Clatworthy, G. – Awakening (Rise of the Dragons #1)

Buchdetails

  • Erinnert an: //
  • Genre: Urban Fantasy (mit etwas Slow Burn Romance)
  • Erscheinungsdatum: Mai 2021
  • Verlag: Selfpublishing
  • ASIN: B091P46P15
  • Ebook 179 Seiten
  • Sprache: Englisch
  • Triggerwarnungen: fantasyspezifischer Rassismus, internalisiertes Bodyshaming
  • Positiv anzumerken: //

Inhalt: 

Amethyst will eigentlich nur in Ruhe ihr Juweliergeschäft in Cardiff führen, dort Schmuck und Waffen mit Zwergenzaubern verkaufen. Doch ihr Leben wird auf den Kopf gestellt, als ihre beste Freundin entführt wird. Die junge Drakonisch-Doktorandin soll gezwungen werden, ein Ritual zu übersetzen, mit dem ein seit Jahrhunderten schlafender Drache wieder erweckt werden kann.

Schnell ist die Freundin befreit – aber der Kampf, um den Kult aufzuhalten, hat begonnen, mit einer Schicksalsgemeinschaft aus Halb-Zwergin, zwei Elfen (darunter der Namensgeber von Tolkiens Elrond), einer Gnomin, einem Vollblutzwerg und einem völlig magielosen Menschen. Und niemand will ihnen glauben.

 

Stil:

Normalerweise schreibe ich wenig über den Stil, weil der Begriff in den meisten Fällen zu abstrakt ist. Nur bei wirklichen Ausreißern kann ich überhaupt einen Stil von einem anderen unterscheiden.

Hier aber … Der Stil weiß nicht, was er will. Die Autorin schreibt die meiste Zeit ziemlich knapp, wenig Show, vor allem Tell (und davon noch zu wenig, denn viele Emotionen und Handlungen kommen völlig aus dem Nichts), aber dann muss sie plötzlich stellenweise unbedingt bis ins kleinste Detail beschreiben, welche Farbe der Waschlappen für die Katzenwäsche hat?

Und, dass die Novelle in der ersten Person geschrieben ist, hilft auch nicht. Einmal fingen FÜNF Absätze hintereinander mit “Ich” an.

Die Autorin scheint versucht zu haben, so eingängig und ‘nahbar’ wie möglich zu schreiben – und hat leider das Gegenteil davon geschafft.

 

Charaktere: 

Die Hauptfigur, Amethyst, zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine hervorragende Schmiedin ist (ja, gut Zwergenklischee), und große Brüste hat. Sonst scheint ihr Charakter daraus zu bestehen, dass sie ständig isst, Alkohol trinkt und Marvel mag. Oh, ja, und aus irgendeinem Grund die beste Freundin einer berühmten Influencerin ist. On top hat sie das typisch miserable Selbstbewusstsein einer Liebesromanprotagonistin und denkt alle zwei Seiten darüber nach, dass ihr Haar schlecht liegt oder ihre Brüste peinlich groß sind.

Dann ist da der Elf (und spätere Love Interest), dessen Name so generisch elfisch ist, dass er mir schon wieder entfallen ist. Er ist vor allem schön, und außerdem dackelt er der Prota, nachdem seine Kindheitsfreundin ihn verraten hat, hinterher, weil er offenbar sonst nichts mehr im Leben hat.

Auch die beste Freundin von Amethyst ist eindimensional. Sie interessiert sich nur für Drakonisch, macht dazu Videos, und verbringt ihr Leben nur mit Übersetzungen und sonst nichts.

So geht es weiter. Eigentlich hat kein Charakter irgendeine Eigenschaft, die nicht direkt für den Kampf-Plot oder für die Romanze wichtig ist.

Und trotzdem schafft der Love Interest es, mehr Chemie mit dem kleinsten Nebencharakter (einem italienischen Schauspielstudenten, der eigentlich nur Essen kocht) zu haben, als mit der Protagonistin.

 

Meinung:

Die Idee hätte so gut sein können. Cardiff ist ein toller Schauplatz und seit dem Ende von Torchwood viel zu selten genutzt. Dazu ein gemischtes Team aus allerlei Spezies, mit allerlei verschiedenen Eigenschaften und eigentlichen Berufen? Klingt erstmal nach einem schönen Found Family-Roman.

Joa, und dann kommt so ziemlich gar nichts. Amethyst merkt, dass ihre beste Freundin entführt wurde, und ruft nicht etwa die Polizei, sondern geht nach hause, um sich umzuziehen, und dann in nen Pub, wo sie nur durch Zufall auf nen Kerl trifft, der ihr helfen kann. Die Polizei ruft sie erst, nachdem die Freundin schon befreit ist. Und dann hat sie den Kerl aus dem Pub auch an der Backe, weil der gerade festgestellt hat, dass seine beste Freundin einem Kult angehört und mal eben ohne Vorwarnung und Erklärung versucht, ihn zu töten, anstatt ihn vielleicht auf ihre Seite zu ziehen? Und irgendwie hat er diesbezüglich auch keine Emotionen, sondern hängt sich halt nur an unsere Prota, weil mit seiner Freundin auch seine Schlafgelegenheit weg ist?

So geht das ewig weiter. Emotionen kommen nicht auf, und alles passiert irgendwie aus dem Nichts und nur, um den Plot voran zu treiben, aber dabei so abgehackt, dass auch keine Spannung aufkommt. (Und alle drei Seiten muss ausgiebig gegessen werden.)

Hinzu kommen noch Fehler, die dem Lektorat (das offenbar nur aus Testlesenden bestand, was völlig okay ist, solange man dann selbst noch mal gründlich drüber geht!) durchgegangen sind. So hat unsere Protagonistin eine riesige Streitaxt – aber die wird ständig nicht bemerkt und einmal zieht sie die sogar aus der Hosentasche. Es wird aber nirgends erwähnt, dass sie geschrumpft werden kann. Dann wird der Mantel der Protagonistin zerstört, weshalb sie auf eine alte Jacke zurückgreifen muss, später hat sie aber wieder und wieder einen Mantel an.

Und verdammt noch eins, es gibt keine Frühlingssonnenwende! (Die Autorin besteht darauf, dass es neben der Tag-und-Nacht-Gleiche, also dem Equinox, zusätzlich eine Sonnenwende gibt, und genau da findet das Ritual statt. Und nein. Gibt’s nicht. Ja, ich hab noch mal extra recherchiert, für den Fall, dass in irgendeinem Nischenforschungsgebiet irgendein Tag so genannt wird. NEIN!)

Solche kleinen und größeren Dinge ziehen sich durchs ganze Buch und während man ein paar davon verschmerzen kann, weil in JEDEM Buch mal ein paar Fehler durchgehen, sind es hier einfach zu viele.

Zuletzt muss ich dann noch das Cover ansprechen, was ich normalerweise auch ignoriere. Aber hier ist es einfach zu auffällig. Dies ist eine selbstveröffentlichte Novelle, die Autorin hatte also die VOLLE Kontrolle über ihr Cover. Und um eine Halb-Zwergin mit buschigen Haaren und übermäßig großen Brüsten, die IMMER nur Steampunk-Klamotten trägt, darzustellen, wählt sie … eine schlanke Menschenfrau mit relativ glatten Haaren und einem modernen Ledermantel? WARUM?

Fazit: 

Aus einer guten Idee ist dann leider absolut nichts geworden. Keine Emotionen, flache Charaktere und zu viele Fehler.

Zwei goldene und drei silberne Sterne, die zwei von fünf Sternen symbolisieren

 

Meinungen anderer Blogger: 

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