Judy Klass – Der Boaco-Zwischenfall

Buchdetails

  • Erinnert an: // reale politische Situationen
  • Genre: SciFi
  • Erscheinungsdatum: 1994
  • Verlag: Heyne
  • ISBN: 3-453-07250-2
  • Taschenbuch 272 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • Triggerwarnungen: psychologische Misshandlung von Kindern
  • Positiv anzumerken: Nichts Spezielles aber an sich ist das Buch politisch und humanistisch interessant und letztlich positiv

 

Inhalt: 

Auf Boaco Sechs hat es eine Revolution gegeben. Die Warlords, mit denen die Föderation Handel betrieben hat, wurden abgesetzt und die neue Regierung steht den Menschen und ihren Verbündeten skeptisch gegenüber. Statt dessen machen sie Geschäfte mit Klingonen und Romulanern. Weil Boaco Acht, im selben System, zur Föderation gehört, heizt sich die Lage auf. Nun soll Kirk mit der Enterprise die neue Regierung besuchen und schauen, ob man nicht Vertrauen zu einander fassen kann, und, ob die Regierung als legitim zu erachten ist.

Gleichzeitig wird auf dem Planet der Kleinlinge ein Schiff gestohlen, das mit dem Prototyp einer neuen Tarnvorrichtung ausgestattet ist. Die Diebe, Kleinlinge, die sich der neuen Aufsicht durch Erwachsene widersetzen, begehen Überfälle auf Schiffe, gleich ob Frachter, Föderationsschiffe, Klingonen … Als sie die Delegation von Boaco Acht auf dem Weg nach Boaco Sechs zerstören, droht Krieg.

Kirk muss retten, was noch zu retten ist. Und die Kinder einfangen. Aber, um sie zu finden, muss er sich mit dem Mann auseinander setzen, der die Tarnvorrichtung gebaut hat: Flint, der einst den Roboter Rayna gebaut hat – an den sich Kirk nur noch unterbewusst erinnern kann.

 

Meinung:

Eigentlich hätte es hier nicht einmal einen großen Plot gebraucht.

Obwohl die eigentliche Handlung erst etwa bei der Hälfte des Romans anfängt, ist man vorher nicht gelangweilt. Im Gegenteil. Der Stil, mit dem hier die simple Erkundung des Planeten Boaco Sechs und seiner Bevölkerung beschrieben wird, hätte eigentlich einen ganzen Roman völlig ohne Konflikt und größeren Plot tragen können. Das war sehr entspannt und angenehm zu lesen, und dabei alles Andere als oberflächlich.

1989 im Original erschienen, hat dieser Roman zur Ursprungsserie schon den Zeitgeist von ‘Das nächste Jahrhundert’ in sich. Durch die Augen einer fremden Zivilisation sehen wir die Auswirkungen, die auch auf der Erde erkennbar sind, wenn Hegemone Warlords unterstützen, um an Ressourcen zu kommen. Was auf der Erde Öl und Diamanten sind, ist im All eine Medizinpflanze, für die Boaco Sechs einst ausgebeutet wurde, ohne, dass das Volk von Reichtum oder wenigstens der Medizin selbst profitieren konnte. Und man lernt, dass auch die Föderation, mit ihren hehren Idealen, sich nicht zu fein ist, Unterdrückung, Versklavung, Vertreibung und Armut in Kauf zu nehmen, um zu bekommen, was sie will – jedenfalls, wenn sie sich nicht selbst die Hände schmutzig macht.

Die Föderation kann hier als eine Metapher für die Vereinigten Staaten dienen. Noch mehr, wenn sich ein Stellvertreterkrieg zwischen Boaco Sechs und Acht anbahnt. Während Acht zur Föderation gehört und von ihnen versorgt wird, stand Sechs der Föderation eh schon skeptisch gegenüber, und unterliegt nun auch noch dem Einfluss von Propaganda aus Reich und Imperium. Dabei folgt die neue Regierung von Boaco Sechs eigentlich den Idealen, die die Föderation für sich in Anspruch nimmt – womit sie den Menschen, die zu ihr kommen, ein wenig den Spiegel vorhält.

Und auch uns, leben wir doch in einer Zeit, wo von Amerikanern (und Europäern) gestützte Diktatoren gestürzt werden und die Völker im daraus entstehenden Macht-Vakuum teilweise anfällig für Propaganda, zum Beispiel vom IS, sind. Damit ist das Buch seiner Zeit in der Mahnung, die es mit sich trägt, weit voraus und noch heute aktuell.

Nichts desto trotz ist auch der Plot an sich ganz interessant. Auch hier spielt wieder der Zeitgeist der folgenden Star Trek-Serie spürbar eine Rolle. Besonders spannend ist, was mit den Kleinlingen geschehen ist, nachdem Kirk Miri und die Anderen zurückgelassen hat. Was mehrere von ihnen dazu getrieben hat, zu rebellieren.

Letztendlich ist der Roman so gesellschaftskritischer, als die ursprüngliche Serie es zu Zeiten von Zensoren in der Produktionsfirma ja sein durfte, zeigt aber auch einen Wandel von den in TOS noch sehr amerikanischen, kapitalistischen Werten der Föderation, hin zu einem eher linken, humanistischen Ansatz und ist damit innerhalb des Star Trek-Universums auch wunderbar selbstkritisch.

Allerdings sollte man für diese Lektüre TOS vollständig gesehen haben, weil die Handlung mindestens drei Folgen mit einander verbindet.

Fazit:

Der beste Star Trek-Roman, den ich bisher gelesen habe.

 

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