#SchullektuereChallenge Rezension 12: G. E. Lessing – Nathan der Weise

Buchdetails

  • Erinnert an: Daily Soap, wenn sie noch spannend sind, bevor alle mit einander schlafen. Nur stilvoller 😉
  • Genre: Klassiker, Drama
  • Erscheinungsdatum: Veröffentlicht 1779, Uraufführung 1783, Edition 1990 (daher auch so zerfleddert, weil viel geliebt und mehrere Leute in der Familie und deren Schullaufbahn durchlaufen)
  • Verlag:  Reclam
  • ISBN: 3-15-000003-3
  • Taschenbuch 160 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • Trigger: Hausbrand, Antisemitismus (einzelner Charaktere), Rassismus (einzelner Charaktere)

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Advent, Advent

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-wenn auch unbezahlt-

 

Herzlich willkommen im Dezember. Nun schielen viele von euch wieder sehnsüchtig zu den Türchen, hinter denen sich eine kleine Portion Schokolade versteckt.

Doch gerade für uns Büchermenschen ist das auch die Zeit der Gewinnspiele und der kostenlosen Kurzgeschichten. Daher habe ich versucht, für euch alle Adventskalender 2018 zusammen zu tragen, die halbwegs etwas mit Büchern zu tun haben.

 

Gewinnspiele von Firmen, offiziellen Ämtern und Verlagen:

  • Wie auch in den letzten Jahren verlost Elbenwald wieder jeden Tag bis Heiligabend Fan-Merch. Darunter finden sich zwar nicht nur bibliophile Geschenke, aber heute geht es schon mit Harry Potter los. Ab und an findet also auch der Buchliebhaber hier etwas Schönes.
  • Auch Lovelybooks ist da schon altbekannt. Hier läuft der Adventskalender aber etwas anders ab als in den vorigen Jahren. Statt nur einem Buch pro Tag, das man mit der Beantwortung einer Frage gewinnen kann, stehen diesmal drei zur Auswahl, bei denen man aber, wie bei den normalen Verlosungen, statt Quizfragen lieber beantworten soll, warum man es gewinnen will.
    (Persönlich mochte ich das alte System lieber, denn solche Fragen, die irgendwie persönlich werden, sind der Grund, warum ich bei den normalen Verlosungen nie mitmache.)
  • Buecher.de hat seinen Kalender gut versteckt. Auf der Startseite finde ich ihn nicht, aber existieren tut er doch. Hier kann man Bücher und Hörbücher gewinnen.
  • Die deutsche Krebsgesellschaft hat in ihrem Adventskalender auch ab und an ein Büchlein versteckt.
  • Beim Kalender des Bundessozialministeriums winken neben Büchern auch DVDs und Geldpreise.
  • Der Adventskalender von Langenscheidt für alle Sprachbegeisterte läuft sogar schon seit November. Hier könnt ihr täglich Bücher und Kalender gewinnen. An welchem Tag was verlost wird, steht übrigens gleich unten auf der Seite, so dass ihr hier gezielt an speziellen Tagen zuschlagen könnt.
  • Beim Piper Verlag gibt es in diesem Jahr auch wieder täglich ein Buch zu gewinnen.
  • Bei Fischer Tor findet ihr auch vor allem Phantastik-Bücher, die ihr täglich gewinnen könnt.

 

  • Den Südwest Verlag der Gruppe Randomhouse kannte ich bisher noch nicht. Ich weiß wenig über das Sortiment – heute, am 1. Dezember ist der Gewinn ein Kochbuch -, aber für den einen oder anderen ist das vielleicht auch interessant.
  • Auch Heyne, ebenfalls unterm Dachverlag Randomhouse, hat einen Adventskalender.
    => Bei allen Randomhouse-Kalendern scheint aber eine Anmeldung zu deren kostenlosen Newslettern ‚Buchentdecker‘ notwendig zu sein. Das ist also nur etwas für Leute, die gerne Mails von Verlagen bekommen.

Gewinnspiele von Bloggern:

  • Wie auch schon in den letzten Jahren, verlost Eva von Phantastisch-lesen.de zweimal die Woche ein Buch aus den Phantastik-Genres. Reinschauen lohnt sich hier in jedem Fall. (Und Mitmachen auch, kann doch nicht ständig nur meine Mutter gewinnen.)

 

Weitere Adventskalender (Weihnachtsgeschichten, thematische Rezensionen, Kurzgeschichten allgemein, …):

  • Das Autorenforum Schreibnacht hat einen Adventskalender mit Geschichten und Gedichten auf die Beine gestellt. Dabei nehmen euch manche der Autoren mit auf ihre eigenen Seiten, andere findet ihr im Magazin der Schreibnacht selbst. Los geht es heute hier.
  • Die Autorinnengruppe ‚Nornennetz‚ wiederum, ein Zusammenschluss aus Phantastik-Autorinnen, wird über die nächsten Wochen Facebook, Instagram und ihren Blog in eine Märchenwelt verwandeln. Auf wechselnden Plattformen lest ihr von Prinzessinnen und Heldinnen.
  • Und wer einem Roman beim Entstehen zulesen möchte, kriegt bei Poisonpainter täglich einen Schnipsel von ihrem aktuellen Projekt – und an den Wochenenden auch mal Kurzgeschichten von Gastautoren.

Andere Übersichten:

Und, da ich diese Übersicht hier erst gefunden habe, nachdem ich mich schon durch 400+ Adventskalender gewühlt habe, auf der Suche nach Buchigem, möchte ich sie euch auch nicht vorenthalten und vor allem nicht nur die Links übernehmen. Es steckt viel Arbeit dahinter, die alle zusammen zu tragen, daher schaut bei Gabis Laberladen vorbei, die noch ein paar andere Verlage und Aktionen gefunden hat.

Fehlt ein Kalender in beiden Übersichten? Dann nur raus damit. Und ansonsten viel Erfolg bei den Gewinnspielen.

[Monatsrückblick] November 2018 [+Kurzrezension von Myriam Klatt – Liebe geht immer]

 

 

Der November ist vorbei und es wird grau und kalt. Jetzt beginnt endlich das perfekte Lesewetter. Holt eure Decken raus, setzt Tee auf und wir schnappen uns gemeinsam ein gutes Buch.

Aber zuerst schaue ich auf den November zurück.

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Stefan Bonner, Anne Weiss – Heilige Scheiße

Heilige Scheiße: Wären wir ohne Religion wirklich besser dran?Buchdetails

  • Erinnert an: //
  • Genre: Sachbuch, (Humor)
  • Erscheinungsdatum: 2011
  • Verlag: Bastei Lübbe
  • ISBN: 9783404601875
  • Taschenbuch 256 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • Trigger: Blasphemie, bibelinterne Homophobie, bibelinterner Sexismus
  • Positiv anzumerken: (für mich) Blasphemie

 

 

Inhalt: 

Viele Kirchen, aber auch Politiker und Prominente befürchten, dass unsere Welt, wie sie ist, zusammenbrechen würde, würden wir die Religionen abschaffen. Aber ist dem wirklich so? Welchen Wert haben Religionen wirklich für unsere Gesellschaft, oder für die menschliche Psyche?

Die beiden Autoren haben sich aufgemacht, zu erkunden, wie es um die Religion bei uns steht. Dafür ziehen sie Studien zu Rate, haben sich aber auch selbst unter die gläubigen oder doch nicht so gläubigen Mitmenschen gemischt und selbst nachhakt.

 

Aufbau:

In verschiedenen Themenabschnitten beleuchtet das Buch die Funktion des Glaubens, ob die Kirchen selbst überhaupt glauben, ob nicht heute eh schon jeder seinen eigenen Glauben hat, und welche Errungenschaften der Neuzeit den Glauben eh schon gern ersetzen.

 

Meinung:

Dieses Buch hat ein wenig was von Dr. Jeckyll und Mr. Hyde, denn auf der einen Seite zeigt es anhand von Bibelzitaten, wie lächerlich einerseits ist, was dort geschrieben steht, und wie wenig die Kirchen andererseits sich selbst an das halten, das sie als Grundfeste ihres Glaubens ansehen. Auf der anderen Seite kommen aber auch wieder lange Passagen, die man in wenigen Worten hätte zusammenfassen können, deren Inhalt redundant und oft auch trocken geschrieben ist.

Die Botschaft dahinter ist, sowohl im Fazit (ein jeder möge glauben, was er will), als auch kleinteilig, bei der Betrachtung, dass selbst Pfarrer nur selten glauben, was sie einem da erzählen, und, dass die Kirchen rein finanziell eher unsere Gesellschaft belasten, wichtig. Und auch die Art, Glauben hier mit Humor zu nehmen, sollte vielen, und dabei längst nicht nur den dafür oft kritisierten Muslimen, ein Beispiel sein.

Aber die langen Passagen, die einen bereits genannten Punkt nur noch mal in beinahe epischer Breite ausführen, stören leider das Lesevergnügen. Und auch, dass hier, wie oft in Sachbüchern, Studien angegeben werden, deren konkrete Quellenangaben aber fehlen, ist ärgerlich. Hier würde ich mir wünschen, dass die Verlage endlich lernen. Es schadet doch niemandem, in einer kleinen Fußnote anzugeben, in welchen Zeitschriften die Studien abgedruckt sind. Im Gegenteil, es erhöht die Glaubwürdigkeit.

So ist das Buch zwar jedem zu empfehlen, der Religionen mit Humor nehmen kann, oder aber dringend einen Blick über den eigenen, streng religiösen Tellerrand braucht, aber wirklicher Lesespaß kommt nur Abschnittsweise auf.

 

Fazit: 

Viele wichtige Punkte, die man aber kürzer hätte fassen können und sollen. Und lernt doch endlich, erwähnte Studien mit Quellenangaben zu versehen!

 

Meinungen anderer Blogger: 

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Kann es wirklich Liebe sein? – Altersunterschied bei YA-Paaren

Heute möchte ich mich den Paaren in Jugendromanen widmen, oder vielmehr denen, die durch einen gewissen Altersunterschied auffallen. Die Inspiration dazu habe ich bezogen aus der Diskussion um das Buch ‚Emma, der Faun und das vergessene Buch‘ von Mechthild Gläser und die Rezension von Cait von Paperfury (zu finden hier).

Dabei stellte sich die Frage, ob die Beziehung zwischen Emma, 16, und Darcy, 20, in diesem Buch creepy, also eher unheimlich, eklig, falsch ist, oder normal. Daraus wurde dann schnell eine gewisse Grundsatzdiskussion

 

Das Paar im Buch

Darcy ist ein überheblicher Schnösel, der anfangs herablassend und teils richtig aggressiv daher kommt, über lange Zeit im Buch Geheimnisse vor Emma hat und ihr teilweise im Dunkeln nachstellt – wenn auch nicht aus romantischen Gründen, sondern weil beide unheimlichen Geschehnissen im Internat auf der Spur sind.

Emma hingegen ist noch etwas kindlich, findet Darcy von Anfang an eher verabscheuenswert (aber hübsch) und will eigentlich nur herausfinden, was es mit dem seltsamen Buch auf sich hat.

Hier kommt jetzt eine Anspielung auf Jane Austens ‚Stolz und Vorurteil‘ mit ins Spiel, dass beide sich vom Verstand her eher hassen, sich aber emotional doch von einander angezogen fühlen.

Doch während Mr. Darcy bei Austen nur minimal herablassend ist, und ansonsten trotzdem Lizzys Familie heimlich hilft, bricht Darcy bei Emma ein, stellt ihr nach, … ist schlicht und ergreifend oft übergriffig, auch wenn er durchaus ab und an mal etwas Positives für sie tut – wie sie draußen betrunken nicht in der Kälte sterben zu lassen. Nur … nicht unterlassene Hilfeleistung macht einen Mann noch lange nicht zum fürsorglichen Gentleman.

Dadurch, dass er aber alles, was ihr am Herzen liegt, von Beginn an als kindisch und abstoßend betrachtet, finde ich persönlich die Liebesbeziehung, die durch gemeinsames Aufspüren von Geheimnissen erwächst, eher … unschön. Ich sehe hier nichts ‚predatory‘, also kein lüsternes, sexuell aufdringliches oder gar pädophiles Verhalten, wie in der Diskussion überlegt wird, aber doch eine ziemlich toxische Beziehung.

 

Alles eine Sache des Alters?

Kommen wir zum Allgemeinen. Denn kann man wirklich davon ableiten, dass alle Beziehungen dieser Art schlecht sind? Dass in Jugendbüchern meist der weibliche Charakter unerfahren ist und deshalb noch gar nicht beurteilen kann, ob der ältere, etwas erfahrene meist männliche Charakter wirklich passend ist? Ob das Liebe ist, oder eben doch nur Lust? Schürzenjagd? Oder gar psychologisch kranke Triebe – eben Pädophilie, beziehungsweise die Nachfolgestufe des Angezogenseins von Jugendlichen?

 

Entwicklungsbiologie

Gehen wir das Ganze mal biologisch an. Hier entschuldige ich mich gleich bei allen Non-Binarys, Transsexuellen, …, denn an dieser Stelle muss ich Geschlecht mal nur biologisch betrachten. Das ist NICHT, wie ich vom tatsächlichen Geschlecht eines Menschen denke. Nur gibt es zwischen dem biologischen Aufbau leider manchmal kleine Unterschiede. (Hier weiß ich leider nicht, wie das mit biologischen Neutren und Intersexuellen aussieht, kann mich daher nicht auf sie beziehen. Gibt es da schon Forschung? Gern her damit, das finde ich spannend.)

Ich bin mir nicht völlig sicher, ob das noch aktuell ist, habe aber gerade nichts Gegenteiliges gefunden. Denn als ich im Bio-GK war, vor auch schon 8 Jahren, sagte die Forschung noch, dass Jungen später in die geistige und körperliche Entwicklung der Pubertät eintreten und so hinter Mädchen 2-3 Jahre hinterher hinken.

Wenn man das so rechnen würde, wäre ein Altersunterschied zwischen einem Mädchen von 16 und einem Jungen von 20 also keine 4 Jahre mehr, sondern in der Entwicklung im Schnitt nur noch 1-2 Jahre. Das klingt doch harmlos, oder? Und vor allem, würde das Mädchen etwas mit einem Gleichaltrigen anfangen, wäre sie dann nicht entwicklungsbiologisch gesehen eher der ‚Predator‘, weil sie die mangelnde Reife des Jungen ausnutzt?

Hier kam in der Diskussion auf Goodreads das Argument, dass man das Fass nicht aufmachen könne, weil man damit gleich noch die unterschiedliche Erziehung von Jungen und Mädchen zu berücksichtigen hätte. Doch dem widerspreche ich partiell. Natürlich spielt auch die eine Rolle, aber nicht, wenn man sich schlicht die Entwicklung des Körpers und Hirns anschaut. Da hat die Erziehung zwar einen gewissen Einfluss dadurch, welchen Reizen die Kinder ausgesetzt sind (da mehr Neues dafür sorgt, dass mehr Hirnverbindungen entstehen), und welche Möglichkeiten zur geistigen Entfaltung gegeben werden. Aber da in der Entwicklung ja die Jungen hinterher hinken, die ansonsten gesellschaftlich gesehen (noch) besser gestellt sind, denke ich, dass das Argument an der Stelle nicht greift.

 

Rechtliche Aspekte

Schauen wir uns also stattdessen die rechtlichen Aspekte an. Age of consent ist bei uns in Deutschland 16, das heißt, ab dem Zeitpunkt darf ein Teenager Sex mit jedem haben, der im Rahmen des Gesetzes nicht schon ausgeschlossen wurde. Nicht erlaubt sind legal Verwandte in gerader Linie (Brüder, Schwestern, Väter, Mütter, vermutlich auch Großeltern), sowie die biologisch verwandten Onkels und Tanten. Ab Cousin ersten Grades ist es in Deutschland aktuell noch erlaubt, allerdings zeigen Studien, dass da die Anzahl behinderter Kinder, die daraus entstehen, erhöht ist, im Vergleich zu nicht-verwandten Paaren. Daher gibt es hier Stimmen, die das gern verbieten würden. (Vor allem aus der AfD, da sie das vor allem bei Migranten vermuten.)

Auch nicht erlaubt sind Autoritätspersonen wie Lehrer oder Trainer, wobei es hier immer auf den Einzelfall ankommt. Ein Lehrer, der einen nicht selbst unterrichtet, beispielsweise, wird in manchen Fällen nicht dafür zur Rechenschaft gezogen.

Als moralisch verwerflich gelten darüber hinaus Abhängigkeitsverhältnisse über jegliche Altersgrenzen hinaus: Arzt/Patient zum Beispiel.

Aber wie steht das Gesetz sonst so zu 16jährigen? Sie sind straffähig, wenn auch im Rahmen des Jugendstrafrechts. Dennoch werden sie somit als erwachsen genug erachtet, zumindest halbwegs über ihre Taten nachdenken zu können. Außerdem dürfen sie im Rahmen von Rollern schon am Straßenverkehr teilnehmen, ihnen wird also zugetraut, dass sie auch für das Leben und leibliche Wohlergehen anderer Verantwortung tragen können. Sie dürfen Bier und Wein trinken, in manchen Bundesländern zumindest bei Kommunalwahlen wählen, und manche Studiengänge studieren, sowie arbeiten und ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen. Heiraten ist ihnen nur in Ausnahmefällen erlaubt, mit entweder elterlicher, oder aber gerichtlicher Zustimmung.

Dennoch könnte man sie so als Erwachsene auf Probe ansehen. Ihnen wird zugemutet, für das eigene und auch fremde Leben Verantwortung zu tragen. Sollte man damit dann nicht annehmen, dass sie auch zumindest halbwegs entscheiden können, wen sie daten und lieben wollen? Vor allem, wenn sie theoretisch schon heiraten könnten?

 

Kulturelle Aspekte

Und noch etwas kommt auf dieser Ebene dazu. Nämlich die kulturellen Aspekte. Wie gesagt, bei uns ist eine solche Beziehung zunächst einmal legal. Eltern können vielleicht, wenn es wirklich Anzeichen von toxischer Beziehung gibt, vor Gericht einen Umgangsausschluss erwirken, bis zum 18. Geburtstag. Aber wie oft kommt das vor? Und vor allem, wie oft stimmen Familienrichter dem auch zu?

Das aber ist Deutschland. Cait, die die Diskussion anstieß, bezog eines ihrer Argumente auch daraus, dass eine solche Beziehung bei ihr in Australien auch schlicht illegal wäre. Und dann ist es völlig normal und verständlich, dass sie so darauf reagiert. Dass sie sie eklig, bedenklich, toxisch und vielleicht gar pädophil findet. Weil ihr IHR Gesetz da Recht gibt.

Das heißt, dass man eine Meinung zumindest nicht abtun kann, die aus solchen Hintergründen heraus gebildet wird. Dass man andererseits aber bei der Beurteilung in einem Buch auch bedenken muss, wie das am Schauplatz dessen ist. (Der im Beispiel nun einmal Deutschland ist.)

 

Kommt ganz darauf an?

Tja, rein rechtlich scheint also wenig dagegen zu sprechen. Aber warum finde ich dann das Beispiel von Emma und Darcy zumindest unglücklich?

Weil ich glaube, dass es nicht so einfach ist. Nicht alle Jugendlichen entwickeln sich gleich schnell. Seien wir ehrlich, jeder von uns kennt sicher mindestens einen Erwachsenen, der sich meist wie ein Kindergartenkind verhält und dem wir am liebsten jegliche Mündigkeit absprechen würden. Gleichzeitig gibt es aber auch Kinder, die ihrem Alter weit voraus sind. Die mit 14 schon komplexe Zusammenhänge verstehen und aufschlüsseln können, und eine recht erwachsene Einstellung zu Leben und Liebe haben. Ihnen dann zu sagen, dass sie mit 16 zu unreif sind, sich einen Lebensabschnittspartner zu wählen, wenn selbst das Gesetz ihnen das zugesteht, ist ziemlich vermessen. Selbst, wenn es nur eine externe Beurteilung ist, die keinerlei Folgen für die Person nach sich zieht.

 

Was passiert überhaupt?

Und dann kommt noch ein Aspekt dazu. Wenn wir so darüber reden, setzen wir Liebe und Beziehung ja doch wieder nur mit Sex gleich. Wir unterstellen, dass zwei Menschen nicht gern zusammen sein können, ohne, dass sie sehr bald im Bett landen. Denn hat jemand was dagegen, dass ein 16jähriger Mensch mit einem 20jährigen gemeinsam auf dem Sofa liegt, Decke über die Beine, und Chips knabbernd fernsieht? Zusammen ins Kino, zum Sport, zu Konzerten geht? Dass sie gemeinsam da sitzen und Bücher lesen, oder zusammen kochen? Einfach mit einander reden? Das sind auch alles Aspekte, die zu einer Beziehung gehören können. Nicht müssen. Aber genauso wenig muss Sex dazugehören. Und das nicht nur, weil es Menschen gibt, die eben generell keine sexuelle Anziehung verspüren, sondern auch, weil es zumindest bei ersten Lieben durchaus noch normal ist, dass man wartet. Sich Zeit lässt.

Wenn wir eine solche Beziehung also nur danach beurteilen, ob das eben predatory, also sexuell ausnutzend oder übergriffig wäre, dann ignorieren wir völlig, dass zu Liebe viel mehr als Sex gehört – und Sex selbst da gar nicht unbedingt überhaupt dazugehören muss.

Das ist aus Jugendschutzgründen durchaus verständlich, und sicher auch besser, als wenn man bei jeder Interaktion davon ausgeht, dass sie absolut nichts Sexuelles in sich trägt. Gerade in unserer heutigen Zeit sind wir eben darauf gepolt, vorsichtig zu sein. Es gab so viele Fälle von sexuell übergriffigem Verhalten in jedem westlichen und auch vielen anderen Kulturkreisen. Kirchen, Universitäten, Sportvereine verschließen teilweise die Augen davor, dass ihre Trainer, Lehrer, Pastoren, … übergriffig werden und Kinder missbrauchen. Es ist immer besser, vorsichtig zu sein.

Gleichzeitig spiegelt das aber auch unser Gesellschaftsbild wider. In unseren Medien wird Liebe oft durch Sex dargestellt und alles andere wird unter den Tisch fallen gelassen. Während das in den beschriebenen Fällen vielleicht für mehr Aufmerksamkeit und so Schutz der Kinder sorgt, grenzt das in vielen anderen Fällen Menschen aus, sorgt dafür, dass sie falsch beurteilt werden.

Und, dass man Beziehungen, die eben nicht sofort im Bett landen, dennoch womöglich den Stempel aufdrückt, ’schmutzig‘, ‚krankhaft‘ oder zumindest nicht normal zu sein. Wie eben womöglich in solchen Beziehungen mit Altersunterschied in Jugendbüchern.

 

Warum ist mir das Thema eigentlich so wichtig?

Ich sage von mir selbst, dass ich Jugendbücher selbst ungern lese. Und ich bin längst über das Alter hinaus, wo ich so beurteilt werden würde. Zudem stimme ich im vorliegenden Beispiel ja sogar der Einschätzung zu, dass es ein Gschmäckle hat. Warum also argumentiere ich hier dennoch in epischer Breite dagegen?

Ich glaube, weil ich einst … nicht wirklich in der Lage war, aber in sie hätte geraten können.

Mit 4 Jahren habe ich beschlossen, eines Tages Spock zu heiraten. Der war da (je nach Staffel) zwischen 31 und 33 Jahre älter als ich. Gut, das kann man vielleicht noch vernachlässigen, denn zur selben Zeit wollte ich auch Disneys Robin Hood und den Fuchs aus dem Thalerwald heiraten.

Aber es zog sich in meinem Leben schnell wie ein roter Faden hindurch, dass ich mit Gleichaltrigen oder gar Jüngeren selten was anfangen konnte. Meine wenigen Freunde waren die SterberInnen, AußenseiterInnen, die, die schon etwas reifer, oder manchmal einfach nur sehr anders waren. So kam es auch, dass ich mich eigentlich nur in Ältere verliebte. Unter 10 Jahren älter? Ging gar nicht und noch heute … habe ich da eher Muttergefühle (und das, obwohl ich auf keinen Fall und nicht für mehrere Millionen Euro Kinder will). Die sehen einfach noch so unfertig und unreif aus.

Zwar war ich nie Teil einer solchen Beziehung, wie sie hier das Thema ist. Ich war nie Teil irgendeiner Beziehung.(Wenn wir ‚Alle anderen sind verliebt, in welchen Jungen könnte ich denn mal verliebt sein‘ in der vierten Klasse und ‚Mir ist langweilig, willst du meine Freundin sein‘ auf Kinderkur mit 12 Jahren ignoriert. Beides war in weniger als 48 Stunden vorbei und kam ohne Körperkontakt – oder auch nur Gespräche – aus, und vor allem ohne wirkliche Emotionen. Nicht nur im Nachhinein betrachtet, sondern auch damals schon.) Aber wenn ich einen Partner gefunden hätte, dann wäre ich Teil einer solchen Beziehung gewesen. Und ich glaube, es verletzt mich, davon so allgemein abfällig zu sprechen, weil … es mir quasi dadurch verbietet, in dem Alter Glück zu finden. Denn sorry, mit Teeniejungs konnte man mich jagen, die fand ich einfach weder ästhetisch, noch emotional, noch intellektuell anziehend genug, um mich zu verlieben. Freundschaft ging. (Grüße an meinen Bruder im Geiste an der Stelle.) Aber Liebe? Oder auch nur Verliebtsein? Unter 30 ging für mich als Teenie da nichts.

Und während ich weiß, dass alles vor 16 meinerseits da tatsächlich problematisch gewesen wäre, weil schlicht illegal, finde ich schon, dass man mit 16 durchaus reif genug sein kann, dem Gesetz da auch zu entsprechen und selbst über seine Beziehungen zu entscheiden. Und wenn das Gesetz es mir erlaubt, hat mir keiner zu sagen, dass ich mich eklig verhalte, oder meinen Freund zu kriminalisieren, weil er zufälligerweise gern mit mir Zeit verbringt.

 

Gibt’s auch ein Fazit?

Tatsächlich ja. Was bei meinen Artikeln ja doch eher selten ist.

Mein Fazit ist, dass es recht schwer ist, dazu eine Aussage zu treffen. Recht und Biologie sprechen eher dafür, dass ein Altersunterschied, wie er in Jugendbüchern öfter vorkommt, nicht nur legal, sondern eben biologisch auch durchaus verständlich ist. Weil die älteren Jungen eben oft eher auf einer Entwicklungsstufe mit den jüngeren Mädchen stehen.

Aber in der Beurteilung muss man viel mehr bedenken. Die Charaktere selbst, den eigenen rechtlichen Hintergrund, den im Buch … Und letztlich hat unsere Vorsicht auch gute Gründe, sollte uns aber nicht dazu verleiten lassen, jede Beziehung ohne genaueres Hinsehen zu verdammen.

Sind solche Beziehungen in YA-Romanen nun also gut oder schlecht? Da kommt es ganz klar drauf an, von welcher wir reden. Emma und Darcy wäre genauso unsympathisch gewesen, wären sie gleich alt. Da spielt das Alter für mich keine Rolle. Toxische, übergriffige, einen Partner herabwürdigende Beziehungen findet man aber wohl in jeder Altersstufe und bei jedem Altersabstand. Ebenso aber sicher auch liebevolle, gleichberechtigte Beziehungen. Und zu möglicherweise krankhaften sexuellen Trieben: Nicht alles, was Zuneigung und Liebe ist, hat auch mit Sex zu tun. Auch das sollten wir endlich mal lernen. Aber manches eben doch. Daher ein ganz klares: „Es kommt ganz darauf an.“ (Tantiemen für diesen Satz gehen an Prof. Bandelow, TU BS 😉 )

 

 

#SchullektuereChallenge Rezension 11: Heinrich von Kleist – Amphitryon

Buchdetails

  • Erinnert an: griechische Tragödien, irgendwie aber auch an Brechts ‚Der gute Mensch von Sezuan‘
  • Genre: Klassiker, Drama
  • Erscheinungsdatum: Erstdruck 1807, Uraufführung 1899, Edition 2002
  • Verlag:  Reclam
  • ISBN: 3-15-007416-9
  • Taschenbuch 112 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • Trigger: Gewalt, Identitätsraub, theoretisch auch Vergewaltigung

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#SchullektuereChallenge Rezension 10: Aldous Huxley – Brave New World

Brave New WorldBuchdetails

  • Erinnert an: den Vorläufer von Marc-Uwe Klings Qualityland, nur, dass Huxley nicht humoristisch schreibt
  • Genre: Science Fiction, Klassiker, Dystopie (angeblich Utopie, aber … nein!)
  • Erscheinungsdatum: Erstauflage 1932, Edition 2006
  • Verlag:  HarperCollins
  • ISBN: 9780060850524
  • Taschenbuch 259 Seiten
  • Sprache: Englisch
  • Trigger: Rassismus, Hypersexualität, (Sexualität bei Kindern), Gewalt gegen Frauen, Diskriminierung, Selbstmord, Drogenverherrlichung, Vergewaltigung …

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[Monatsrückblick] Oktober 2018

 

 

Happy Halloween!

Okay, ich gebe zu, so ganz mag ich Halloween nicht. Was aber eher daran liegt, dass es an Samhain ist, einem keltischen Feiertag. Ich mag es schlicht nicht so, wenn die Christen (hier die katholische Kirche) heidnische Feste nehmen und überlagern. Gegen Verkleiden, harmlosen(!) Grusel und Süßigkeiten hab ich nichts.

Daher schnappt euch eure Schleckereien, und ich erzähl euch vom vergangenen Monat.

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#SchullektuereChallenge Rezension 9: Judith Kerr – When Hitler Stole Pink Rabbit

When Hitler Stole Pink Rabbit.Buchdetails

  • Erinnert an: //
  • Genre: Kinderbuch (10+), Schicksalsroman, biografischer Roman
  • Erscheinungsdatum: Erstauflage 1971, Edition 2000
  • Verlag:  Reclam
  • ISBN: 9783150090763
  • Taschenbuch 271 Seiten
  • Sprache: Englisch
  • Trigger: Judenverfolgung, Flucht, (angedeuteter Selbstmord eines Nebencharakters)

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#SchullektuereChallenge Rezension 8: J. W. von Goethe – Die Leiden des jungen Werther

Die Leiden des jungen WerthersBuchdetails

  • Erinnert an: //
  • Genre: Klassiker, Briefroman, Schicksalsroman
  • Erscheinungsdatum: Erstauflage 1774, Edition 1998
  • Verlag:  Suhrkamp
  • ISBN: 9783518188057
  • Taschenbuch 222 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • Trigger: Depression, Suizid

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