Sandhya Menon – When Dimple met Rishi

When Dimple Met RishiBuchdetails

  • Erinnert an: Minimal an Leonce und Lena von Georg Büchner, weil es eine ähnliche Prämisse hat
  • Genre: Jugendroman, Romantik
  • Erscheinungsdatum: 2017
  • Verlag: Hodder Paperbacks
  • ISBN: 9781473667402
  • Taschenbuch 380 Seiten
  • Sprache: Englisch
  • Positiv anzumerken: Verschiedene Ethnien, queerer Charakter, Aufbrechen des Klischees, dass Frauen nichts mit Technik anzufangen wissen
  • Triggerwarnungen: Mobbing, Bodyshaming

Inhalt: 

Als ihre Eltern ihr erlauben, quasi zu einer Sommerschule für Coder zu reisen, ist Dimple höchst erstaunt. Bisher war ihre Mutter doch nur daran interessiert, sie unter die Haube zu bringen – möglichst noch mit viel Kajal um die Augen.

Doch kaum in San Francisco an der Uni angekommen, stellt sie fest, dass auch diesmal dieser Wunsch bei ihrer Mutter im Hinterkopf mitspielte – denn sie trifft dort auf den Jungen, den sie heiraten soll: Rishi. Nur, dass sie gar nichts davon wusste, dass ihre Eltern schon jemanden ausgeguckt hatten.

Rishi kann es kaum erwarten. Seine Eltern haben ihm ein Mädchen ausgesucht, dass er jetzt endlich treffen soll. Hoffentlich freut sie sich genauso, wie er. Doch leider läuft das erste Treffen anders als erwartet. Nicht nur, dass sie ihn mit Kaffee übergießt, sie weiß auch gar nichts davon, dass es ihn überhaupt gibt.

Beide sind gefangen zwischen dem, was ihre Eltern sich erhoffen, und dem, was sie sich selbst wünschen. Denn wie kann man eine perfekte indische Ehefrau werden, gleichzeitig aber Karriere als Coderin für Apps machen? Und wie soll man Ingenieur werden und in die Fußstapfen des Vaters treten, wenn das eigene Herz doch vielmehr für Comics schlägt, so sehr man auch versucht, diese Liebe zu unterdrücken?

Sollen sie ihre Eltern vor den Kopf stoßen, sich selbst aufgeben, oder gibt es noch einen Weg dazwischen? Und warum findet Dimple diesen Kerl jetzt plötzlich so nett, obwohl den doch – *schauder* – ihre Eltern ausgesucht haben?

 

Charaktere: 

Beide Hauptcharaktere sind mit jeweils 18 noch nicht wirklich gereift. Dimple ist so gefangen in der Ablehnung indischer Traditionen, fühlt sie sich doch eher amerikanisch, und ihrem eigenen, verzweifelten Kampf um Freiheit und eine feministischere Rollenverteilung als ihre Eltern sie leben, dass sie gar nicht merkt, was sie alles eigentlich haben könnte. Sie denkt oft nur bis zum Tellerrand. Dabei lebt sie durchaus ihre Ideale, verweigert sich aber Dinge, die sie eigentlich haben möchte, die aber nicht in ihr Bild einer unabhängigen Frau passen. Und obwohl sie unbedingt von den Traditionen fortkommen will, ist sie doch sehr verärgert, wenn jemand diese mit Füßen tritt (wie ein Nebencharakter, der seinen indischen Namen auf keinen Fall indisch ausgesprochen wissen will).

Rishi hingegen hält sich für absolut unromantisch und pragmatisch, außerdem für einen ruhigen, sanften Kerl. Bei jeder Gelegenheit sucht er dennoch die Konfrontation, träumt schon vom ersten Treffen von einer schicksalhaften Liebe mit Dimple und will alles aufgeben, was ihn selbst ausmacht, um seinen Eltern zu gefallen.

Und beide brauchen die Hilfe des jeweils Anderen, um zu sehen, dass ihre Fassade nicht nur Risse hat – sondern, dass das vielleicht sogar gut sein könnte.

Die meisten Nebencharaktere bleiben eher flach – was schade ist, denn ein paar waren darunter, die man gern etwas mehr hätte einbinden können. Nur Celia, Dimples Zimmergenossin, sticht heraus. Sie ist reich, hatte aber auf der Highschool scheinbar dennoch wenig Freunde, weshalb sie sich jetzt den reichen, verzogenen Kids an den Hals wirft und sich beinahe für diese selbst aufgibt – und so fast ihre neugewonnene, ehrliche Freundschaft mit Dimple zerstört.

Insgesamt sind alle weiter ausgebauten Charaktere in der Phase, wo sie ihren Platz zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, ihren eigenen Idealvorstellungen und ihren vielleicht bisher unterdrückten Wünschen finden müssen. (Also ziemlich klassisch Coming-of-Age, nur innerhalb von nur einem Sommer gehalten.)

Meinung:

Eigentlich ist der Roman ziemlich vorhersehbar, wenn man ehrlich ist. Aber mit dem erfrischenden Setting (Das Mädchen als Technikfreak, der Junge als Künstler) macht das relativ wenig aus.

Schön fand ich, dass einerseits trotz der Kuppelei der Eltern das Klischee der Zwangsehe nicht eingesetzt wurde. Beide Elternpaare möchten in Wirklichkeit, dass ihre Kinder glücklich sind und hoffen nur, dass die beiden sich verstehen, sind aber auch nicht böse, wenn beide letztlich andere Partner wollen würden. Dass zumindest Dimples Eltern dennoch ein wenig übergriffig sind, weil sie ihrer Tochter nichts von dem Plan erzählt haben, machen sie mit ehrlicher Liebe ihr gegenüber wieder wett. Nur schade, dass sie nicht schon vorher so offen geredet haben.

Was mir ganz besonders gefiel, war aber, wie beiläufig eingebaut wurde, dass Celia bisexuell ist. Sie erzählt nur kurz von ihrer Exfreundin, und das war’s. Klar, es wäre kein Problem gewesen, sie statt mit männlichen Charakteren, mit einer Frau zusammenkommen zu lassen, um das zu vertiefen. Aber dass es angefügt wurde, und dann für niemanden ein Thema war, ist genau das, wo die Reise gesamtgesellschaftlich hingehen muss. Es war schlicht egal, weil Liebe doch Liebe ist.

Einzig gestört hat mich wirklich, dass Dimple so lange nicht über den Tellerrand ihrer eigenen Wünsche hinausschauen konnte. Anstatt sich aufzuschreiben, was sie will, und zu überlegen, was sie wie kombinieren und haben kann, hat sie sich selbst und Andere verletzt. Aber ich fürchte, dass das hier – als großes Hintergrundthema des Buches – schlicht notwendig war, um ihren Weg aufzuzeigen, wie sie eine Balance zwischen höherem Ideal und Herzenswunsch finden kann, so dass ich auch das letztlich nicht negativ bewerten kann.
Fazit: 

Ein Buch, das sicher ein paar Schwächen hat, in das ich mich aber dennoch verliebt habe.

 

Meinungen anderer Blogger: 

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(Schreit, wenn ihr verlinkt werden mögt. Leider habe ich bei den beiden, von denen ich wusste, dass sie das Buch gelesen haben, auf dem Blog keine Rezension gefunden.)

 

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