Maryla Krüger – Ein schottischer Sommer

Ein schottischer SommerBuchdetails

  • Erinnert an:
  • Genre: Romanze, (verkapptes Erotica)
  • Erscheinungsdatum: 2013
  • Verlag: Dotbooks
  • ISBN: 9783955203153
  • Ebook 352  Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • Trigger: Dreiecks-Beziehung (Ja, ich bin der Meinung, dass man davor warnen muss) und zwischenzeitlich sogar Viereck, explizite Sexszene

 

Inhalt: 

Johanna hat im Leben nicht wirklich etwas erreicht. Sie hat ihr Studium abgebrochen und dann nur einer Freundin zuliebe angefangen, in einem Magazin für Paranormales zu schreiben, obwohl sie selbst gar nicht an so etwas glaubt.

Trotzdem ist das ihr Durchbruch, denn sie wird nach Schottland eingeladen. Denkt sie doch erst, dass sie da nur ein Interview mit einem Professor eines Geisterjägerinstituts führen soll, bietet der ihr aber einen Job an. Denn ein Zweifler, das ist genau, was ein guter Geisterjäger sein muss.

So fährt sie kurzentschlossen mit ein paar anderen Jägern in ein abgelegenes Schloss, in dem ein lachender Geist umgehen soll. Widmen sie sich anfangs noch der eigentlichen Aufgabe, driften sie doch aber alle mehr und mehr ab, und es entwickeln sich Liebeleien. Da wird die Geistersuche nur noch zur Nebensache.

 

Charaktere: 

Wir haben hier einige Charaktere, die nur aus Äußerlichkeiten zu bestehen scheinen. So wird dem Leser von gleich zwei Männern die Genitalien beschrieben und von der Protagonistin wissen wir eigentlich auch nur von ihrem üppigen Dekolletee und ihrem prallen Hintern. Gut, die beiden Herren – die nebenbei ab und an als Helden und schottische Versionen griechischer Götter bezeichnet werden – sind auch noch stur. Und nebenbei natürlich schottische Lords. UND Brüder. Aber sonst?

Einzig die Nebencharaktere haben ein wenig Charme. Das freche Dienstmädchen, die resolute Haushälterin und ihr Mann oder Geliebter, der hinter ihrem Rücken einen Otter im See so anfüttert, dass er dem Schloss gern mal die Fische stiehlt.

Meinung:

Das Buch habe ich mal irgendwo kostenlos bekommen, wobei in dem Infotext damals nur etwas von Geisterjagd stand. Ja, das Cover deutet schon an, dass dahinter dennoch ein Frauenroman steckt, aber was ich dann zu lesen bekam, hat mich doch überrascht.

Der Roman fängt ganz angenehm an. Das erste Drittel wirkt zwar etwas konstruiert – deutsches Eso-Blatt wird von schottischen Wissenschaftlern gelesen, und sofort wird die Autorin einbe- und dann eingestellt? -, aber hier steht noch die Geisterjagd im Mittelpunkt. Es gibt alte Rätsel, Archivarbeit, eben alles, was ein guter Abenteuerroman brauchen würde.

-VON HIER AN KOMMEN SPOILER!!!-

Dann ändert sich in nur zwei Prozent des Ebooks alles. Die zwei Protagonisten, zwischen denen es ab und an Sticheleien gab, küssen sich. Kurz darauf küsst er zur Begrüßung eine andere Frau, woraufhin sie wütend wegläuft, an den See geht und sieht, wie aus diesem ein nackter Mann steigt. Nach zwei gewechselten Sätzen schläft sie mit ihm – in der schlimmsten Sexszene, die ich je lesen musste. Ich mag so etwas ja eh schon nicht, aber die erregte bei mir wirklich physischen Brechreiz.

Daraufhin ist der erste Bruder natürlich eifersüchtig und gesteht der Protagonistin mal eben seine Liebe (man bedenke, dass sie sich zu dem Zeitpunkt erst vier Tage kennen), um eine Stunde später mit der Frau zu schlafen, die mit ihrem Begrüßungskuss erst all das ins Rollen brachte. Das rechtfertigt er damit, dass er ja auch nur – Achtung, widerlicher Sexismus mal andersrum – ein Mann sei. Und er hätte ja viel lieber unsere Protagonistin in der Nacht im Bett gehabt. (Entschuldigung, aber wieso schläfst du dann mit der Anderen? Ist ja der gegenüber auch nicht fair.)

Es folgt ein Hin und Her zwischen den beiden Damen UND den beiden Herren, das sich über den Rest des Buches zieht und unter anderem zu einem ersten Date führt, bei dem man gleich Oma und Schwester gleich beider Schwärme kennenlernt.

Hier kann man nur noch den Kopf schütteln, so schlecht wird die Geschichte. Ignorieren wir mal, dass sie alle zum Arbeiten im Schloss sind, und sich stattdessen die Tage mit Liebeleien, Picknicks und anderen privaten Aktivitäten vertreiben und nebenbei Sex in den Schlossbetten haben, die ihnen nicht gehören und die auch KEINE Hotelbetten sind.

Lassen wir auch außer Acht, dass nach nur einer Woche zwei Männer von großer Liebe reden und die Protagonistin gleich beide liebt – wenn die Wissenschaft doch Belege dafür hat, dass es Schwachsinn ist, innerhalb der ersten acht Monate überhaupt von Liebe zu sprechen. Der Zustand in der Zeit ist medizinisch gesehen nichts anderes als eine Psychose, im MRT als solche nachweisbar.

Ignorieren wir auch, wie dumm und verantwortungslos es ist, mal eben (ungeschützt!) mit einem Wildfremden zu schlafen, nur weil man dessen Gemächt eindrucksvoll fand.

Aber das Buch lässt immer mal wieder auch ekelhaften Sexismus – in beiden Richtungen – einfließen. So behauptet die Protagonistin, dass Frauen lügen, würden sie sich für die Augen oder Hände von Männern interessieren. Sie würden ja alle doch nur die Penisse der Herren der Schöpfung sehen. (Bitte, werte Autorin. Schließen Sie nicht von sich auf gleich 3,5 Milliarden Individuen.)

Leider lässt auch die Aufklärung des Geisterphänomens zu wünschen übrig. Das wird nur im Vorbeigehen und sehr fahrig und unschlüssig gelöst.

 

Fazit: 

Für Leser von Arzt-Groschenromanen und Ähnlichem sicher eine schöne Lektüre. Für mich eine verpasste Chance, denn der Schreibstil der Autorin ist anfangs wirklich gut. Leider hat sie sich gegen gute Fantasy- oder Abenteuergeschichten und für billige Erotik-Schmonzetten der Marke ZDF-Pilcherverfilmung entschieden. Und dass eine Frau als Autorin andere Frauen so billig darstellt, ist in meinen Augen unverzeihlich.

 

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