Warum ich mich jetzt schon aufs Jahresende freue…

Heute ein etwas privaterer Beitrag, dem geschuldet, dass ich langsam ungeduldig werde. Nicht nur, dass ich eh schon im Juni anfange, Weihnachtslieder zu singen – und das als nicht gerade weihnachtsbegeisterter Mensch -, sondern ich habe auch schon seit April buchige Pläne für das nächste Jahr. Und ich will, dass es endlich soweit ist.

 

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Warum ich dem deutschen Buchpreis nichts abgewinnen kann

Heute wurde die Longlist des deutschen Buchpreises bekannt gegeben und sofort gingen auf Twitter die Diskussionen los, wer welches Buch kennt, mag, was man überhaupt davon hält, und und und …

Sehr schnell fällt einem dabei auf, dass 140 Zeichen sehr wenig ist, wenn man seine Meinung ausschreiben möchte, ohne dass es zu abgehackt wirkt. Also lege ich meine Meinung lieber hier dar und erkläre, warum ich den deutschen Buchpreis nicht mag.

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Politisch unkorrekte Klassiker: Was tun?

Dieser Beitrag ist mehr oder minder eine Antwort auf „(Problematische) Klassiker: Sollen wir Klassikern Immunität gewähren?“ von The Written Word und dadurch inspiriert, dass Blogspot leider oft Nicht-Blogspot-Bloggern nicht ermöglicht, zu kommentieren. Ich hatte fast eine halbe Stunde an meiner Antwort gefeilt, und dann ließ sich der Kommentar einfach nicht abschicken.
Aber worum geht es?

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Leseurlaub – Wie ich auf den letzten Metern scheiterte

Eigentlich hatte ich es als eine Art Leseurlaub geplant. Natürlich nicht nur, hatte ich doch – unter anderem aus logistischen Gründen, aber auch wegen sonstiger Langeweile – meine Eltern dabei. Aber dennoch. Als ich sah, dass Norddeich neben einer Seehundstation auch noch einen Lesesaal hatte, mit Café, offenem Bücherregal und WLAN, wusste ich, dass ich dort hin wollte.

Der Plan: Ich nehme 4 Bücher mit, drei davon als Bookcrossingbücher, die da bleiben. Eine Buchhandlung sollte es dort auch geben, also wollte ich mir eines als Souvenir kaufen, und hätte so immer noch eine Gewichtsersparnis auf der Rückreise. Bekanntlich kommt es aber immer anders als man denkt und so war es auch hier.

Norddeich, wunderschöner Ort direkt am Meer. Mit einem kleinen Kurpark mit Liegen und einem Trimm-Dich-Pfad. Dazu Drachenwiese, Fähren nach Juist und Norderney, Minigolf, Schwimmbad, … Sehr viel zu sehen für einen Ort, in dem kaum Menschen leben. Auch unser Haus war direkt am Deich, nichts war weiter als eine halbe Stunde Fußweg entfernt – vom Supermarkt abgesehen, aber das war nicht weiter schlimm. Haus und Gegend waren also toll.

Und auch die drei gelesenen Bücher haben mehr oder weniger geklappt. Das dritte habe ich abgebrochen, weil es mir wirklich nicht zusagte, aber auch so kommt man letztlich zum Ziel. Der Lesesaal aber … Nun, er war optisch recht schön. Der moderne Stil ist nicht ganz mein Fall, erinnert aber an teure Kaffeehausketten, ist also nicht völlig verkehrt. Aber leider war er nicht das Paradies für Bücherfreunde, das ich mir erträumt hatte. Oft saß nur ein Rentner mit Zeitung darin, das Café, das einen dort mit Kaffee, Kuchen und Frühstück versorgen sollte, laut Blog des Ortes, hatte in den 8 Tagen meines Urlaubs nicht ein einziges Mal offen und sah gänzlich leer aus, und auch das offene Bücherregal war voll Schinken, die älter waren als ich, und wohl nie zu den Bestsellern gezählt hatten. Wobei das auch daran liegen kann, dass all die guten Bücher schnell wieder weg sind? Ein Mekka für urlaubende Bücherfreunde, wie ich insgeheim vielleicht gehofft habe, war es jedenfalls nicht.

Auch die Buchhandlung, die laut Google Maps existieren sollte, gab es nicht. Im ersten Moment eine Enttäuschung, im zweiten dachte ich mir, dass ich mir ja so auch Gewicht sparen würde. Und dann kam gestern, an unserem letzten vollen Tag dort, der Flohmarkt. Und was soll ich sagen? Ich habe drei Bücher gekauft, die von Gewicht und Seitenzahl her wohl noch schwerer sind, als das, was ich dort gelassen habe. Mein Plan ging also vollkommen nach hinten los.

Dennoch kann ich Norddeich jedem empfehlen. Selbst bei Sturm und Regen ist es noch schön – aber die meiste Zeit hatten wir gutes Wetter -, es gibt viel zu sehen, und die Abwesenheit einer Buchhandlung lässt es vielleicht sogar zu, den SUB mal abzubauen – wenn nicht gerade Flohmarkt direkt an der Deichpromenade ist.

[Wissenschaft] Buchleser sind bessere Menschen?

Heute erneut eine Studie, gefunden bei Bento. Demnach hat eine britische Wissenschaftlerin einen möglichen Zusammenhang zwischen dem bevorzugten Medienkonsum und dem Charakter festgestellt.

Dabei wurden 123 Probanden online über ihre Medien- und Genrevorlieben befragt, und sollten darüber hinaus Fragen darüber beantworten, wie empathisch sie sind. Dabei ergab sich für die Stichprobe, dass diejenigen, die Romane und Theaterstücke bevorzugten, sich besonders prosozial verhalten, während Fernsehliebhaber dabei die niedrigsten Werte aufwiesen. Auch Genres selbst wiesen dabei Unterschiede auf.

Die Studie hat allerdings eine noch geringere Anzahl als die, die Fantasyleser als moralisch ‚flexibel‘ bezeichnet hatte. Darüber hinaus wurde nicht untersucht, welche Wirkrichtung vorliegt, also ob Leser von Natur aus ein höheres Einfühlungsvermögen haben, oder aber, ob die Menschen, die das haben, von Natur aus eher zu Büchern greifen.

Neben der Studie, die wiederum eher als hypothesenbildend und nicht als repräsentativ angesehen werden kann, sticht hier aber der gut formulierte Artikel heraus, der eben genau darauf hinweist und immer wieder deutlich macht, dass man die Ergebnisse nicht ohne Weiteres als gegebene Fakten hinnehmen sollte.

Book Merch

Vor etwas mehr als einer Woche habe ich im Wochenrückblick den Beitrag von Little Words verlinkt, in dem Bloggerin Karin von ihrer Liebe zu literarischem Zubehör erzählt. Sie schreibt:

Ich gehöre eindeutig zu den Lesern, die sich von buchbezogenen Gegenständen magisch angezogen fühlen.

Nun, zu diesen Leuten gehöre ich auch, auch wenn es sich bei mir nicht in Tassen ausdrückt. Oh, ich habe eine kleine Tassensammlung, so ist es nicht. Aber einerseits darf die aus Platzmangel leider nicht weiter wachsen, andererseits sind buch-bezogene Tassen oft unglaublich teuer, oder aber nur über das Internet zu erstehen. Während ich nichts gegen Internethandel im Allgemeinen habe, habe ich doch Angst, Zerbrechliches mit der Post kommen zu lassen. Wenn ich etwas kaputt mache, wenn ich es aus der Stadt nach hause transportiere, ist das eine Sache. Aber ein Paket voll Vorfreude zu öffnen und nur Scherben zu sehen? Auch, wenn man vermutlich reklamieren kann, würde mich das für eine Weile ziemlich runterziehen. Daher lasse ich das lieber.

Nein, meine große Leidenschaft sind die T-Shirts. Kleidung braucht man sowieso, da hat man kein ganz so schlechtes Gewissen, wenn man mal 5 Euro mehr ausgibt und dafür Merchandise hat. Außerdem finde ich so nichtssagende ‚Surf School of 1983‘-Shirts, wie man sie oft in den großen Bekleidungsläden findet, furchtbar. Ich surfe nicht und war 1983 noch nicht einmal geboren. Warum hängen solche Shirts vor allem in den Abteilungen für jüngere Käufer, die vermutlich auch nicht älter sind, als ich? Nein, ich mag es, wenn meine Shirts dem Betrachter gleich sagen, wer ich bin. Dann muss mich jemand gar nicht erst ansprechen, um zu wissen, ob er mich kennen lernen möchte, oder nicht. Oder aber gezielt ansprechen, weil er meinen Geschmack teilt.

Und so habe ich neben Band-Shirts (Duivelspack, Wise Guys, Schandmaul) und TV-Shirts (Torchwood, Doctor Who, Sherlock) auch Buchshirts. Wobei die Grenzen hier fließend sind, denn zu Torchwood und Doctor Who habe ich auch Romane.

Dennoch habe ich für diesen kleinen Artikel nur die Trek-Shirts übernommen, denn ich würde behaupten, dass ich mehr Star Trek-Romane als DVDs habe, wie ich schon einmal mit diesen Bildern hier belegt hatte – und seit dem sind noch Romane dazu gekommen und weitere kommen im Laufe der Woche.

Entsprechend würde ich denken, dass Star Trek bei mir durchaus zu den Buch-Fandoms zählen kann. Aber genug jetzt von meinen Rechtfertigungen und endlich los zu den Shirts kleinen anderen Schätzen. Wobei fast alles, was ich abseits von Shirts besitze, Geschenke waren.

 

Dabei würde ich so gern all die anderen Dinge kaufen. Lesezeichen, Tassen, Figuren, Kissen, Plüschtiere, Seifen, Duftkerzen, Badebomben, aber nicht nur, dass ich mein weniges Geld eigentlich lieber für notwendige Dinge und Bücher – eigentlich auch notwendig, oder? – ausgebe, ich habe auch ein unglaublich schlechtes Gewissen, wenn ich mir anderen Merch kaufe. Ich weiß nicht genau, warum. Vermutlich deine ich dabei immer, ich würde meine Zukunft riskieren, greife ich damit doch meinen Notgroschen an. Aber eines Tages habe ich einen gut bezahlten Job und dann wird mein Zuhause so voll mit Merch sein, dass ich selbst da keinen Platz mehr drin hab. Zumindest ist das mein Traum. Bis dahin müssen aber wohl meine bisherigen Schätze reichen.

 

Star Trek, mit Kissen und Spock von meiner besten Freundin und Mini-Spock von meiner Schwester.

 

 

 

 

Terry Pratchetts Scheibenwelt. Shirt von meiner Schwester. Das habe ich vorher nämlich nirgends gesehen. Ich hätte es mir sonst aber auch selbst gekauft.

 

Mara und der Feuerbringer von Tommy Krappweis samt einem Buchzitat-Shirt. Hier hab ich irgendwo noch einen Magneten. Eigentlich wollte ich mir auch den Trinkbecher dazu auf der RingCon holen, hatte aber zu sehr Angst, dass er kaputt geht.

 

  Und natürlich darf auch Harry Potter nicht fehlen. Der Snape-Funko ist selbstgekauft. Hier hatte ich nicht einmal ein schlechtes Gewissen hinterher. Irgendwer muss doch dem kleinen Snape mal ein schönes Zuhause bieten, oder?

Seinen Zauberstab habe ich wiederum von einer Freundin zur Masterarbeits-Weihnachts-Geburtstagskombi bekommen.

 

 

Einer meiner Träume ist es, eines Tages auch diese extrem teuren Actionfiguren von Spock und Snape zu besitzen, die mit viel Zubehör kommen. Wo Spock zum Beispiel Tricorder und Phaser in der Hand halten kann, und überall beweglich ist. Aber die kosten halt doch 150-200 Euro und der Lottogewinn hat leider noch nicht angeklopft.

 

Seid ihr auch dem Merch verfallen? Was habt ihr so in eurer Sammlung?

[Wissenschaft] Eine amerikanische Studie sagt …

… dass Fantasy- und Science Fiction-Leser eine lockere Moral haben.

Das sagt zumindest eine neue Studie in ‚Psychology of Aesthetics, Creativity and the Arts‘, sofern man der Zusammenfassung glauben kann. Leider ist der Artikel nicht kostenlos online verfügbar und die Zeitschrift zumindest an meiner Uni nicht im Abonnement. Ich werde dennoch versuchen, daran zu kommen und zu schauen, ob der verlinkte Artikel die Studie korrekt wiedergibt.

Aber zunächst einmal: Wie kommen sie drauf?

The study featured 253 adults recruited online through a variety of sources, including Facebook, Twitter, and „reader-focused sites such as Goodreads and Book Balloon.“ A majority reported reading one to four books per month for pleasure.

Participants were instructed to evaluate a series of ethical scenarios. They were asked whether it is „ever morally permissible“ to perform a wide range of actions, including cheat on an exam; use illegal means to avoid paying taxes; sacrifice one innocent person to save five others; and use an American flag as a cleaning rag.

They were then given a long list of authors who write in specific genres, and asked to note how many of the names they recognized. Those who knew many authors in a specific category (such as horror, mystery/thriller, and romance) were assumed to be regular readers of that genre.

253 Leser sollen eine repräsentative Studie begründen? Spätestens hier würde ich mir wünschen, die Zahlen vorliegen zu haben, um die Irrtumswahrscheinlichkeiten sehen zu können. Aber das finde ich noch nicht einmal so kritikwürdig. Notfalls würden sie damit eben hypothesenbildend arbeiten.

Auch, dass das Nutzen einer Flagge als Putzlappen hier möglicherweise gleichgestellt wird mit der Tötung einer Person um andere zu retten, finde ich zwar ein wenig merkwürdig und würde mir wünschen, zu wissen, ob es unterschiedliche Gewichtungen der ‚Unmoralität‘ einer Handlung gegeben hat. Aber was ich wirklich merkwürdig finde, ist die Einteilung der Leser danach, welchen Autor sie kennen. Das finde ich wissenschaftlich zur Zeit des Internets und eines so möglicherweise größeren Kreises an Quellen, die man konsumiert, bedenklich. Ich kenne nicht ‚den normalen Leser‘, aber gerade wenn sie Probanden über Goodreads rekrutieren, muss ihnen doch klar sein, dass man einige Namen von Autoren auch aus Genres kennt, die man mit der Kneifzange nicht anfasst. Einerseits, weil Freunde und Familie sie lesen (und möglicherweise bei Goodreads eintragen), andererseits durch die jährliche Abstimmung des Goodreads Leserpreises.

The researchers report those who read literary fiction, science fiction, and fantasy were more likely to consider „morally dubious scenarios“ permissible. The opposite was true of regular readers of romance, as well as those who prefer mysteries and thrillers.

Das steht, zumindest bei Mystery (die englische Bezeichnung für Krimi) und Thrillern im Gegensatz zu bisherigen Studien, die andeuteten, dass Gewalt in Medien, auch in Büchern, die Wahrscheinlichkeit erhöht, selbst gewalttätig zu werden.

Aber schauen wir uns an, wie die Forscher ihre Funde erklären wollen:

Perhaps, the researchers write, reading stories „that take place in worlds distantly removed from our own may be associated with a greater willingness or ability to imagine extraordinary circumstances in which the normal rules of morality may not apply.“

In other words, if your mind can stretch far enough to envision alien worlds, there’s a good chance you can also imagine alternate ethical universes.

Das klingt sogar plausibel, nicht wahr? Dass die, die mehr Fantasie beim Lesen aufwenden können und das auch tun, sich eher Situationen und Universen ausmalen können, in denen andere ethische Gesetze gelten? Es erklärt aber nicht, warum sie diese auch auf unsere Welt anwenden würden. Was wiederum die Frage aufwirft, wie die Studie aufgebaut ist. Ist nur gefragt, ob man sich eine Situation vorstellen kann, in der etwas moralisch akzeptabel ist, oder wird konkret Bezug auf unsere Welt genommen? Wird gefragt ‚Würdest du dies oder das tun‘? Für die Deutung wäre das wichtig, ebenso wie genauere Informationen, welche Art von Szenarios die Leser von Fantasy und SciFi als moralisch bedenkenloser ansehen, als die Leser von Romanzen und Krimi.

Denn so, wie der zusammenfassende Artikel klingt, reicht die Spanne ja davon, unpatriotisch zu handeln, in dem man eine Flagge ‚entweiht‘, über Betrug, bis hin zur Opferung eines Menschen für das größere Wohl. Der Artikel stellt also die Leser der entsprechenden Genres eher negativ dar, ohne das genauer zu spezifizieren. Und während die Studie schon vom Aufbau her eher klingt, als wären die Ergebnisse anzuzweifeln, da die Einordnung, wer was liest, hier Fehlerquellen birgt, so wirkt der Artikel, der darauf aufbaut, schon fast populistisch.

If you’re trying to get a sense of someone’s values, there’s no need to enter into a potentially awkward conversation. Rather, just check out the content of their bookshelves.