Warum ich kaum noch Rezensionen schreibe

Vor kurzem war wieder einmal Litnetzwerk-Wochenende. Das heißt, wir Buchblogger*innen ziehen herum und schauen auf anderen Blogs nach Beiträgen, die wir spannend finden und vielleicht sogar kommentieren wollen. Dabei sind mir ein paar aufgefallen, bei denen ich dann auch gedanklich länger hängen geblieben bin. Einer davon hat mich zu diesem Beitrag hier bewegt.

Denn Emmi von Dailythoughtsofbooks zeigt – unbewusst, und auch gar nicht böse gemeint – gut auf, warum ich eigentlich absolut keine Lust mehr habe, Rezensionen zu schreiben.

Sowohl sie, als auch so ziemlich jede*r in den Kommentaren, mag keine Rezensionen mit Spoilern. Spoiler sind für manche der Grund, warum sie generell keine Rezensionen mehr lesen, andere wiederum halten sie schlicht für ein No-Go. Aus der Sicht der Kommentierenden völlig verständlich, für mich persönlich aber problematisch.

 

Wofür liest man eine Rezension?

Was genau man von einer Rezension will, bestimmt wohl, was sie beinhalten muss. Will ich mich vorsichtig über das Buch informieren, bevor ich es lese, um zu entscheiden, ob ich es irgendwann vielleicht kaufen will? Und bin ich dabei eine Person, der Spoiler vielleicht sogar den Spaß verderben?

Ja, dann ist es absolut verständlich, warum man keine Rezensionen mit Spoilern lesen will.

Nur leider bin ich das genaue Gegenteil. Ich lese Rezensionen entweder dafür, um zu entscheiden, ob ich ein Buch, das mir bisher noch nicht so gut gefällt, noch weiterlesen will. Dafür benötige ich zumindest grundlegende Informationen über alles, was im weiteren Verlauf noch an Ärgernissen im Buch aufkommt. Denn ich will meine Zeit nicht damit verschwenden, mich über Bücher zu ärgern.

Oder aber ich lese die Rezension hinterher, weil ich:

  • wissen will, ob Andere etwas genauso verstanden haben, wie ich
  • etwas Kritisches überlesen habe, weil ich irgendwie das Gefühl habe, dass das Buch doch gar nicht so gut sein kann, wie mein Eindruck direkt nach dem Lesen mir weismacht
  • dringend jemanden zum Diskutieren suche, weil Inhalte mich bewegt, verärgert oder auf Gedanken gebracht haben.

Ohne Spoiler erfüllen Rezensionen für mich als Leserin also keinerlei Zweck. Mich durch sie zu quälen, um am Ende nur eine vage gehaltene Lobeshymne gelesen zu haben, deren Ursachen ich nicht verstehe, weil die entsprechenden Plotpunkte ja nicht genannt werden, ist für mich verschwendete Lebenszeit. (Also entschuldigt bitte, dass ich selbst bei meinen Lieblingsblogger*innen fast nur vorbeischaue, wenn sie Artikel schreiben, die keine Rezension sind.)

 

Wofür schreibt man eine Rezension?

Aber noch ein Punkt kommt hinzu. Denn klar, man kann Rezensionen auch schreiben, um Autor*innen Käufer*innen zu verschaffen.

Nur bin ich keine Werbeagentur. Ich möchte natürlich den Autor*innen, die ich gern gelesen habe, auch helfen, weitere Leser*innen zu finden. Ich möchte Leute mit dem anfixen, was ich liebe. (Na, hat immer noch jemand von euch nicht Mara und der Feuerbringer gelesen?)

Aber ich schreibe Rezensionen auf diesem Blog erstmal aus zwei Gründen:

  • Um Lesetagebuch zu führen. Das ist es nun einmal, wofür das Wort Blog steht: Weblog, also Online-Tagebuch. Ich möchte dadurch dafür sorgen, dass ich mich an Bücher erinnern kann, oder, wenn ich es eben nicht mehr kann, weiß, wo ich nur schnell nachschauen muss, um ALLES (Wichtige) wieder im Kopf zu haben.
  • Um Leute zu finden, die mit mir über die gelesenen Bücher diskutieren.

Und natürlich möchte ich dabei auch so schreiben, dass es mich als Leserin interessieren würde.

 

Aufeinander prallende Welten

Aber ich merke bei meinen Rezensionen eben oft genau das Problem. Kaum jemand liest sie. Gut, mein Blog ist einerseits nicht allzu bekannt und andererseits brauche ich zumindest für den Lesetagebuch-Aspekt nicht wirklich Leser*innen.

Trotzdem nagt dann doch immer dieser Gedanke an einem. Dass man einfach nicht richtig schreibt. Dass die Leute einen deshalb nicht lesen wollen. Also versuche ich seit einiger Zeit schon, die Spoiler zumindest zu reduzieren. Und das Ergebnis ist: Rezensionen zu schreiben, macht mir keinen Spaß mehr, wird sogar zur Qual. Mein Anspruch an Rezensionen und der der möglichen Rezipient*innen liegt einfach zu weit auseinander, und aktuell kann ich meist keinem von beiden mehr gerecht werden. Meinem nicht, weil ich weiß, wenn ich das jetzt schreibe, lese vermutlich eh nur ich das – naja, vielleicht noch meine Mutter -, und dem Fremden nicht, weil sich alles in mir dagegen wehrt, eine Rezension zu schreiben, die für mich absolut sinnlos und unnütz ist.

 

Also ja, das ist der Hauptgrund, warum ich in letzter Zeit kaum noch rezensiere, und damit auch, warum es hier so oft und lange still ist. Nur kommt zu dieser kompletten Blockade durch widerstrebende Ansprüche noch das schlechte Gewissen dazu, denn, wenn ich über die Autor*innen, deren Werke mir gefielen, nicht schreibe, kriegen sie weniger Aufmerksamkeit und damit weniger Geld. Und das baut noch mehr Druck auf. Und irgendwie macht das alles gerade einfach keinen Spaß …

5 Gedanken zu „Warum ich kaum noch Rezensionen schreibe“

  1. Hallo!

    Ich kann dich absolut verstehen. Ich lese Rezensionen meist nur, wenn ich die Bücher kenne, weil ich schauen möchte, welche Aspekte die anderen gut oder schlecht fanden. Ich mag Spoiler meist nur bei Serien, aber da suche ich sie dann meist aktiv. Bei Büchern lese ich Rezensionen mit Spoilern nur bei Verrissen oder wenn ich das Buch definitiv nicht lesen möchte. Aber ich kann auch sehr gut verstehen, dass Rezensionen weniger gelesen werden. Ich lese auf Blogs meist die anderen Beiträge, die mir die Menschen hinter dem Blog näherbringen, oder themenbezogene Beiträge.

    Liebe Grüße,
    Francis

    (verspätetes #litnetzwerk 😉 )

    Antworten
  2. Hallo Taaya,

    ja, ich habe diesen Beitrag auch gelesen und mich dann gefragt, wozu noch Rezensionen schreiben. Denn meiner Meinung nach muss eine aussagekräftige Buchbesprechung zumindest etwas über den Inhalt verraten. Wenn sie komplett ohne Spoiler sein soll, kann ich doch gar nichts zum Weltenbau, den Protagonisten und den Plot sagen. Was hat mich bewegt, was hat mich geärgert – ohne das an irgendetwas festzumachen, bleiben die Aussagen ziemlich inhaltsleer. Meine Rezensionen sollen zwar keine Lesetagebücher sein, aber ich möchte schon noch nachvollziehen können, was mir so durch den Kopf gegangen ist.

    Kurzum: Meine Rezensionen sind nicht komplett spoilerfrei. Aber ich versuche die Inhaltsbeschreibung deutlich abzugrenzen und dort nicht zu viel vorwegzunehmen, nur dass erkennbar ist, welche Richtung die Geschichte nimmt. Im Meinungsteil nehme ich Bezug auch konkrete Sachen, wenn mir dies wichtig erscheint. Und ich halte auch fest, wenn ich Denkanstöße aus dem Buch mitgenommen habe.

    Zum Glück scheint es mir dennoch zumindest ab und zu gelingen, einerseits Menschen auf Bücher neugierig zu machen und anderseits Menschen den Abgleich mit ihren eigenen Empfindungen beim Lesen zu ermöglichen. Allen es recht zu machen kann ich da sowieso knicken. Aber das nehme ich in Kauf, denn auf genug Blogs finde ich Rezensionen sehr nichtssagend und das will ich für meine auf keinen Fall.

    Viele Grüße
    Elena

    Antworten
  3. Liebe Birgit, ich kann Deine Gedanken so gut nachvollziehen, denn ich stelle mir die Frage natürlich auch immer und immer wieder: wie viel Spoiler muss und darf sein? Denn ich bin in dem Punkt genau wie Du, ganz ohne Spoiler kommen meine Rezensionen nicht aus. Auch bei mir liegt das darin begründet, warum ich Rezensionen schreibe. Ich bin da nämlich erst einmal ganz egoistisch und schreibe die zu meinem persönlichen Vergnügen. Ich liebe es, mich mit einem Buch so tief auseinanderzusetzen, wie ich es für die Rezension brauche, die meinen Ansprüchen genügt. Es macht mir Spaß, mir zu überlegen, was mir an einem Buch gefällt und was nicht. Ob der gewählte Storyaufbau funktioniert, welche Handlungen wesentlich sind und welche entbehrlich, ob mir das Setting stimmig erscheint, ob ich die Protagonisten authentisch finde und so weiter. Wenn ich anfange, mir all das zu überlegen, mache ich das erst einmal nur für mich. Und wenn ich all das in meiner Rezension ausformuliere, benötige ich ja zumindest ein paar Bezugspunkte aus der Handlung. Deswegen funktionieren meine Rezensionen nicht, wenn ich nicht wenigstens kurz auf den Inhalt eingehe und dabei sind Spoiler unvermeidlich. Beim Schreiben habe ich schon den Gedanken im Kopf “Pass auf, das liest möglicherweise jemand.” Üble Spoiler, die für den Spannungsaufbau wesentlich sind, vermeide ich. Aber es hängt natürlich von meiner Sichtweise ab, was ich als Spannungsmoment empfinde, und was nicht. Ich habe ursprünglich Krimis rezensiert und da wäre es mir beinahe einmal passiert, dass ich den Mörder verriet. Denn das Buch war eigentlich ein historisches Familiendrama, der aus der seltsamen und kruden Familengeschichte seine Spannung zog. Dass dabei auch ein Mord aufzuklären war, war eher nebensächlich. Trotzdem war ich ganz froh, dass ich es noch bemerkte, bevor die Rezension online ging. Ich schreibe seit 2005 Rezensionen und ich denke, ich habe meine Art, Rezensionen zu schreiben und Spoiler zu nennen oder zurückzuhalten seitdem nicht grundlegend geändert. Diejenigen, die meine Rezensionen lesen, düften also mittlerweile Bescheid wissen. Und deshalb schreibe ich meine Rezensionen weiterhin so, wie sie mir Spaß machen. Und dafür brauche ich einfach ein wenig Grundlage aus der Handlung, um eine gewisse Tiefe zu erreichen. Ich habe bihser keinen Grund anzunehmen, dass das meine Leser*innen stört. Ich kann Dir nur empfehlen, mach Dein Ding und schreibe Deine Rezensionen so, wie Du sie magst und gut findest. Damit erreichst Du die Leser, die aus ähnlichen Gründen Rezensionen lesen und mögen, wie Du. Alles andere funktioniert in meinen Augen nicht und führt zu Verdruss. Liebe Grüße und schöne Pfingsttage wünscht, Eva

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  4. Hä? Wie soll man eine Rezension schreiben, wenn man nichts über den Inhalt verraten darf?

    Das Problem liegt dann doch wohl eher bei den Leser*innen. Wenn man vollkommen unvoreingenommen an ein Buch herangehen will, dann braucht man vorher auch keine Rezensionen lesen.

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