#SchullektuereChallenge Rezension 3: Heinrich von Kleist – Michael Kohlhaas

Michael KohlhaasBuchdetails

  • Erinnert an: Sweeney Todd (Da hat mich gestern aber auch erst Twitter draufgebracht)
  • Genre: Klassiker, (Novelle), Schicksalsroman
  • Erscheinungsdatum: 1810 (Auflage von 2012)
  • Verlag: Insel Verlag
  • ISBN: 978-3-458-35888-6
  • Ebook laut E-Reader 84 Seiten, laut Website des Verlags 130 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • Trigger: explizite Gewalt, Mord, Tierquälerei

Inhalt: 

Kohlhaas ist Pferdehändler und will zum Markt ins ferne Dresden reiten, um dort seine Tiere zu verkaufen. Als er auf das Gebiet des Junkers von Tronka kommt, wird ihm allerdings der Durchgang verwehrt, denn seit Neuestem brauche man einen Passierschein.

Er legt sich mit dem Torwächter, dem Schlossvogt und schließlich mit dem Junker selbst an, und gerade als der ihn schließlich doch ziehen lassen will, kommt man auf die Idee, zwei seiner besten Pferde als Pfand da zu behalten, bis er mit dem geforderten Passierschein zurückkommt.

In Dresden aber erfährt Kohlhaas, dass es den Schein gar nicht gibt und der Junker seine Pferde gar nicht hätte da behalten dürfen. Und auf dem Rückweg wartet der nächste Schock. Seine Tiere wurden zugrunde gerichtet und sein Knecht, der auf sie aufpassen sollte, übelst misshandelt und fortgejagt.

Als all seine Bemühungen, vor Gericht zu seinem Recht zu kommen und Ersatz für seinen Verlust zu erhalten, zu nichts führen, greift Kohlhaas schließlich verzweifelt zu anderen Mitteln.

 

Gelesen habe ich das Buch in Fach/Klasse: 

Erneut Klasse 10, Deutsch, 2004/05. Mein damaliger Lehrer war besessen von Klassikern und hat dafür sämtlichen eigentlich vorgeschriebenen Unterrichtsstoff ignoriert.

 

Das hielt ich als Schüler von dem Buch:

Erneut großer Hass. Ich fand es sterbenslangweilig und habe es damals nur als Hörbuch ertragen. Na gut, vor allem, weil man dabei so gut schlafen konnte. Einzig eine Szene mit spritzender Hirnmasse fand ich ganz …erbaulich. (Und dabei mag ich Gewalt nicht einmal. Das heißt also schon was, wenn ich die Szene besonders mochte.)

 

So hat sich meine Meinung geändert:

Heute mochte ich zumindest den Anfang etwas. Die ersten etwa 15 Prozent des Buches sind gar nicht mal so schlimm geschrieben und heute, wo ich nicht mehr zum Lesen gezwungen bin, kann ich mich etwas in Kohlhaas‘ Ärger und Verzweiflung einfühlen.

Leider geht es aber dann wieder bergab. Nicht gerade mit dem Plot, aber damit, wie Kleist ihn ummantelt hat. Die Stellen, die spannend sein könnten (religiöse Dispute, Schlachten, Raubzüge, …) beschreibt er nur mit wenigen Sätzen, endlose Hofhaltung von Adligen, Vetternwirtschaft und wer mit wem verwandt ist, baut er aber in epische Längen aus. Man hätte es SO viel besser machen können.

Und letztlich ärgert auch die Hauptfigur, denn als Rache für zwei misshandelte Pferde mal eben ganze Städte abzufackeln? Irgendwo hört es doch wohl auf.

Einzig die Moral kann ich heute darin sehen: Ein Staat, der seine Bürger um deren Recht betrügt, sie nicht juristisch schützt, schürt Verzweiflung und riskiert auf lange Sicht, dass man sich ihm noch unterwirft.

 

Fazit: 

Eigentlich keine dumme Idee (auch wenn Teile davon nicht von Kleist selbst herrühren, sondern auf eine wahre Geschichte aufbauen), dramaturgisch aber denkbar dumm umgesetzt.

 

 

Meinungen anderer Blogger: 

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