Pearl S. Buck – Ostwind-Westwind

Ostwind WestwindBuchdetails

  • Erinnert an: //
  • Genre: Belletristik, (fiktive) Biografie
  • Erscheinungsdatum: 1930
  • Verlag: Rowohlt
  • ISBN: 9783499100413
  • Taschenbuch 151 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • Triggerwarnungen: Noch sehr festgefahrenes Rollenbild von Frauen und institutionalisierter Rassismus, die aber beide im Laufe des Buches erkannt und abgebaut werden
  • Positives: Langsames Aufbrechen eingefahrener und toxischer Strukturen. Kampf gegen Rassismus.

 

Inhalt: 

Kwei-lan kann es nicht fassen. Ihr Mann, ein chinesischer Arzt, der im Westen studiert hat, will nicht in einem chinesischen Haus leben, chinesische Medizin praktizieren, chinesische Kleidung tragen. Und vor allem will er nicht, dass seine Frau ihm bei allem gehorcht und sittsam zu Willen ist. Er findet ihre abgeschnürten Füße eklig und möchte, dass sie sie aufbindet. Und überhaupt ist alles, was man sie gelehrt hat, in seinen Augen falsch.

Als dann auch noch ihr Bruder sich weigert, die für ihn vorbestimmte Frau zu heiraten, und lieber mit einer Amerikanerin lebt, muss die junge Chinesin ihr Weltbild völlig neu überdenken und findet sich plötzlich in einem Konflikt zwischen zwei Generationen, zwischen Tradition und Moderne wieder.

 

Aufbau:

Der Stil ist etwas gewöhnungsbedürftig, denn die Protagonistin spricht das ganze Buch über zu einer ‘Schwester’, die wir aber nie kennen lernen. Sie redet damit zwar quasi den Leser direkt an, doch ist er gleichzeitig kein Teil der Geschichte, denn diese ‘Schwester’ (die keine ist und die Kwei-lan nur als solche empfindet), agiert auch.

“Du fragst, Schwester? Nach meinem Sohn? …”

Man erfährt nie, wie die beiden sich kennen gelernt haben, wer diese Schwester ist, so, dass man über einen wichtigen Aspekt die ganze Zeit im Dunkeln gehalten wird.

Darüber hinaus ist auch der sehr beschreibende Stil – jeder Stoff wird samt Farbe und Stickereien erwähnt – etwas anstrengend zu lesen.

Meinung:

Normalerweise lasse ich die Autoren sowohl beim Lesen als auch in meinen Rezensionen außen vor. Hier musste ich aber recherchieren. Für die heutige Zeit wirkte das Buch für mich auf den ersten Seiten eher rassistisch, aber ich konnte nicht einordnen, ob es im historischen China nicht doch so zuging. (Ein Mann eine Ehefrau und viele Konkubinen haben, Frauen dürfen in Gesellschaft der Männer möglichst gar nicht reden, möglichst auch nicht aufblicken, Mädchen nicht mal mit Jungen über 6 oder 8 Jahren zusammenleben … .) Es wirkte zunächst so, als würde die Autorin bewusst die chinesische Gesellschaft überspitzt darstellen, um sich über sie zu erheben. Ich wusste zwar aus dem Geschichtsunterricht, dass Mädchen von klein auf die Füße so abgebunden wurden, dass sie klein blieben und im schlimmsten Fall abfaulten, mangels Durchblutung, und, dass es ein sehr starres Protokoll gab, das über Jahrhunderte nicht reformiert wurde, aber viel mehr wusste ich nicht.

Pearl S. Buck wird aber eher in ihrem Einsatz FÜR China und AsiatInnen insgesamt, FÜR die Völkerverständigung geehrt. Leider habe ich keine chinesische Meinung dazu gefunden, so dass ich noch nicht zu 100 Prozent sicher sein kann, dass hier wirklich keine Vorurteile am Werk sind. Aber sie wird zumindest in der Weltöffentlichkeit wohl nicht kritisch betrachtet.

Erst, als ich das recherchiert hatte, wagte ich mich weiter ans Buch und konnte es plötzlich sogar genießen. Die Sprache ist mir etwas zu blumig bei den reinen atmosphärischen Beschreibungen, bei Oberflächlichkeiten, und zu wenig beschreibend beim tatsächlichen Gefühlsleben. Auch fand ich es schade, dass moralisch-philosophische Fragen nur sehr abgehackt behandelt wurden. (Wenn es keinen Beweis für Götter gibt, sollte man deshalb alle Traditionen, die mit ihnen zu tun haben, ablegen, oder kann man die beibehalten, die zumindest nicht schaden, wenn man das betreffende Kind dennoch aufklärt, dass man nicht weiß, ob es Götter gibt? …) Aber alles in allem war es spannend zu lesen, wie ein Charakter langsam in Kontakt mit Aufklärung, Wissenschaft und modernen Einstellungen kommt, mangels nötigem Wissen und Strukturen aber erst langsam daran herangeführt werden muss. Und wie aus zögerlicher Zurückhaltung der Moderne gegenüber plötzlich ein Kampf für Selbige wird, wenn es um Unrecht geht.

Eine spannende Geschichte, die zwar merklich nicht mehr aktuell ist, zur Zeit der Globalisierung, aber vielleicht aufzeigt, wie unsere eigenen Vorfahren auch erst an Themen der Aufklärung herangeführt wurden. Wie universal das Zögern ist, wenn man etwas Neues, Unbekanntes akzeptieren soll, und wie natürlich es uns plötzlich erscheint, wenn wir es leben.
Fazit: 

Ein paar Schwächen und ein recht komplizierter Stil, aber durchaus lesenswert.

 

Meinungen anderer Blogger: 

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Sebastian Niedlich – Und Gott sprach: Es werde Jonas!

Und Gott sprach: Es werde JonasBuchdetails

  • Erinnert an: John Nivens ‘Gott bewahre’, nur besser und mit weniger Kifferhumor
  • Genre: In Ermangelung eines besseren Worts: Humor, Belletristik
  • Erscheinungsdatum:
  • Verlag: 2015
  • ISBN: 9783862654994
  • Taschenbuch 299 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • Trigger: Mord, Tod religiöser Fanatismus, Blasphemie, ziemlich viel Gefluche

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Tobi Katze – Immer schön die Ballons halten

Immer schön die Ballons haltenBuchdetails

  • Erinnert an: Eigentlich unpassend, aber mich erinnert es an ‘Catcher in the Rye’ von J. D. Salinger, da es ähnlich kleinteilig beschrieben ist
  • Genre: Belletristik
  • Erscheinungsdatum: Oktober 2017
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch
  • ISBN: 978-3-499-63289-1
  • Taschebuch 218 Seiten
  • Sprache: Deutsch

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[Kurzrezension] Markus Orths – Lehrerzimmer

Lehrerzimmer

Parodie, Belletristik | 160 Seiten | Taschenbuch | btb | Deutsch
(Memo an mich: Ich sollte mir das endlich merken, damit auch Kurzrezensionen übersichtlich bleiben.)

Dieser Roman wurde mir in seiner Hörbuchfassung schon vor einigen Jahren empfohlen, doch das Hörbuch bei Sputnik habe ich damals irgendwie verpasst. Leider, denn ich glaube, dass der akustische Konsum des Romans zumindest ein Ärgernis aus dem Weg geräumt hätte: Die unglaubliche Anzahl genutzter Kommata.
Der Stil Orths’ ist leider wirklich anstrengend. In einem Satz teilweise 23 Kommata, obwohl nicht alle Teile des Satzes grammatikalisch und thematisch überhaupt zusammengehören.

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Marc-Uwe Kling – Qualityland

QualityLand

Buchdetails

  • Genre: (Humor), ich würde hier aber eigentlich eher Political Fiction oder Literatur im Allgemeinen sagen, dazu Science Fiction
  • Erscheinungsdatum:  2017
  • Verlag: Ullstein
  • ISBN: 9783550050152
  • Hardcover 384 Seiten
  • Sprache: Deutsch

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Aude Le Corff – Das zweite Leben des Monsieur Moustier

Das zweite Leben des Monsieur Moustier

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: 2016
  • Verlag: insel taschenbuch
  • ISBN: 978-3-458-36169-5
  • Taschenbuch 192 Seiten
  • Sprache: Deutsch

 

Ich möchte im Voraus warnen, dass diese Rezension Spoiler enthalten wird, da ich mich bei der Begründung meiner Bewertung diesmal auf den gesamten Inhalt beziehen muss.

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Bücherliebe – Bücher über Bücher


Bildquelle:  angieconscious  / pixelio.de

 

Guten Morgen ihr Lieben.

Weil es noch viel zu früh für den Readathon ist, ich aber auch nicht mehr schlafen kann, mache ich mich hier an einen Beitrag, auf den mich Linus von Buzzaldrins Bücher gebracht hat. Er hat letztes Jahr zum Welttag der Bücher eine Sammlung über die Werke gemacht, die sich um Bücher drehen. Ich hatte eigentlich erst vor, die Idee erst zum nächsten Welttag aufzugreifen, aber dann meinte Linus, er würde sich freuen, so einen Beitrag zu lesen, weil er manche Bücher vielleicht noch nicht kennt und da bin ich wohl etwas wie Barney Stinson. Herausforderung angenommen. Hier also meine Sammlung von Büchern über Bücher, teils auch noch vom SUB. Dabei soll dieser Beitrag vollkommen wertungsfrei sein, da Geschmack bekanntlich unterschiedlich ist. Nur sortiert nach Genre. Dort, wo Links vorhanden sind, führe ich euch allerdings zu meiner Rezension dazu, falls ihr mehr wissen mögt.

 

Fiktion – verschiedene Genres

Ein Buchladen zum VerliebenDas Haus der vergessenen BücherDas geheime Leben der BücherDie sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra (Mr. Penumbra's 24-Hour Bookstore, #1)Das beste Buch der Welt

Katarina Bivald: Ein Buchladen zum Verlieben | Christopher Mosley: Das Haus der vergessenen Bücher | Régis de sá Moreira: Das geheime Leben der Bücher | Robin Sloan: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra | [SUB] Peter Stjernström: Das beste Buch der Welt

Fiktion – Fantasy

Die Begabte (Die Magie der tausend Welten, #1)Die BuchspringerDie Stadt der Träumenden Bücher (Zamonien, #4)TintenherzDie unendliche GeschichteBuchlandDie Buchmagier (Magic Ex Libris, #1)Die unsichtbare BibliothekDie Bibliothek der SchattenDie Magie zwischen den Zeilen (BookElements #1)

Trudi Canavan: Die Begabte (magisches Buch mit Persönlichkeit) | Mechthild Gläser: Die Buchspringer (Reisen in Bücher) | Walter Moers: Die Stadt der Träumenden Bücher und der Rest der Mythenmetz-Trilogie (Buchzentrierte Welt und Handlung) | Cornelia Funke: Tintenblut und der Rest der Tintenwelt-Trilogie (Reisen in und aus Büchern) | Michael Ende: Die unendliche Geschichte (Buch in Buch) | [SUB] Markus Walther: Buchland | [SUB] Jim C. Hines: Die Buchmagier | [SUB] Genevieve Cogman: Die unsichtbare Bibliothek | [SUB] Mikkel Birkegaard: Die Bibliothek der Schatten | [SUB] Stefanie Hasse: Die Magie zwischen den Zeilen

 

Nonfiction

Bildergebnis für andreas schröder ebooks und BücherMeine wundervolle Buchhandlung

Andreas Schröder: Ebooks und Bücher (Wissenschaftliche Monographie) | Petra Hartlieb: Meine wundervolle Buchhandlung (Biografie)

 

Außer der Reihe – ‘Irgendwas mit Büchern’

"Verkaufen Sie auch Bücher?" - Kuriose Kundenfragen in Buchhandlungen5 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich - Die 100 bekanntesten Bücher im Urteil der Leser

Jen Campbell: “Verkaufen Sie auch Bücher?” | Paul-Philipp Hanske u.a.: 5 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich

Haruki Murakami – Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: August 2015
  • Verlag: btb Verlag
  • ISBN: 978-3-442-74900-3
  • Taschenbuch 318 Seiten
  • Sprache: Deutsch

 

Klappentext: 

Der junge Tsukuru Tazaki ist Teil einer Clique von fünf Freunden. Nach der gemeinsamen Schulzeit geht er zum Studium nach Tokyo. Als er an einem Sommertag voller Vorfreude auf die Ferien nach Nagoya zurückkehrt, schneiden ihn seine Freunde plötzlich und brechen den Kontakt zu ihm ab. Erst viele Jahre später offenbart sich der inzwischen 36-Jährige seiner neuen Freundin Sara und stellt sich den Dämonen seiner Vergangenheit…

Inhalt: 

Schon immer hat Tsukuru sich für Bahnhöfe interessiert. In seinen Augen war es das Einzige, was ihn irgendwie ausmachte. Und so hat er sich schon immer gewundert, warum seine vier Freunde ihn mochten, war er doch farblos, charakterlos, leer. Dennoch bildeten die fünf eine perfekte Harmonie, bis sie ihn plötzlich verstießen. Er könne sich den Grund doch denken. Konnte er nicht.

Die plötzliche Ablehnung seiner Freunde stürzte ihn in ein tiefes Loch, dass er zwar bald wieder hinter sich gebracht hatte, aber eine Wunde zurückließ, die auch 16 Jahre später noch nicht verheilt war. Nachdem er das seiner neuen Freundin offenbart hat, stellt sie klar, dass sie nicht mit ihm schlafen würde, solange ihn diese alte Wunde noch verfolgt.

Halb genötigt, doch auch halb aus ernsthaftem, neu erwachtem Interesse, seine Vergangenheit aufzuklären, macht sich Tsukuru auf die Suche, seine alten Freunde aufzusuchen und alte Wunden aufzureißen, damit sie richtig ausheilen können.

 

Charaktere: 

Viele Charaktere werden beinahe schon liebevoll eingeführt, mit kleinen Besonderheiten, die sie interessant machen, ausgestattet, um dann doch nur Randfiguren zu bleiben. Selbst Freundin Sara und die alte Clique treten nur am Rande auf, erscheinen plastisch dargestellt und doch scheint etwas zu fehlen.

Tsukuru hingegen wird breit diskutiert, kritisiert alles an sich, was er finden kann, selbst. Man lernt seine Vorlieben und Besonderheiten kennen, leidet mit ihm und dennoch scheint er weniger detailliert aufgebaut als so manche Nebenfigur. Vielleicht, weil er sich selbst so sieht, weil er sich selbst als leer und farblos wahrnimmt und die guten Seiten oder liebenswerte Macken an sich gar nicht wahrzunehmen vermag. Diese erfährt man nur kurz von den anderen der Clique, aber nicht genug, um ein vollständiges Bild abzugeben.

So bleiben alle Charaktere noch irgendwie mysteriös. Nicht richtig vollständig, aber auch nicht lieblos erdacht.

 

Fazit: 

Obwohl viele ernsthafte Themen – Depression, Mord, Vergewaltigung – angesprochen werden, schreibt Murakami fast schon unbeschwert leicht. Eine Sprache, die einerseits fremd und ruhig erscheint, andererseits leichtfüßig durch die Geschichte trägt. Die Spannung und Neugier, die sich aufbaut, wirkt so nicht erdrückend, nicht drängend, der Roman selbst kippt aber auch nie in Richtung Langeweile.

Einzig das offene Ende, und, dass die Bedeutung, der Existenzgrund mancher Nebenfiguren nicht aufgeklärt wird, lässt die Geschichte nicht vollkommen rund erscheinen. Zu viel braucht noch Abschluss, als dass man fünf Sterne vergeben könnte.