kurze Begegnung mit Mark Darcy ist hier deutlich anders und weit weniger liebenswert-schrullig dargestellt.

Das Schlimmste ist aber die durchgezogene Oberflächlichkeit des Romans. Eine Seite darüber, wie Frau sich für ein Date fertig macht, ist da nur ein Beispiel. Darüber hinaus wird es hier als positiv in einer Diät dargestellt, wenn frau nur 800 Kalorien am Tag isst, obwohl das in Wirklichkeit eher kontraproduktiv ist. Gegen diesen Roman ist Sex and the City mit seinen lächerlichen Frauenklischees noch kulturell wertvoll.Ärztekind

 

Und damit kommen wir zum letzten aussortierten Buch dieser Runde. Ich bin ja ein totaler Freund des ‚Ich plauder aus dem Nähkästchen’s. Ich mag es, wenn Leute die Peinlichkeiten ihrer Familie oder ihres Berufes mit mir teilen möchten. Zumindest, wenn es dabei nicht zu heftig oder eklig wird, oder die Abrechnung doch eher verbittert wirkt.

Hier hat mich leider nur das Vorwort wirklich begeistern können. Danach wurde es irgendwie fast zu einem Einheitsbrei ohne Höhen und Tiefen. Einzig interessant war noch das Kapitel über das Sexualleben der Schwester der Autorin und der medizinisch notwendigen Beschneidung deren Freundes. Hier wurde es einerseits wieder lustig – wer will schon vom Schwiegervater in Spe am Frühstückstisch über den eigenen Penis ausgequetscht werden – andererseits hat es mir aber auch mal wieder bewiesen, dass man ein Körperteil nie gehabt haben muss, um dort Phantomschmerzen spüren zu können. Aber dennoch hat mich das Buch letztlich nicht fesseln können.

 

Du bist in der nächsten Runde

Das hier sind die Bücher, die ich entweder behalten wollte, oder aber gleich zu Ende las.

Wie Immer Chefsache

Hier sprach eigentlich rational vieles dafür, den Roman weg zu legen. Der Einstieg ist vollkommen unrealistisch, viele Passagen sind für die Handlung nicht nötig. So kann Mattes Reuter, der freie Journalist bei einem Lokalblatt, sich nicht darüber beschweren, zu wenig zu verdienen. Da kommt plötzlich ein Anruf. Er, der kaum arbeitende Schreiberling eines Käseblattes, soll Chefredakteur eines Magazins werden. Ja, genau, passiert jeden Tag aufs Neue.

Und vor allem Martin Rütter mit Hund Mina im echten Leben, Mattes Reuter mit Hund Mina im Buch? Es heißt zwar, dass man darüber schreiben soll, was man kennt, aber hier war viel zu offensichtlich, dass sich der Autor selbst in die Lage seines Protagonisten geträumt hat, beim Schreiben. Dazu kamen schon in den ersten Seiten viele Stellen, die eher an seine Fernsehsendung erinnerten. Hunderatschläge unter dem Deckmantel eines Romans. Eigentlich sprach so alles dafür, dass ich den Roman nicht mag. Aber ich erreichte Seite 50 und wollte das Buch noch nicht weglegen. Und so las ich weiter.

 

Was ich daraus gelernt habe?

Bisher habe ich nur in den allerschlimmsten Fällen ein Buch abgebrochen (Gustav Meyrinks Golem!) und mich auch dann immer geschämt. Aber kaum fange ich damit an, scheine ich gar nicht mehr damit aufhören zu können.

Und ich habe das Gefühl, mäkeliger geworden zu sein. Mich kann kein Buch mehr wirklich zufrieden stellen – außer denen, die ich zum wiederholten Mal lese, meine Lieblinge. Aber auch mein alter Biss ist fort. Früher wollte ich Bücher, die mich beim Lesen wütend gemacht haben, unbedingt zu Ende lesen, um sie wenigstens hinterher in einer Rezension zerreißen zu können. Heute ist mir das nicht mehr so wichtig. Wobei zugegebenermaßen in dieser Runde nur Bridget Jones darunter fiel. Einerseits, weil das Buch so viel schlechter als der Film wirkte, andererseits, weil Frauen hier so oberflächlich auf ein Klischee reduziert wurden.

Vielleicht kommt ja wenigstens der Biss wieder. Und vielleicht sind in der nächsten Runde endlich mehr Bücher dabei, die mir wenigstens irgendein Gefühl geben. Und sei es nur Hass. Aber ich hoffe auch, dass ich nicht verlernt habe, Bücher wirklich zu lieben.

 

3 Gedanken zu “Das große Buchcasting – Teil 1

  1. Hey 🙂

    Ich hatte ja deutlich weniger Bücher als du zum Aussortieren, finde das aber spannend, dass wir das im Prinzip ähnlich gemacht haben … Darüber hinaus mache ich es mittlerweile eigentlich bewusst bei jedem Buch so, dass ich anfange: Einige Seiten lesen und dann entscheiden, ob es gelesen wird oder nicht. Je nach Dicke des Buchs bekommt es zwischen 50 und 100 Seiten, um mich für sich einzunehmen. Wenn ich danach nicht das Gefühl habe, dass es mich interessiert, breche ich ab. Mag vielleicht hart klingen, aber Gott sei Dank machen mich doch fast 95 Prozent der Bücher so neugierig, dass ich weiterlesen möchte :D.

    Liebe Grüße
    Ascari

  2. Na das war ja effektiv. Einerseits schade, dass dich so viele Bücher nicht überzeugen konnten, aber auf der anderen Seite bist du sie jetzt wenigsterns vom SuB los. Bei mir wird das demnächst auch mal folgen, aber ich denke nicht dass ich wirklich so konsequent abbrechen werde. Freut mich aber, dass du dich dazu überwinden konntest, schließlich kann man mit seiner Zeit eindeutig bessere Dinge anstellen als schlechte Bücher weiterzulesen.

  3. Das Buchcasting ist mal wirklich eine super Idee. Ich habe bestimmt auch noch so einige Bücher auf meinem SuB, die ich wahrscheinlich niemals lesen werde oder dann irgendwann merke, dass sie gar nicht so toll sind, wie gedacht.
    Das kostet dich wahrscheinlich nur sehr viel Zeit, diese Bücher alle anzulesen.
    Das „Schokolade zum Frühstück“ so anders ist, als der Film hätte ich jetzt wirklich nicht gedacht. Eine Freundin von mir schwört wirklich auf dieses Buch und sagt, der Film wäre nur halb so gut.
    Vielleicht ist es aber auch einfach wieder eine „ich hab das Buch gelesen, bevor der Film rauskam“ Situation 🙂
    Liebe Grüße
    Nadine

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