James Patterson – Sonntags bei Tiffany

Jane hat einen unsichtbaren Freund, der ihr das Leben mit einer sehr auf sich fixierten Mutter und einem meist abwesenden Vater erleichtert, doch an ihrem neunten Geburtstag muss er sie verlassen. Und das, obwohl der Tag eh schon ein einziges Desaster ist. Trost spendet ihm nur, dass er weiß, dass sie ihn vergessen wird, und er sie mit der Zeit auch. So ist das immer, wenn er wieder ein Kind verlassen muss.

Nur diesmal nicht. Jane, mittlerweile über 30, kann ihren imaginären Freund einfach nicht vergessen, hat ihre Erlebnisse mit ihm in ein Musical einfließen lassen und nun soll auch ein Film daraus werden. Das alles aber immer noch unter dem strengen und auf Oberflächlichkeiten fixierten Blick ihrer Mutter. Sie lässt sich immer noch unterbuttern, wie ein kleines Kind, und das nicht nur von ihrer Mutter, sondern auch von ihrem Freund.

Als ein Mann auftaucht, der erstaunlich genau so aussieht, wie ihr imaginärer Freund aus Kindertagen, ändert sich für Jane aber alles. Kann er das sein? Und wenn ja, warum ist er da und wie lange?

James Patterson hat hier eine leicht magische Liebesgeschichte geschaffen, der aber ein wenig die Antworten fehlen und deren Ende übereilt kommt, was leider verhindert, dass man das Buch als perfekt bezeichnen könnte. Dennoch ein kurzweiliges Lesevergnügen, das einem nicht erlaubt, das Buch lange zur Seite zu legen.

Trudi Canavan – Die Begabte

Der Auftakt zur (dritten?) Trilogie von Trudi Canavan, die mit der Gilde der schwarzen Magier schon gut vorgelegt hatte – zur Sonea-Trilogie kann ich leider bisher noch nichts sagen.

 

Aufbau:
Nun also die ‚Magie der tausend Welten‘-Trilogie, von der Band 1 und 2 bereits ins Deutsche übersetzt sind.
Die Begabte – Band 1 – ist aufgeteilt in zwei Handlungsstränge, die erst auch im Buch recht weit von einander getrennt sind. Viele Seiten zum Einen, dann zum Anderen, jeweils in abgegrenzten ‚Teilen‘, doch die Abschnitte werden immer kürzer, bis sie zuletzt im gleichen Teil, aber dennoch in getrennten Kapiteln auftreten. Das hat mich beim Lesen etwas gestört, muss ich sagen. Weil die Trennung IN der Geschichte nicht aufgehoben ist, und ich daher nicht genau ausmachen konnte, was der sich verändernde Aufbau ausdrücken sollte.
Inhalt:
Aber ich greife vor. Im Buch treffen wir auf Tyen, Student der Archäologie und Magie, der ein Buch findet, das nicht so ganz normal ist. Pergama war früher eine Frau und wurde von einem mächtigen Magier in ein Buch verwandelt, um Wissen anzusammeln und weiter zu geben. Dass sie den Standpunkt von Radikalen untermauert, wirft Tyens Weltbild über den Haufen und dennoch nimmt er alles auf sich, das Buch vor der Vernichtung zu retten, auch wenn das heißt, seine Heimat nie wieder zu sehen.

Rielle hingegen ist die Tochter reicher Färber, aber immer die Außenseiterin. Nicht nur, weil ihre Familie durch ihren Beruf einen Makel hat, sondern auch, weil sie etwas sehen kann, was andere nicht können. Schwärze, das, was übrig bleibt, wenn Magie verwendet wurde. Das darf sie nie jemandem erzählen, denn auch wenn das nicht verboten ist, würde es sie doch nur noch mehr ins Abseits stellen. Doch gleich zu Beginn stolpert sie so in einen Schlamassel, wird von einem Befleckten, jemandem, der Magie verwendet, ohne ein Priester zu sein, entführt. Sie kann ihn austricksen, so dass er gefangen genommen wird, doch was er bei der Gefangennahme sagt, bringt sie dazu, neugierig zu werden, woher er das verbotene Wissen zur Magie hat.
Dass dann auch noch ein Mann in ihr Leben tritt, den ihre Eltern nie gut heißen würden, und für den sie womöglich alles aufgeben müsste, macht ihre Lage nicht einfacher.

Meinung:

Mit seinen über 670 Seiten ist das Buch ein wenig langatmig, an manchen Stellen könnte es etwas gekürzt werden, ohne dass die Geschichte darunter leiden würde, aber langWEILIG ist es zu keinem Zeitpunkt. Die Protagonisten sind beide recht naiv aufgebaut, was zu Beginn ein wenig nervt, weil man voraussehen kann, in was für Schwierigkeiten sie sich manövrieren werden, und dass dies zu verhindern gewesen wäre. Aber dann wäre die Geschichte ja nie in Gang gekommen, daher kann man darüber hinweg sehen.

Alles in allem ein solider Anfang, mit erstaunlich sanften Cliffhangern, so dass man zwar einerseits wissen möchte, wie es weiter geht, das Warten auf das nächste Buch aber auch nicht unerträglich ist.

Charlie Holmberg – The Paper Magician

Ceony hat die Magierschule in nur einem Jahr abgeschlossen und möchte jetzt bei einem Schmelzer in die Lehre gehen, doch sie wurde einem Falter, einem Papiermagier zugeteilt. Dabei kann man das doch nie mehr ändern, wenn man erst an ein Material gebunden ist. Zuerst wehrt sie sich dagegen, lässt ihren Meister, Emery Thane, spüren, dass sie hier nicht gern ist, doch mehr und mehr lernt sie den verschrobenen Mann zu schätzen und als ihm eine merkwürdige Frau wortwörtlich das Herz aus der Brust reißt und damit verschwindet, riskiert sie ihr Leben, ihn zu retten.

 

Eine Mischung aus Harry Potter und der Gilde der Schwarzen Magier, aber ein wenig sanfter, etwas weniger düster und actiongeladen. Manchmal etwas zu viele Details, so hätte ich auf einige Beschreibungen von gefaltetem Papier verzichten können, und auch der Mittelteil des Buches, ein Wandel durch das Herz ihres Ausbilders, hätte etwas kürzer gefasst werden können, ohne dass man ihn dadurch weniger gern haben würde, aber alles in allem ein sehr schönes Buch, das man fast schon in einem Zug wegatmen kann.

Und selbst das Englisch hat keinerlei Probleme gemacht, obwohl ich lange nichts mehr auf Englisch gelesen habe, was mehr als ein Fachartikel war.

Neil Gaiman – The Ocean at the End of the Lane

ACHTUNG, SPOILER!!!!!

Bei diesem Buch muss ich etwas strukturierter rezensieren, als ich es normalerweise tu, weil ich es schlecht fassen kann. Leider muss ich dabei auch Spoiler einbauen. 

Sprache: Gaiman schreibt flüssig, leicht lesbar, auch für mich als Deutsche, die es auf Englisch liest. Ab und an tauchen Dialekte auf, da hatte ich ein wenig Probleme, aber schließlich kam ich auch damit zurecht. Er beschreibt viel, aber nicht zu viel, nicht zu komplex, gerade so, dass man sich gut in die Situation einfühlen kann. Die Sprache habe ich sehr genossen und entsprechend, wenn ich mal zum Lesen kam, auch viel auf einmal in kurzer Zeit geschafft.

Inhalt: Hier fühle ich mich hin und her gerissen. Zunächst einmal ist die Geschichte für meinen normalen Geschmack zu nah an Horror und Thriller, was ich sonst gar nicht lese. Auch ist nur wenig Witz drin, was für mich sonst wichtig ist. Dennoch war es spannend, packend, mit dem Erzähler – dessen Name, glaub ich, nie genannt wird – in seine Kindheit zurück zu reisen und Abenteuer zu erleben. Dabei habe ich, glaube ich, sogar ein paar Quellen von Gaimans Inspiration ausmachen können, fühlte ich mich doch zeitweise an Doctor Who (Father’s Day) und an Oma Wetterwachs von Pratchetts Scheibenwelt erinnert. Insgesamt eine sehr spannende Fantasy-Geschichte, die aber am Ende einen leicht schalen Beigeschmack behält, weil schlussendlich mit der Erinnerung des Erzählers gespielt wird. Dass er manipuliert wird, auch wenn es für ihn vielleicht das Beste ist, gab mir ein gewisses Gefühl der Leere, als ob man ich selbst es wäre, die einen wichtigen Teil meiner Persönlichkeit verliert. Darüber hinaus bleiben einige Fragen auch zum Ende hin offen. Wer und was sind die Hempstocks, woher kommen sie? Was waren die Wesen, die zwischendurch aufgetaucht sind, und warum erfährt der Rest der Welt nichts davon? 

Deshalb musste ich, trotz der sehr guten Erzählweise Gaimans und der Tatsache, dass ich es wirklich genossen hab, das Buch zu lesen, einen Stern abziehen.

Walter Moers – Das Labyrinth der Träumenden Bücher

Meine Rezension kann nicht viel anderes sagen, als das, was man bei Amazon mehrere hundert Mal gesagt bekommt. Für die Eiligen also das Plädoyer, dieses Buch, wenn überhaupt, erst zu lesen, wenn im November (wenn es denn dabei bleibt), Teil 2 rauskommt. Und auch dann einfach da springen, wo es zu langweilig wird. 

 

Jetzt aber zur Langfassung. Eigentlich mag ich es, wenn Autoren Geschmack, Geruch, Ausblicke im Detail beschreiben, aber das Labyrinth der Träumenden Bücher ist eine Aneinanderreihung an Langeweile. Ständig folgen Aufzählungen verschiedener Spielarten einer Sache. Zum Beispiel die Ausprägungen des Bbiblionismus. Warum?! Wozu muss jede Eigenart einen Namen erhalten, warum muss man unbedingt Schachteldenken auch noch in Buchform verwursten? Wenn es wenigstens in irgendeiner Weise lächerlich gemacht werden würde und damit als Gesellschaftskritik erkennbar wäre, aber nein, statt dessen langweilt uns Moers mit diesen Ausschweifungen. Dazu die Lebensgeschichte eines anderen Lindwurms, die komplette Wiederholung des Vorgängerbuches, ein Spaziergang, der auch zu keinerlei Ereignis führt, dann Mythenmetz‘ Aufzeichnungen zum Puppetismus. Man wartet nur, dass endlich etwas passiert, die Seiten werden immer weniger. Irgendwann muss doch die Handlung kommen, immerhin ist das Buch gleich vorbei. 

 

Und gerade, wenn man denkt, man hat die Aufzählungen zum Puppetismus hinter sich, ist Mythenmetz in einem Etablissement, in dem er *trommelwirbel* Bücher über Puppetismus liest und einem eine Zusammenfassung der Geschichte dazu gibt. Wenn ich an Kulturgeschichte interessiert wäre, würde ich das studieren. Tu ich aber nicht.

 

Und nach 400 Seiten Langeweile kommt der Meister dann auf die Idee, dass man doch mal ein wenig Handlung reinbringen könnte – einen Cliffhanger zum nächsten Band. Da weiß man nicht, ob man weinen, irre loslachen, oder das Buch durch die Gegend schleudern will. 

 

Dennoch, etwas Gutes hat es: Moers beweist Liebe zum Detail und Einfallsreichtum, wenn es um Beschreibungen geht. Nur schade, dass er die so unendlich lang ausschmücken musste, dass keinerlei Spannungsbogen zustande kommen konnte.