Montagsfrage – Romantik-No-Gos

 

Und wieder eine Montagsfrage des Buchfresserchens, die ich einfach nicht unbeantwortet lassen kann (obwohl mein Kopf findet, dass ich ins Bett gehöre :D).

Wenn du Romantik in Büchern magst, was sind für dich absolute No-Gos bei einer Liebesgeschichte?

 

Ich brauch nicht unbedingt irgendeine Romanze in meinem Fantasy-, SciFi- oder Humorromanen, bin dem aber auch nicht unbedingt abgeneigt. Oft enttäuschen mich diese Handlungsstränge aber, vor allem, wenn sie zu sehr im Vordergrund stehen. Selbst bei einer echten Romanze (wie Cecelia Aherns Romane) sollte es mehr Tiefgang geben als nur Junge trifft Mädchen.

Was mich aber besonders aufregt ist in einigen Punkten schnell benannt.

Dreiecksgeschichten sind der Horror. Ja, ich weiß, damit macht man heute eine Menge Geld. Clary liebt Jace, Simon liebt Clary. Clary liebt aber auch Simon – wenn auch auf andere Weise. Und das, während sie verdammt noch mal den Bösewicht töten und eine Entführte befreien sollen! HALLO? Verschiebt eure Eifersüchteleien gefälligst auf eure Freizeit!
Dreiecksgeschichten können nur in sehr seltenen Fällen wirklich spannend sein, und das nur, wenn Nummer 3 absolut keine Chance hat und eher dazu dient, ein Licht auf die Beziehung der beiden Protagonisten zu werfen. All das blöde Hin und Her für das sich selbst ein hormonumnebelter Teenie schämen würde, löst bei mir sonst eher Brechreiz aus.

Dann gibt es das, was Buchfresserchen selbst wohl mit Insta-Love meint. Bei mir geht die Abneigung aber noch weiter. Mich nervt es nicht nur, wenn Charaktere ohne eine vorher erkennbare Chemie plötzlich ein Paar werden. Ich finde es vor allem unglaublich störend, wenn frühzeitig von Liebe geredet wird. Einfach, weil das wissenschaftlich nicht haltbar ist. Natürlich ging es Charaktere, die sich nur kurz kennen, aber schon wissen, dass sie einander interessant finden. Kein Problem – sofern das nicht allzu albern aufgebaut ist. Arielle sieht Eric, spricht nie ein Wort mit ihm, gibt für ihn aber schon (womöglich auf ewig) Heimat und ihre Spezies auf? Nein, das ist dann doch ZU albern.
Aber auch innerhalb der ersten Monate einer bestehenden Beziehung ist es schlicht keine Liebe. Das heißt nicht, dass man einander nicht mag und Zeit mit dem Anderen verbringen will. Aber in den ersten Monaten spielt sich zu viel Anderes im Hirn ab, so dass es im MRT (oder war es CT) als Zwangsstörung oder Psychose sichtbar ist. Wenn nach etwa 8 Monaten die Gefühle immer noch ähnlich sind – zu dem Zeitpunkt normalisiert sich das Hirn, auch bei weiter bestehenden, glücklichen Beziehungen -, erst DANN kann man es wirklich Liebe nennen. Alles andere ist schlicht eine manische Schwärmerei. Macht auch glücklich, aber wenn Charaktere sich da schon die große Liebe schwören, dann kann ich die Geschichte nicht für voll nehmen. Wenn sie dann lediglich feststellen, dass sie gern eine Beziehung miteinander hätten und sich einfach freuen, dass sie es bisher mit einander aushalten, dann bin ich aber zufrieden.

Was in eine ähnliche Richtung geht, mich aber noch mehr stört, ist die Gleichsetzung von Liebe und Sex, die ich persönlich einfach albern finde. Einerseits ist das ein Schlag ins Gesicht für alle Asexuelle, wenn ein Charakter mal wieder von ein paar Tagen ohne Sex gleich darauf schließt, dass der Andere ihn nicht mehr liebt. Aber es ist auch einfach unrealistisch. Nicht jeder, der bis ins hohe Alter noch glücklich mit dem Partner zusammenlebt, hat noch oft (oder überhaupt) Sex. Und nur, weil man plötzlich in der Romanze mit dem Auserwählten schläft, ist das auch noch kein Zeichen dafür, dass man eine Beziehung hat. Denn manch Romanze nimmt das ja als Endpunkt. Sie umfliegen einander wie die Motten, es kommt ein Hindernis, das wird aus dem Weg geräumt und zum Finale gibt es Matratzensport? Sorry, aber ein klärendes Gespräch ‚Wollen wir zusammen sein und das auch exklusiv, also kein Rumknutschen mit Anderen?‘ – ‚Ja.‘ ist in meinen Augen eine viel größere Geste als möglicherweise belangloser Sex.
Und überhaupt: Sex wird viel zu viel in Romanen genutzt. Bei jeder Kleinigkeit steigen Charaktere ins Bett. WARUM? Was genau soll mir das sagen? Vielleicht liegt es ja daran, dass ich selbst eben asexuell bin, aber für mich hat das nur eine Relevanz für die Geschichte, wenn sie danach schwanger ist. (Oder er, DAS hätte mal was.)

Dann gibt es zwei Themen, die mir bisher zum Glück nur in schlechten Fanfictions über den Weg gelaufen sind: Sklaverei und ständige Fetische. Fast immer im SciFi-Bereich. Nicht falsch verstehen. Ich habe nichts gegen Leute, die Fetische haben. Ich will nur nicht live dabei sein müssen. Und wenn eine Romanze – obwohl sie nicht Erotica ist -, einen Fetisch beinhalten muss, verfehlt sie in meinen Augen das Thema. Ich will nichts davon lesen, wie gern jemand einen Klaps auf den Hintern kriegt, oder welche kleinen Machtspielchen heimlich und doch vor allen Augen ausgelebt werden. Macht das in euren Erotikromanen, ja, tobt euch da aus. Aber nicht ohne Warnung in Romanzen, danke.
Und nein, Sklaverei ist NICHT romantisch. Wenn man einen der Protagonisten erst für Sex kauft und sich dann verliebt, ist das immer noch ein krankes Machtverhältnis. Das ist keine Liebe, die ich ernst nehmen könnte. Und warum steht ihr überhaupt darauf, zu lesen, wie einer als Sklave erst dazu gezwungen wird? Wenn das ein Rollenspiel wäre, bitte. Dann würde es nur wieder in den Bereich der Fetische fallen. Aber wer wirklich drauf steht, zu lesen, was alles mit Sklaven angestellt wird, dann …solltet ihr vielleicht mal mit eurem Therapeuten reden.

Und zum Schluss das große Thema unserer Zeit: Gewalt in der Beziehung. Nicht falsch verstehen. Ich finde nicht, dass wir Vergewaltigungen, Schläge besoffener Ehemänner oder sonst etwas in der Richtung totschweigen sollten. Es hat nur NICHTS in einer Romanze zu suchen. (Außer, wenn der Held oder die Heldin ihren Liebsten aus einer gewalttätigen Beziehung rettet, das könnte man noch durchgehen lassen.) Aber ansonsten ist so etwas eine Thematik für einen Psycho, oder einen Schicksalsroman. Wenn ein Protagonist aber bei einem gewalttätigen Partner bleibt und der sich – wenn man überhaupt das Glück hat als Leser – dann irgendwann ändert, dann ist das NICHT romantisch. Es vermittelt den in der Wirklichkeit betroffenen Frauen und Männern nur das Bild, dass der Partner sich noch ändert, wenn man ihn nur genug liebt. Und so etwas sollte auf keinen Fall vermittelt werden, weil so etwas die Betroffenen schwächt. Sie daran hindert, für sich ein- und aufzustehen. Ihnen vielleicht sogar einredet, dass sie Schuld sind, wenn der Partner sich nicht ändert, weil sie ihn ‚im Stich lassen‘ und nicht genug lieben, damit sie selbst ihn ändern. Und das geht gar nicht. Dabei ist es völlig egal, ob Männlein oder Weiblein hier der Aggressor ist.

 

So, habe ich noch irgendwas vergessen? Was findet ihr denn in Romantikromanen oder romantischen Nebenhandlungen so nervig, dass es euch das Buch versaut?

14 Gedanken zu “Montagsfrage – Romantik-No-Gos

  1. Eine gelungene Aufzählung und auch, was Du im Detail dazu schreibst, kann ich so auch unterschreiben.

    Dreiecksgeschichten (definiert als eine Person, die sich zwischen zwei anderen nicht entscheiden kann) versuche ich komplett zu vermeiden, das ist absolut nicht meine Sache.
    Wobei das bei Gay Romance nochmal eine ganz andere Sache ist. Da gibt es doch regelmäßig die Konstellation, dass alle drei ineinander verliebt sind und keiner von ihnen sich raushalten und den Weg frei machen möchte für eine „klassische“ Zweierbeziehung. Und es kommt doch regelmäßig vor, dass der Autor es schafft, mir klarzumachen, wieso es drei sein müssen. Das lese ich tatsächlich ausgesprochen gerne, weil das noch ein Stück weiter weg ist von der klassischen Mann/Frau-Rolle und weil das immer jede Menge Kommunikation erfordert, um zu funktionieren.

    Und noch ein Vergleich mit Gay Romance: Da wird ganz häufig klar gesagt, dass man den anderen attraktiv findet und nichts gegen eine unverbindliche Affäre hat – und dann schleichen sich mit der Zeit eher ungewollt doch tiefere Gefühle ein. Das empfinde ich als realistischer als die Konstellation, dass man wie vom Blitz getroffen plötzlich schockverliebt ist und das bis zum Lebensende so bleibt.

    Ooohh und sag nichts über schwangere Männer, das ist ein Gay Romance Sub-Genre, das tatsächlich existiert und das ich äußerst irritierend finde (besonders weil die schwangeren Männer sich dann bei den wenigen Geschichten, die ich in diese Richtung gelesen habe, in Klischee-Schwangere verwandelt haben).
    Immerhin wird Asexualität bei der Gay Romance nicht ganz ignoriert, wenn man auch viel zu wenig Geschichten mit diesem Aspekt findet. Scheint irgendwie immer noch ein Tabu zu sein? Ich habe aber schon das Gefühl, dass sich das langsam ändert.

    Bücher mit allen möglichen Fetischen habe ich gelesen und selbst wenn ich persönlich weit weg von diesen Vorlieben stehe, ist es für mich okay, wenn klar rüberkommt, dass alle Beteiligten das freiwillig tun und mir auch begreiflich gemacht wird, dass sie ihren Spaß daran haben und jederzeit sicher sind. Ob man darüber lesen möchte, ist letzten Endes Geschmackssache.
    Das schließt die positive Darstellung von Sklaverei und Gewalt für mich aber aus, das geht gar nicht.

    LG Gabi

    • Moralisch hab ich auch keine Bedenken bei Fetischen. Ich les sie nur einfach nicht gern, weil ich eben auf nichts davon stehe und manches richtig eklig find. Was Leute privat machen, ist deren Sache. Aber eine normale Romanze soll ja massenmarkttauglich sein und das sind Fetische nun einmal nicht.

      Und bei den angesprochenen Dreiecksbeziehungen gebe ich dir recht. Wenn es in Richtung Polyamorie geht und für alle okay ist, dann gern. Auch mit Mann/Mann/Frau oder Mann/Frau/Frau. Aber eben nicht dieses Nicht-Entscheiden, sondern wirklich bewusst ein polyamores Leben. Darüber würde ich sogar gern noch mehr lesen.

      LG

  2. Eigentlich kann ich nur alles, was du aufzählst unterschreiben – habe alles schon zu oft gelesen und deshalb die Liebesromane fast komplett aufgegeben.
    Klassischer Fall von „Autor weiß gar nicht genau, welches Genre er eigentlich schreiben möchte…“
    VG Jennifer

    • Gibt es ab und an in SciFi. *hust* Ich mag es ja, wenn Kirk und Spock Kinder haben…
      Aber in richtigen Romanen außerhalb von Fanfiction ist es leider auch bei Fantasy/SciFi selten. Schade eigentlich. Ich meine, dass Männer die Kinder austragen, gibt es sogar im irdischen Tierreich, auch wenn es dafür einen weiblichen Gegenpart braucht.

      • Sowas gibt es schon? O.o
        Da merkt man, dass ich SciFi eher nicht lese 😀

        Was ich ja interessant finde ist diese Gleichsetzung von Sex und Beziehung. Ich überlege schon die ganze Zeit, ob mir irgendeine Beziehungsgeschichte einfällt, in der es keinen Sex gibt…

        • Wie Gabi (Laberladen) sagt, ist das auch ein komplettes Subgenre von Gay Romance. Aber die les ich ja nicht. (Eigentlich nur, weil die Cover immer nach Groschenroman aussehen. Die sollten die mal wie normale Romanzen aussehen lassen, damit sie nicht abschrecken.)

          Ganz ohne Sex muss es ja nicht sein, wobei ich Sexszenen sehr ungern lese. Aber die Mehrheit der Menschheit ist nun mal leider nicht asexuell. Nur Sex als Zeichen von Liebe oder sogar als ein notwendiges Merkmal, das ärgert mich immer extrem.

  3. Grüße,

    ich gann dir das auch so unterschreiben. Besonders dieses -Puff verlieb- geht mir so manches mal echt auf die Nerven. Da fehlt einfach dieses annähern, macken endecken, zusammen Dinge erleben. Das mand as auch so hinbekommt, zeigen andere Romane. Und nicht immer muss es eben auch Bettgehopse sein. Ich hoffe ja mal auf einen Trend in diese Richtung. 😀

    Tintengrüße von der Ruby

    • Huhu Ruby,

      na, der Hoffnung schließ ich mich doch glatt an. Einfach mal ruhige Romanzen, wo mal die emotionale Verbindung über der körperlichen steht, das wäre was.

      LG
      Taaya

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