Erin Morgenstern – Der Nachtzirkus

Der NachtzirkusBuchdetails

  • Erinnert an: Alice im Wunderland, aber mit weit mehr tatsächlicher Handlung
  • Genre: Fantasy, (philosophische Belletristik)
  • Erscheinungsdatum: 2012
  • Verlag: Ullstein
  • ISBN: 9783550088742
  • Hardcover 464 Seiten
  • Sprache: Deutsch

Klappentext: 

Er kommt ohne Ankündigung und hat nur bei Nacht geöffnet: der Cirque des Rêves – Zirkus der Träume. Um ein geheimnisvolles Freudenfeuer herum scharen sich fantastische Zelte, jedes eine Welt für sich, einzigartig und nie gesehen. Doch hinter den Kulissen findet der unerbittliche Wettbewerb zweier verfeindeter Magier statt. Sie bereiten ihre Kinder darauf vor, zu vollenden, was sie selber nie geschafft haben: den Kampf auf Leben und Tod zu entscheiden. Doch als Celia und Marco einander schließlich begegnen, geschieht, was nicht vorgesehen war: Sie verlieben sich rettungslos ineinander. Von ihren Vätern unlösbar an den Zirkus und ihren tödlichen Wettstreit gebunden, ringen sie verzweifelt um ihre Liebe, ihr Leben und eine traumhafte Welt, die für immer unterzugehen droht.

Inhalt: 

Als ihre Mutter stirbt, wird Celia zu ihrem Vater geschickt, dem großen Bühnenzauberer Prospero. Der weiht sie in die Geheimnisse der Magie ein, unterrichtet sie auf teils brutale Art, alles nur, um aus ihr die Spielerin zu machen, die eine große Herausforderung, einen Wettstreit mit einem anderen Lehrmeister gewinnen kann.

Erst Jahre später ist das Spielfeld klar. Ein besonderer Zirkus, der Attraktionen bildet, die man nirgends anders sehen könne und der nur zum Zweck dieses Spiels existiert.

Doch beiden Spielern ist nicht von Beginn an klar, worauf sie sich eingelassen haben. Sie wissen nicht, welche Auswirkungen das Spiel auf ihr eigenes Leben hat, und dass dadurch auch andere in Gefahr geraten. Es wird immer schwerer, alle zu schützen. Doch damit das Spiel endet, muss auch einer von ihnen sterben. Dabei haben sie sich doch in einander verliebt.

 

Aufbau:

Der Roman springt durch die Zeiten, und nutzt sogar verschiedene Erzählstile. Teils ist der Leser selbst eine Figur im Roman, die den Zirkus aus erster Hand erlebt, teils folgt man, über ein Jahrhundert früher, den Leben der am Zirkus beteiligten.

Erst gegen Ende, wo die meisten Kapitel nur ein Jahr auseinander liegen, kann man wirklich gut folgen. Vorher müsste man sich so sehr auf die Chronologie versteifen, um alles richtig einordnen zu können, dass man dadurch den Inhalt vielleicht aus den Augen verliert. Es ist also nicht gerade ein leicht lesbarer Stil und Aufbau.

 

Charaktere: 

Es wird ein regelrechtes Heer an Charakteren aufgeführt, die im einen oder anderen Kapitel sogar im Mittelpunkt stehen, doch keiner wird so eindringlich beschrieben, dass er greifbar wäre. Sie alle werden nur von außen in Momentaufnahmen gezeigt.

Meinung:

Meinen Eindruck zu beschreiben, fällt mir schwer. Ich hoffe, ihr entschuldigt, wenn das eher wirr klingen sollte.

Der Roman ist gleichzeitig sprachlich und in seinen Bildern kunstvoll und doch … langsam im Erzählfluss, immer an der Grenze zu langweiliger Banalität, die er aber nie überschreitet. Er wird nie so langweilig, dass man nicht weiterlesen möchte, aber auch nie so spanend, dass er einen fesselt.

Es scheint, als ob das Buch bewusst so geschrieben wäre, dass es für den Leser nicht richtig greifbar ist, um bei ihm das selbe Gefühl zu hinterlassen, wie der darin beschriebene Zirkus bei seinen Zuschauern.
Was ein wirklich gelungener Effekt ist, hat aber die Nebenwirkung, dass man sich nach dem Lesen … seltsam fühlt. Als hätte man fast 500 Seiten philosophische Schwere, über die man nachdenken sollte, aber wenn man es wirklich versucht, findet man nichts, woran man ansetzen könnte.

Und auch die Handlung selbst ist da, man will wissen, wie es ausgeht, aber die Spielregeln der Welt werden nie so sehr definiert, dass man auch nur in Gedanken an ihr teilhaben könnte.

Da ist es beinahe schon nur eine Fußnote, dass die Liebesgeschichte ein wenig unglaubhaft erscheint. Beide Gegenspieler kennen sich nicht wirklich und doch verlieben sich bei ihrem ersten offenen Aufeinandertreffen in einander?

Und das Ende … Es hätte eine viel naheliegendere Möglichkeit gegeben, die die Autorin im Buch hat einfließen lassen, nicht einmal, um einen Grund zu finden, warum sie nicht gehen sollte.

So hinterlässt der Roman im Leser eher eine unangenehme Leere. Der Nachtzirkus ist für mich persönlich dabei wie Mousse au Chocolat. Im Mund lecker, etwas ganz Besonderes. Doch, wenn man sie gegessen hat, ist der Magen nicht gefühlt, man ist immer noch leer, weiß nur, dass man trotz des anhaltenden Hungers viel zu viele Kalorien gegessen hat. Und selbst der köstliche Geschmack im Mund verblasst bald. Genauso ist dieser Roman. Die Worte sind zauberhaft, aber weder sie noch die Geschichte sind so einprägsam, dass man etwas daraus mitnehmen könnte, außer einem kurzen Moment des Zaubers, dem dann die Erkenntnis folgt, dass man dafür viel Geld und Zeit investiert hat, ohne, dass einem etwas bleibt.

 

Fazit: 

Kunstvolle, wunderschöne Worte, aber irgendwie fehlt die Substanz und ein wenig die Glaubhaftigkeit.

 

Meinungen anderer Blogger: 

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3 Gedanken zu “Erin Morgenstern – Der Nachtzirkus

  1. Hallo liebe Taaya,
    mir hat der Nachtzirkus leider auch nicht so gut gefallen, dafür hast du mich mit deiner Mousse au Chocolat Metapher zum Lachen gebracht 😀
    Ich fand das Buch nicht so langweilig wie du es beschrieben hast, aber mit der gesamten Story drumherum über Celia und Marco konnte ich irgendwie gar nichts anfangen.
    Einzig allein das Setting und die Beschreibungen über den Nachtzirkus selbst haben mir wahnsinnig gut gefallen.

    Liebste Grüße und habe ein ganz wunderbares Wochenende!
    Nadine

    • Huhu Nadine,

      na dann war das Buch doch wenigstens für irgendwas gut, wenn du die Metapher magst. 😀
      Ja, die beiden waren irgendwie … nicht greifbar. Und dass man sich mit nur zweimal Sehen schon so sehr verliebt, dass man für einander sterben würde, ist doch sehr … Naja, Romeo und Julia. Aber auch da kann ich die Liebesgeschichte nicht ausstehen.

      Ja, die Settings fand ich auch interessant. Aber da hätte ich mir fast mehr einen Film gewünscht. In Buchform kann man sich das nie so richtig vorstellen, wie das gehen soll. Falls das je verfilmt wird, würde ich den Film dafür sogar freiwillig sehen.

      Liebe Grüße
      Taaya

  2. Moin,

    ich bin über das #litnetzwerk auf deinen schönen Blog gestoßen und ich muss sagen, es gefällt mir richtig gut hier!

    Das Buch klingt toll, kommt auf meine Leseliste, Danke!

    Ich wünsche Dir noch einen wunderschönen Sonntag und morgen einen guten Wochenstart!

    Herzliche Grüße von meinem Lieblingsleseplatz,
    Verena

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