Lilly Labord – Das kriegen wir gebacken!

Das kriegen wir gebacken!Buchdetails

  • Erinnert an:  Etwas an “A Wizard’s Guide To Defensive Baking”, nur weniger cool
  • Genre: Romantasy
  • Erscheinungsdatum: 2020
  • Verlag: Selfpublisherin
  • ASIN: B08NFYYMLH
  • Ebook 298 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • Triggerwarnungen: Eine Art Ableismus, Corona
  • Positiv anzumerken: /

 

Inhalt: 

Linnea führt ein völlig normales Leben als Kellnerin. Und wie sollte es auch anders sein. Im Gegensatz zum Rest ihrer Familie hat sie keinerlei magische Gabe – etwas, womit sie wieder und wieder von ihren Geschwistern aufgezogen wurde.

Doch jetzt hat ihre Familie Mist gebaut. Im Scheidungsverfahren der Eltern flogen nicht nur die Fetzen, auch Autos explodierten, durch Nutzen von Magie. Deshalb haben Mutter und Geschwister Magieverbot. Ausgerechnet in der Zeit, in der eine Familie einen Zaubernachweis liefern muss, um weiter in einem magischen Haus wohnen zu dürfen.

Also muss jetzt Linnea ran – denn, oh Wunder, vielleicht gibt es ja eine Art Magie, die auch ohne Gabe gewirkt werden kann. Um die zu lernen, hat sie aber nur drei Wochen Zeit, also hat sie keine große Wahl, wen sie als Lehrmeister nimmt. Dann ist es eben ein potenzieller Schwarzmagier, der irgendetwas vor ihr verbirgt.

 

Charaktere: 

Linnea ist ein wenig weinerlich, aber aufgrund der Art und Weise, wie sie behandelt wurde, ist das durchaus verständlich. Störend, oder zumindest absolut nicht verständlich ist aber ihr Pflichtgefühl denen gegenüber, die sie wie Dreck behandelt haben. Sonst erfahren wir nicht allzu viel über ihren Charakter und auch die anderen bleiben relativ farblos oder gar widersprüchlich.

 

Meinung:

Achtung, von hier an Spoiler für etwa die Hälfte des Buches

Das Buch beginnt mit einer interessanten Idee, nämlich, dass man mit Gebäck und anderen Speisen Magie wirken und Menschen beeinflussen kann. Wer schon einmal deprimiert Schokolade oder Käse gegessen hat, wird mir vielleicht Recht geben, dass das durchaus auch in der realen Welt möglich ist.

Aber da endet es leider auch schon mit den wirklich positiven Dingen. Denn Linnea soll diese Magie erlernen, innerhalb kürzester Zeit, um ihre Familie zu retten. Ihre Familie, die in beinahe 30 Jahren nicht einmal auf die Idee kam, ihrer nicht-magischen Tochter beziehungsweise Schwester zu sagen, dass es eine Sparte der Magie gibt, die sie nutzen könnte, und mit der sie auch ohne Kräfte Teil der magischen Welt sein dürfte.

Hier gelingt es der Autorin, ein gutes Bild für Behinderte zu zeichnen, die diese Situation nur zu gut kennen. Nicht mitgedacht zu werden bei Gesetzesentwürfen, oder erst zu erfahren, dass Dinge wie Home Office ja doch ganz leicht möglich sind, wenn es den Nicht-Behinderten nutzt, obwohl das für uns lange Zeit eine Hilfe gewesen sein könnte.
An der Stelle hätte ich mir eine Triggerwarnung für Ableismus gewünscht, da das wirklich schon schmerzhaft zu lesen war. Aber ich glaube kaum, dass der Autorin auch nur klar war, dass sie quasi, aus Sicht der magischen Welt, eine Behinderte und ihr Erleben von Ableismus geschrieben hat.

Andernfalls hätte die Protagonistin anders reagiert. Ihre Familie hat sie fast drei Jahrzehnte ausgeschlossen, nicht an sie gedacht, sie verspottet und leiden lassen, und tut das sogar über den Roman hinweg weiterhin. Und doch hat Linnea schon beinahe so etwas wie Stockholm-Syndrom, betont, wie sehr sie ihre Familie liebt, und kämpft für sie.

Meine restliche Kritik ist weniger tiefgehend: Die Geschichte ergibt an vielen Stellen einfach keinen Sinn.

Da ist die Tatsache, dass das Ganze in Corona-Zeiten spielt. Ab und an werden Masken oder Trennscheiben erwähnt, aber nicht nur, dass sie absolut keine Rolle für die Geschichte spielen, alles andere bleibt auch gleich. Das Café ist offen, mitten im Dezember 2020 (als Gastronomie in Wirklichkeit komplett geschlossen war) und darf auch voll sein. Und jede*r fährt lustig, und ohne Angst ständig, und auch wenn es nicht unbedingt nötig ist, mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Kontaktbeschränkungen? Scheint es auch nur im Café zu geben. Also absolut nicht konsequent durchgesetzt, und auch noch unnötig.

Dann das Ignorieren von Arbeitszeitgesetzen. Unsere Protagonistin scheint im ganzen Dezember nicht einen einzigen freien Tag zu haben, und mindestens einmal wird die Pausenregelung ignoriert. Auch klingen ihre Arbeitszeiten insgesamt länger als die maximal erlaubten 10 Stunden.

Dann die Behördenwillkür. Die Behörde verhängt ein Magieverbot ausgerechnet in der Zeit, in der eine Magieprüfung ansteht, die über die Unterkunft und Existenz einer Familie entscheidet? Und macht keine Ausnahme für die paar Minuten der Prüfung? Das klingt doch sehr nach Behördenwillkür, gegen die man schlicht gerichtlich angehen können sollte.

Aber nicht nur das, die Familie zaubert sehr wohl in der Zeit. Der Bruder lässt lustige Funken aus einem Zauberstab aufsteigen und der Vater lässt Karten sich selbst mischen.

Halt, Moment, Scheidung. Der Vater wohnt da gar nicht mehr und scheint auch vom Verbot nicht betroffen zu sein. Nun, wenn Linnea, die auch eine eigene Wohnung hat, die Prüfung für die Bewohner*innen des Hauses ablegen darf, warum darf es dann der Vater nicht? Oder vielmehr, warum tut er es nicht? Logikloch, ick hör dir trapsen.

Dass die Motivation hinter den antagonistischen Handlungen irgendwie einfach fehlt, kommt noch obendrauf.

Und dann erst die absolut nervige Romanze. Er sieht gut aus, ist mysteriös und schmiert total toll Butterbrote. Wen interessiert da schon Chemie? Also, ohne Romanze wäre es besser gewesen. Immer noch nicht gut, aufgrund der oben angeführten Gründe, aber zumindest etwas besser.

 

Fazit: 

Logik has left the house und Himmel, das Ding braucht ne Triggerwarnung für Ableismus.

 

Meinungen anderer Blogger: 

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4 Gedanken zu „Lilly Labord – Das kriegen wir gebacken!“

    • Genau wurde es nicht gesagt, aber er sagt, damit Magie wirkt, muss die Küche immer aufgeräumt und sauber sein. Also nehme ich an, das macht er alles brav. 🙂

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    • 😀 Oh ja. Alleine schon den Film von der Deko putzen, wenn man keine Abzugshaube hat, wäre eine beinahe tägliche Notwendigkeit. Oh, und die Kochbücher, die von der Luftfeuchtigkeit auch nicht besser werden, die sind da bestimmt auch hinderlich. Ach, verdammt, ich werd wohl nie eine echte Hexe. 😀

      Antworten

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