
Auch dieses Jahr mach ich früher Schluss – gut, auch dieses Jahr noch wegen der Schulter, aber auch, weil ich gerade erkältet und müde und fertig bin und das Jahr einfach vorbei sein soll, bitte. Und beide Bücher, die ich gerade lese, werde ich in diesem Jahr eh nicht mehr beenden.
Vorsätze 2025 und 2026
Schauen wir uns zuerst an, wie das lief. Meine Ziele für 2025 waren:
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Wieder 52 Bücher Minimum.
Joa, das hat geklappt. Das stand aber in Wirklichkeit auch nie zur Debatte. Das Ziel ist eher dafür da, damit überhaupt ein Erfolgserlebnis sicher erreichbar ist.
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Ich probiere es noch mal mit Eragon oder Reckless rereaden und dann beenden.
Ja, neee. Das zweite (oder dritte?) Jahr in Folge nicht mal angefasst. ABER nächstes Jahr nehm ich an einer Lesechallenge teil, wo das vielleicht was wird. Schauen wir mal.
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Endlich mal wieder mehr Rezensionen schreiben.
Also, ich habe ein paar geschrieben. Aber das geht besser. Vor allem habe ich immer noch für einige, die ich wirklich mochte, und euch gern vorstellen wollen würde, keine Worte gefunden. Kann man verlernen, wie positive Rezensionen gehen?
Dann planen wir mal auch, was wir 2026 schaffen wollen:
- Wieder 52 Bücher Minimum. Wie gesagt, das eingebaute Erfolgserlebnis
Das war es schon. Aktuell stressen mich feste Pläne ein bisschen. Ich mein, abseits von Büchern würde ich nach 15 Monaten Verletzungspause gern versuchen, ein paar Muskeln und etwas Kondition zurück zu kriegen. Aber an Büchern? Ich werde eher lesen, wie ich Lust hab. Alles andere funktioniert bei mir eh nicht.
Tops und Flops
Flop 3
Diesmal fange ich mit den schlechtesten Büchern des Jahres an – weil ich bei den Besten noch ein paar Honorable Mentions habe, die nicht mit schlechten Büchern verwechselt werden sollten.
In diesem Jahr hatte ich zweimal einen Stern und einmal 1,5 Sterne. Das ist eine ziemliche Verbesserung. 2024 fand ich noch 8 Bücher furchtbar und ebenso eines nen Halbstern drüber.
Starten wir mit „Cupcakes, Trinkets and other Deadly Magic“ von Meghan Ciana Doidge. Das Buch leidet bei mir zunächst mal daran, dass es auf einer Plattform, wo die Autor*innen das selbst registrieren mussten, als ein Buch ohne Spice angepriesen wurde. Es ist ohne expliziten Smut, das ja. Aber die Hauptfigur ist so dauerrollig, dass sie beinahe jede Seite an Sex denkt. Dann sind ALLE Charaktere wandelnde Red Flags, ignorieren jede Grenze, sind übergriffig ohne Ende und keiner scheint auch nur zu wissen, wie Freundschaft, familiäre Liebe oder IRGENDEIN Gefühl von Zuneigung abseits von sexueller Anziehung funktioniert. (Und es wurde jetzt nicht als Repräsentation von aromantischen und aplatonischen Charakteren vermarktet. Aber ich würde auch annehmen, dass das dann eher kritisch zu sehen gewesen wäre, denn nur, weil man gewisse Ebenen der Anziehung nicht besitzt, macht das sicher noch nicht alle zu Dauerarschlöchern, wie dieses Buch hier dann suggerieren würde.) Dass Weltenbau und Buchende – „Ach ja, wir hatten ganz viele Fragen gestellt, tja, wird wohl niemand je erfahren, was dahinter steckt“ – Mängel aufweisen, ist da nur noch das Sahnehäubchen.
Als nächstes „100 Seiten sind nicht genug„, das Weltliteratur in 1-Stern-Bewertungen verspricht. Gut, das bekommt man auch, aber diese Bewertungen sind hundertprozentig Fake. Man kriegt nicht etwa Verrisse, oder auch nur ansatzweise Bewertungen, die sich mit dem Buch beschäftigen, sondern angebliche Rezensionen, die glauben, sie hätten ein Medikament bestellt. (Und das bei dem Titel „Jugend ohne Gott“, sorry, aber das gibt es nicht mal von Ratiopharm.) Ich bin mir ziemlich sicher, das Buch war eigentlich nur gedacht, um seinerseits lustige 1-Sterne-Bewertungen zu provozieren – und das macht es echt gut. In sich ist das also schon Kunst. Aber warum dafür die Lesenden leiden lassen?
Etwas besser ist „Die letzte Grenze“ von Diane Carey – aber vor allem, weil das Buch mir einen knuffigen alten Romulaner gegeben hat, der doch eigentlich nur in Ruhe gärtnern will. (Sehr nachvollziehbar.)
Ansonsten passt in dem Buch einfach gar nichts. Die Daten nicht – und das war zu dem Zeitpunkt längst bekannt, hat da das Lektorat in den USA geschlafen? -, die Charaktere nicht, diverse Logik- und Kanonfehler nicht. Und das Buch liest sich, als wäre da jemand pro Wort bezahlt worden. Ja, gut, darauf bin ich etwas neidisch, aber das Buch hätte durchaus davon profitiert, hätte man es sehr stark gekürzt. Und der Plot? Es ist der Jungfernflug der Enterprise, mit einem Team vollkommen inkompetenter Offiziere, bei dem vorher nichts getestet wurde, weil man jetzt schnell wen retten muss und nicht mehr dazu gekommen ist. Dazu kommen stundenlange philosophische Überlegungen, ob die Enterprise nun ein Kriegsschiff ist und ob es moralisch vertretbar ist, als friedliebender Sternenbund so ein Schiff zu besitzen, die sich allerdings nur im Kreis drehen und nie zu einer wirklichen Antwort kommen. Und natürlich rennt man dann in die Romulaner rein.
Top 3
Auch in diesem Jahr ging die Anzahl der 5-Sterne-Bücher wieder etwas runter. Von 8 auf 7 – und bis auf drei waren alles Rereads.
Als Erstes ist da „Knobi und der Vampir„, was für mich eine solche Liebe an Pflanzen ist, dass ich es ganz klar in Plantpunk einordnen würde, wenn wir es je schaffen, dass das Subgenre offiziell wird.
Eine Hexe und ihre sentient Gemüse betreiben eine kleine Farm, wo sie Gemüse – das sich seiner selbst aber nicht bewusst ist – anbauen und auf dem Markt verkaufen. Plötzlich zieht irgendwer in das gruslige Schloss in der Nähe, das so lange leergestanden hatte. Sicher muss das ein Vampir sein, bei so einem grusligen Schloss? Jemand sollte nachschauen. Natürlich Knobi, die Knoblauchknolle. Die ist aber eigentlich gar nicht so mutig.
Zuckersüß, für Kinder geeignet und auch für Erwachsene gut lesbar. (Und ich hab ein Thing für den Vampir, gebe ich zu. DAS ist die Art Vampir, von der ich gern mehr hätte.)
„Castle Hangnail“ von Ursula Vernon, die auch als T. Kingfisher schreibt, erzählt die Geschichte von einem Schloss, das drauf und dran ist, seine Zulassung als Sitz für Bösewichte zu verlieren. Dann würde auch die kleine Gemeinschaft an Minions getrennte Wege gehen müssen. Aber woher nimmt man einen neuen Bösewicht, der das Schloss übernimmt und wieder rentabel macht? Plötzlich steht ein kleines Mädchen vor der Tür, das behauptet, eine böse Hexe zu sein. Gut, sie behandelt ihre neuen Minions mit Respekt und Freundschaft und hat bisher jetzt noch keine großen Untaten begangen, aber einem geschenkten Gaul… Nur, kann sie auch die Anforderungen erfüllen, um das Schloss rechtmäßig zu übernehmen? Eine niedliche Geschichte für Kinder und Erwachsene so etwa ab 12. Erstaunlich wholesome und mit der typisch Kingfisher-igen Mischung aus klugem Witz und Absurdität.
Marc-Uwe Klings Kinderbücher habe ich eigentlich nur gehört, weil sie eben bei Skoobe verfügbar waren und ich eine kleine Auszeit vom Lesen wollte. Dabei sind sie alle zwar kurz, aber gut. „Der Tag, an dem Papa ein heikles Gespräch führen wollte“ ist dabei bisher das Beste. Ja, gut, ich bin kein Freund von Dingen, die mit Sex zu tun haben. Aber das hier ist kindgerechte, sehr harmlose Aufklärung, die dabei auch noch sehr queerfreundlich gemacht ist.
Honorable Mentions
Ein paar Bücher Bücher gab es in diesem Jahr, die zwar für mich an irgendeiner Stelle noch mal einen Tuck besser hätten sein können, die sich aber trotzdem in meinem Herzen eingenistet haben und so zu heimlichen Lieblingen wurden.
Los geht es mit den beiden „Strange New Worlds“-Romanen, die mich wirklich überzeugt haben. Während der erste Band der Reihe eher so mittel und der vierte frustrierend und einfach unlogisch war, sind diese zwei wirklich gut. „Asylum“ von Una McCormack verbindet die Origin Story von Pikes und Unas Freundschaft mit einer spannenden Betrachtung einer anderen Kultur, die Jahre später noch einmal für eine ihrer Missionen wichtig wird. Hinzu kommt die Betrachtung des Asylverfahrens und leider auch, wie unfair das in Teilen ist. Aber das Buch bietet eine Mischung aus Spaß, psychologischem Tiefgang und der Betrachtung, welche Unterschiede kulturelle Nuancen ausmachen können.
„Toward the Night“ von James Swallow wiederum ist eine Mischung aus Archäologie, Zeitreise und moralischem Dilemma. Bei einer Patrouille findet die Enterprise Signale von einem unbewohnbar scheinenden Planeten und entdeckt dort nicht nur Überreste einer alten Kultur, sondern auch Hinweise auf ein vor Jahrzehnten verschollenes Raumschiff. Natürlich sind die Klingonen nicht weit und die Enterprise muss versuchen, das Rätsel auf dem Planeten zu lösen – und ihre gerade verschwundene Crew wiederzufinden, huch? -, bevor sie so kurz nach dem letzten Krieg wieder Kampfhandlungen provoziert. Gut geschrieben und eine Mischung aus ernsthaftem Abenteuer und Spaß, wie es die Serie auch schafft. Nur manchmal ganz leicht out of character, was die Wortwahl betrifft.
Marie Meiers „Der letzte Schüssel“ ist etwas düsterer und dystopischer, als ich es normalerweise mag. Ich glaube, nur deshalb hat die Geschichte um Jule, die bei einem Einsatz gefangengenommen wird und mit einem Monster zusammen aus einem Kerker fliehen muss, keine vollen 5 Sterne. In dieser Mischung aus Science-Fiction und Fantasy bildet das Entkommen erst den Anfang für Jules Geschichte, denn Mika, das Monster, sieht etwas in ihr, glaubt an sie. Und obwohl sie drauf und dran ist, aus ihrem Job zu fliegen, weil sie einfach keine Fortschritte bei der Beherrschung ihrer Magie zeigt, flammt auf einmal in ihr die Hoffnung auf, dass sie doch mehr sein könnte, als sie ist. Wenn ihr Abenteuer und ihre Verbindung zu Mika nur nicht die Aufmerksamkeit der Reichen und Schönen auf sie gezogen hätte. Und so muss Jule nicht nur gegen ihre eigene Psyche, sondern bald auch noch gegen eine eher intrigante Gesellschaft arbeiten, von der sie in Teilen für nichts mehr als ein lustiges Spielzeug oder Accessoire gehalten wird. Dystopisch, mit ausgeklügeltem Magiesystem und Raumschiffen. Man darf gespannt sein, wie die Reihe weitergeht.
„Phytopia Plus“ von Zara Zerbe sieht von außen eigentlich eher nach hochtrabender E-Lit aus und nicht nach der pflanzenliebenden und irgendwie cozy anmutenden Near Future-Dystopie, die sie ist. Vielen Dank an die Person, die mich im Rahmen der Plantpunk-Ausschreibung in diesem Jahr gefragt hat, ob das Buch unter Plantpunk fallen würde. Ich hätte es sonst vielleicht gar nicht zur Hand genommen und einiges verpasst. Im Hamburg der nahen Zukunft sind Pflanzen rar und werden teils teuer gehandelt. Und gleichzeitig ist da eine Firma, die verspricht, das Bewusstsein von Menschen in Pflanzen einbauen zu können und ihnen so ein Überleben nach dem körperlichen Ende möglich zu machen.
Genau für diese Firma arbeitet Protagonistin Aylin, die auch privat Pflanzen einerseits liebt, andererseits vermehrt, um sich so ein Zubrot zu verdienen. Als die Pflanzen bei ihrer Arbeit seltsame Blattfärbungen zeigen, vermehrt Aylin heimlich auch diese, in der Hoffnung, genug Geld zu verdienen, um einerseits für ihren Opa erstmal frisches Gemüse anbauen zu können, ihm aber auch langfristig selbst einen Platz auf einer der Bewusstseinsspeicherpflanzen kaufen zu können. Leider ist das, was sie macht, alles andere als legal. Und gleichzeitig geht im Labor auf einmal etwas vor sich und die Pflanzen beginnen, zu sterben.
Eine düstere Zukunftsvision, die Klassismus, Rassismus und andere Formen der Diskriminierung kritisch aufzeigt, gleichzeitig aber eine gemütliche Liebe für Pflanzen versprüht und so trotz der dunklen Thematik zauberhaft sanft rüberkommt.
Gesamtstatistik
In 2023 habe ich 144 Bücher gelesen, und damit 14 weniger als 2024.
Mit etwas über 23.000 Seiten sind 2.000 weniger als im Vorjahr und auch bei den gehörten Minuten in Hörbüchern und Hörspielen ging es weiter runter. Nur 108 Stunden, und damit 21 weniger als im letzten Jahr – bei 48 gehörten Büchern, also 11 mehr als im Vorjahr. 34 davon von Tommy Krappweis, der damit erneut mein meistgehörter Autor ist. (Könnt ihr mir ein anderes großes Franchise an Hörbüchern/-spielen empfehlen, das gemütlich genug ist, um dazu einzuschlafen, und von angenehmen Stimmen vertont ist?) Platz 2 bildet Martha Wells, die mit 7 gelesenen Büchern deutlich abgeschlagen ist.
Im Schnitt habe ich 63 Seiten pro Tag gelesen und knappe 18 Minuten am Tag gehört. Außerdem hab ich im Schnitt 4 Tage pro Buch gebraucht – weil ich einfach viel parallel lese. Alle drei Zahlen haben leicht abgenommen – ich lese und höre weniger, dafür aber schneller.
Mit einer durchschnittlichen Bewertung von 3,48 Sternen waren die Bücher um 0,22 besser als im letzten Jahr. Das zweite Jahr in Folge, wo meine Durchschnittsbewertung besser wird, diesmal sogar stark, obwohl ich eigentlich das Gefühl habe, dieses Jahr vor allem viel Mist gelesen zu haben und nicht wirklich zufrieden zu sein. Merkwürdig.
Abgebrochene Bücher: Mit 15 abgebrochenen Büchern bin ich hier aber genauso mäkelig gewesen, wie 2024. Daran kann es also auch nicht liegen.
Stand SUB: 207 Bücher.
25 Bücher mehr als 2024. Es geht langsam voran, und ich bin auch endlich wieder in einem Bereich, in dem ich mich nicht mehr gestresst fühle, weil ich ’nichts mehr‘ zum Lesen habe, also nicht für jede Stimmung etwas.
Mit 538 Seiten war mein längstes Buch in diesem Jahr ‚Sarek‘ von A. C. Crispin. Das Kürzeste mit 6 Seiten war ‚Walkürenweihnachten‘ von Tina Skupin, eine weihnachtliche Kurzgeschichte, die es kostenlos bei ohneohren gibt, wenn ihr mir das bisschen Werbung verzeiht.
Sprachen: 51 Bücher waren auf Englisch, 93 auf Deutsch – diesmal glaubte StoryGraph, Albanisch, Französisch und Malayisch zu erkennen. Es ist da recht kreativ.
Genres:

Fantasy, SciFi und Middle Grade sind erneut meine Hauptgenres. Ich glaube, LGBTQIA+ ist in dem Ausmaß relativ neu dabei. Vielleicht werden heutzutage mehr Bücher damit getaggt, auch, wenn die queere Repräsentation darin längst nicht der Hauptfokus ist.
Stimmung:

Ich hasse es, dass das jetzt kein Kuchendiagramm mehr ist, auch, wenn es so zugegebenermaßen übersichtlicher aussieht. Ich bin immer noch vor allem für Abenteuer und fröhliche Bücher zu haben. Diesmal ist lustig aber vor fröhlich. Und mal ehrlich, ich würde so einige der Bücher, die die Community so wertet, sicher NICHT als fröhlich/“light-hearted“ bezeichnen. Da sind mehrere dabei, in denen es um Leben und Tod oder gar die potenzielle Vernichtung der Welt geht. Ähnlich bei lustig, wo es offenbar schon reicht, die Beschissenheit der Welt mit ein paar sarkastischen Kommentaren zu bedenken, um ein ganzes Buch als lustig eingeordnet zu bekommen?
Damit beende ich das Lesejahr und wünsche euch allen einen guten Rutsch. Wir lesen uns dann in 2026 wieder.