Tobi Katze – Immer schön die Ballons halten

Immer schön die Ballons haltenBuchdetails

  • Erinnert an: Eigentlich unpassend, aber mich erinnert es an ‚Catcher in the Rye‘ von J. D. Salinger, da es ähnlich kleinteilig beschrieben ist
  • Genre: Belletristik
  • Erscheinungsdatum: Oktober 2017
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch
  • ISBN: 978-3-499-63289-1
  • Taschebuch 218 Seiten
  • Sprache: Deutsch

Klappentext: 

Henriette Liebling ist unzufrieden mit ihrem Leben. Sie steckt allerorten in Sackgassen und hat sich eingerichtet in der Ereignislosigkeit mit einem sicheren aber langweiligen Job, einer schönen aber sterilen Wohnung und einer netten aber monotonen Beziehung. Sie muss einige Tiefpunkte erleben, bevor die Erkenntnis reift: Das ist nicht ihr «Lieblingsleben». Das ist höchstens Plan B. Und nun steht sie vor der Frage: Wie wird man eigentlich erwachsen, ohne sich selbst aufzugeben? Und: Muss sie ihr Leben ändern oder nur sich selbst?

Inhalt: 

Henriette war einst Schriftstellerin, doch als ihr Lektor ihr die Pistole auf die Brust setzt, sagt, dass man ihr neues Buch so einfach nicht gebrauchen kann, weil okay eben nicht genug ist, hat sie sich einen ‚echten‘ Job gesucht. Nun sitzt sie seit 7 Jahren im Büro einer Versicherung und plagt sich mit Dingen herum, zu denen sie keinen richtigen Bezug aufbauen kann, mit Kollegen, mit denen sie eher aus Notwendigkeit redet.

Als sie sich einmal zuhause über die Arbeit beschwert, ist das für ihren Freund Grund genug, eine Woche auszuziehen. Sie hätte sich wie ein Arschloch benommen.

Und so muss Henriette überlegen, wie es jetzt weitergehen soll. Will sie Arschloch sein? Natürlich nicht. Aber was dann? Und wie?

 

Charaktere: 

Die Charaktere wollen hochphilosophisch sein, bleiben aber leider doch flach und widersprüchlich. Wenn Henriette ein dreistes Biest ist, das vorlaut Leuten von Angesicht zu Angesicht vor den Kopf stößt dann ist sie die alte Henni, die alle lieben. Muss sie zuhause mal Dampf ablassen nach einem langen Tag, und dabei fällt ein unfreundlicher Satz, dann ist sie ein Arschloch und der Freund lässt sich deshalb eine Woche lang zuhause nicht blicken? Sich halb zur Besinnungslosigkeit saufen ist gut, aber bitte nebenbei schön erwachsen sein?

Und all das ist gepaart mit einer dauerhaft egozentrischen Introspektion, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt, als ob man einen Kapuzenpullover trägt oder nicht.

Meinung:

Eigentlich mag ich Tobi Katze sehr gern. Wenn er humorvoll von sich erzählt. Poetry-Slam macht. Dies hier ist aber sein offenbar erster Ausflug in die Belletristik. Und leider gefällt es mir gar nicht. (Wobei er damit eigentlich den Geschmack der Buchpreis-Menschen treffen dürfte.)

Quälend langweilig und ohne wirkliche Handlung zieht Henriette einen mit durch ihr Leben. Alles ist von Bedeutung, welchen Wein man trinkt, welche Kaffeemaschine man nutzt, all das wird hier philosophisch durchgekaut, so dass man sich immer in Kreisen fortbewegt, nur garniert mit der Introspektion der Protagonistin, die wieder und wieder feststellt, dass sie nicht zufrieden ist, aber auch nicht weiß, was sie machen soll.

Daher auch meine Assoziation zu Catcher in the Rye. Das Buch greift auf, was vermutlich jeder an jedem einzelnen Tag seines Lebens erlebt. Beschreibt alles bis ins kleinste Detail, jeden nutzlosen Gedanken, jede belanglose Konversation. Es zeigt aber keinen Ausweg, nicht wirklich. Und alles, was als Aufbruch aus diesem Gedankenkarussell aufgenommen werden soll, erscheint so unrealistisch, dass es dem Leser nicht hilft.

Dabei gibt es durchaus ein paar schön beschriebene Szenen, gerade das Endkapitel an sich ist wirklich lesenswert. Aber leider ist der Rest des Buches nicht Fisch und nicht Fleisch. Es will tiefgehend sein, hält sich doch aber mit lauter oberflächlichen Gedanken auf. Es will hilfreich oder aufbauend sein, wirkt aber eher deprimierend, erdrückend.

Da fällt es schon beinahe nicht mehr auf, dass man Henriette irgendwie anmerkt, dass ihr Autor ein Mann ist. Natürlich laufe ich hier in die Klischeefalle. Aber Henriette wirkt einfach eher … männlich in ihrer Sprech-, aber auch ihrer Denkweise. Und ihr Freund wirkt mit seiner launischen Art, mit seinem Wunsch, sowohl eine kindlische, als auch eine erwachsene Freundin zu haben, eher weiblich. Ihm kommt nicht mal in den Sinn, dass man nicht alles haben kann. Was ein Verhalten ist, was ich bei mir selbst und den meisten meiner Freundinnen auch beobachten kann, aber sehr selten bei Männern.
Vielleicht ist das ja sogar der Clou des Romans? Die getauschten Geschlechterrollen? Vielleicht wollte Tobi Katze so nur mit etwas aufbrechen, hat bewusst so geschrieben?

Dann ist das vermutlich gut gelungen. Nur leider ist das überhaupt nichts, was mir gefällt. Mir fehlen hier Leichtigkeit und Humor. Und Realismus – es sei denn, es soll Fantasy werden.

 

Fazit: 

Ein Buch, das eher was für die Reich-Ranickis dieser Welt ist. Für mich zu hochtrabend, zu philosophisch, zu handlungslos und gleichzeitig in seiner vermeintlichen Tiefgründigkeit an der Oberfläche gestrandet.

 

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