Rainbow Rowell – Liebe auf den zweiten Klick

Liebe auf den zweiten KlickBuchdetails

  • Genre: Romanze
  • Erscheinungsdatum: 2011
  • Verlag: Goldmann
  • ISBN: 978-3442474202
  • Taschenbuch 414 Seiten
  • Sprache: Deutsch

Klappentext: 

Manchmal ist das Glück nur einen Mausklick entfernt…

Als er sich bei einem Zeitungsverlag auf die Stelle des Internet-Sicherheitsbeauftragten beworben hat, war Lincoln nicht klar, dass er hinfort die Emails der Angestellten auf arbeitsferne Inhalte durchforsten würde. Noch weniger war er allerdings darauf gefasst, in dem steten, äußerst offenherzigen und absolut arbeitsfernen Mailwechsel zweier Kolleginnen seine Traumfrau kennenzulernen. Nur, wie sagt man einer Frau, dass man sie liebt, wenn man sie a) noch nie gesehen hat und b) ihre intimsten Geheimnisse kennt?

Inhalt: 

Lincoln nimmt nach gleich mehreren Masterstudiengängen endlich einen Job an. Er arbeitet in der Nachtschicht bei einer Zeitung und muss da einerseits Computerfehler beheben, andererseits aber die Emails der Angestellten, die von einem Programm herausgefiltert wurden, auf Regelverstöße kontrollieren. Dazu kommt, dass er seit 9 Jahren Single ist und wieder bei seiner Mutter lebt.

In den Emails findet er schnell zwei Freundinnen, die per Arbeitsemail jede Kleinigkeit ihrer Beziehungen besprechen und jammern, wie unschön doch ihre Körper sind. Lincoln findet das Ganze unglaublich amüsant, süß und herzerwärmend und merkt, wie er sich in eine der beiden verliebt. Und eines Tages fängt auch sie, trotz bestehender Beziehung, an, von einem Typen im Haus zu schwärmen. Nach und nach stellt sich heraus, dass sie Lincoln meint.

 

Aufbau:

Die Kapitel bestehen jeweils entweder aus einem Fließtext aus Lincolns Sicht, oder aus dem Emailwechsel der beiden Frauen.

 

Charaktere: 

Lincoln ist ein Muttersöhnchen Ende 20, der mit seinem Leben nicht umzugehen weiß, nur eine einzige Beziehung im Leben hatte, und um den herum sorgfältig das Klischee eines Nerds aufgebaut wird. Komisch, dass ihn trotzdem jede Frau im Buch umwerfend gutaussehend findet. Warum ist sein Selbstbewusstsein dann quasi nicht-existent und warum hatte er dann 9 Jahre lang keine Beziehung?
Die Autorin versucht, das in einer Kneipenszene deutlich zu machen, weil er sich dort nicht wohl fühlt und offen fragt, wer denn glaubt, dort die große Liebe zu finden. Das wiederum findet die entsprechende Frau der Szene absolut furchtbar. Statt damit zu unterstreichen, dass er vielleicht ungeschickt im Umgang mit Menschen sei, unterstreicht das doch eher das Frauenbild, das den Roman durchzieht.

Womit wir zu Jennifer und Beth kommen, den beiden Email-Schreiberinnen. Sie nutzen große Teile der Arbeitszeit, um sich über ihren Ehemann, beziehungsweise Freund auszutauschen. Und obwohl beide eigentlich fast rund um die Uhr jammern, dass das nicht das Leben ist, was sie sich vorgestellt haben, ziehen sie keine Lehre daraus. Jennifer fühlt sich von ihrem Mann zu Kindern genötigt und wehrt sich dagegen, entscheidet sich nach ein paar Tagen Streit aber, dass sie zwar keine Lust auf ein Kind hat, aber wenn er das will, sie das schon auf sich nehmen kann. Erst nach einer Fehlgeburt wird sie besessen davon, doch ein Kind zu wollen. Klingt psychisch nicht sonderlich gesund.

Beth hingegen ist mit einem Mann zusammen, den sie heiraten will, der sie aber nicht heiraten möchte und das eigentlich schon lange klar gemacht hat, bevor er es ihr noch einmal wortwörtlich ins Gesicht sagt. Er ist eigentlich so gut wie nie da, weil er ihre Nähe nicht erträgt. Aber da er alle paar Wochen mal nett zu ihr ist, glaubt sie dennoch an die große Liebe mit ihm.

Und beide denken außer an ihre Körper eigentlich fast nur an die Männer. Tagesgeschehen, Weltpolitik? Obwohl sie bei einer Zeitung arbeiten, interessiert sie das nicht im Geringsten. Und obwohl sie wissen, dass die Emails kontrolliert werden und sie für ihren Austausch gefeuert werden könnten, schreiben sie sich einfach weiter. Angeblich sind sie beste Freundinnen, scheinen aber ausschließlich in der Arbeitszeit zu kommunizieren. Das wirft ein unglaublich schlechtes Licht auf beide.

 

Meinung:

Ich fühlte mich vom Roman von Anfang an als Frau beleidigt. Seltsamerweise passiert das sehr oft bei von Frauen geschriebenen Romanzen, während gerade Männer es oft schaffen, glaubhaftere Frauenrollen zu erschaffen.
Das Buch würde den Bechdel-Test nie bestehen und ist nicht nur ausschließlich oberflächlich, sondern hätte auch auf eine deutlich kürzere Seitenzahl zusammengestrichen werden können. Viele Nebenplots sind vollkommen unwichtig oder wirken stark fingiert, um ein winziges Puzzleteil hinzuzufügen, das zumindest nicht dringend notwendig war.

Alle Figuren wirken extrem karikatur-esk. Keiner von ihnen hat ansatzweise realistische Züge. Und hinzu kommt, dass der Leser auch noch in eine bestimmte Haltung gezwungen werden soll. So denkt sich Lincoln oft nach den Emails, wie unglaublich lustig Beth doch schreibt. Wie süß und intelligent, … Komisch nur, dass dem Leser keine süßen, intelligenten oder lustigen Mails von Beth vorliegen, ihm aber gesagt wird, wie er den oberflächlich-unnützen Worterguss der Frauen finden soll.

Aber obwohl das Buch – zumindest aus meiner persönlichen Sicht – inhaltlich einfach nur schlecht ist, weiß es doch, mit Worten umzugehen und einen Spannungsbogen zu kreieren, den man bis zum Ende verfolgen will.

 

Fazit: 

Frauenfeindliche Klischeesammlung – und leider dennoch so geschrieben, dass man nicht abbrechen kann und wissen will, wie es ausgeht.

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