Kurzrezensionen 13. Oktober

Da ich in den letzten Tagen mehrere Bücher beendet habe, bei keinem aber wirklich genug für eine lange Rezension zu sagen habe und euch nicht mit gleich drei Posts vollspammen möchte, fass ich diesmal einfach alle Bücher zusammen.

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[Kurzrezension] Markus Orths – Lehrerzimmer

Lehrerzimmer

Parodie, Belletristik | 160 Seiten | Taschenbuch | btb | Deutsch
(Memo an mich: Ich sollte mir das endlich merken, damit auch Kurzrezensionen übersichtlich bleiben.)

Dieser Roman wurde mir in seiner Hörbuchfassung schon vor einigen Jahren empfohlen, doch das Hörbuch bei Sputnik habe ich damals irgendwie verpasst. Leider, denn ich glaube, dass der akustische Konsum des Romans zumindest ein Ärgernis aus dem Weg geräumt hätte: Die unglaubliche Anzahl genutzter Kommata.
Der Stil Orths‘ ist leider wirklich anstrengend. In einem Satz teilweise 23 Kommata, obwohl nicht alle Teile des Satzes grammatikalisch und thematisch überhaupt zusammengehören.

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Aude Le Corff – Das zweite Leben des Monsieur Moustier

Das zweite Leben des Monsieur Moustier

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: 2016
  • Verlag: insel taschenbuch
  • ISBN: 978-3-458-36169-5
  • Taschenbuch 192 Seiten
  • Sprache: Deutsch

 

Ich möchte im Voraus warnen, dass diese Rezension Spoiler enthalten wird, da ich mich bei der Begründung meiner Bewertung diesmal auf den gesamten Inhalt beziehen muss.

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Haruki Murakami – Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: August 2015
  • Verlag: btb Verlag
  • ISBN: 978-3-442-74900-3
  • Taschenbuch 318 Seiten
  • Sprache: Deutsch

 

Klappentext: 

Der junge Tsukuru Tazaki ist Teil einer Clique von fünf Freunden. Nach der gemeinsamen Schulzeit geht er zum Studium nach Tokyo. Als er an einem Sommertag voller Vorfreude auf die Ferien nach Nagoya zurückkehrt, schneiden ihn seine Freunde plötzlich und brechen den Kontakt zu ihm ab. Erst viele Jahre später offenbart sich der inzwischen 36-Jährige seiner neuen Freundin Sara und stellt sich den Dämonen seiner Vergangenheit…

Inhalt: 

Schon immer hat Tsukuru sich für Bahnhöfe interessiert. In seinen Augen war es das Einzige, was ihn irgendwie ausmachte. Und so hat er sich schon immer gewundert, warum seine vier Freunde ihn mochten, war er doch farblos, charakterlos, leer. Dennoch bildeten die fünf eine perfekte Harmonie, bis sie ihn plötzlich verstießen. Er könne sich den Grund doch denken. Konnte er nicht.

Die plötzliche Ablehnung seiner Freunde stürzte ihn in ein tiefes Loch, dass er zwar bald wieder hinter sich gebracht hatte, aber eine Wunde zurückließ, die auch 16 Jahre später noch nicht verheilt war. Nachdem er das seiner neuen Freundin offenbart hat, stellt sie klar, dass sie nicht mit ihm schlafen würde, solange ihn diese alte Wunde noch verfolgt.

Halb genötigt, doch auch halb aus ernsthaftem, neu erwachtem Interesse, seine Vergangenheit aufzuklären, macht sich Tsukuru auf die Suche, seine alten Freunde aufzusuchen und alte Wunden aufzureißen, damit sie richtig ausheilen können.

 

Charaktere: 

Viele Charaktere werden beinahe schon liebevoll eingeführt, mit kleinen Besonderheiten, die sie interessant machen, ausgestattet, um dann doch nur Randfiguren zu bleiben. Selbst Freundin Sara und die alte Clique treten nur am Rande auf, erscheinen plastisch dargestellt und doch scheint etwas zu fehlen.

Tsukuru hingegen wird breit diskutiert, kritisiert alles an sich, was er finden kann, selbst. Man lernt seine Vorlieben und Besonderheiten kennen, leidet mit ihm und dennoch scheint er weniger detailliert aufgebaut als so manche Nebenfigur. Vielleicht, weil er sich selbst so sieht, weil er sich selbst als leer und farblos wahrnimmt und die guten Seiten oder liebenswerte Macken an sich gar nicht wahrzunehmen vermag. Diese erfährt man nur kurz von den anderen der Clique, aber nicht genug, um ein vollständiges Bild abzugeben.

So bleiben alle Charaktere noch irgendwie mysteriös. Nicht richtig vollständig, aber auch nicht lieblos erdacht.

 

Fazit: 

Obwohl viele ernsthafte Themen – Depression, Mord, Vergewaltigung – angesprochen werden, schreibt Murakami fast schon unbeschwert leicht. Eine Sprache, die einerseits fremd und ruhig erscheint, andererseits leichtfüßig durch die Geschichte trägt. Die Spannung und Neugier, die sich aufbaut, wirkt so nicht erdrückend, nicht drängend, der Roman selbst kippt aber auch nie in Richtung Langeweile.

Einzig das offene Ende, und, dass die Bedeutung, der Existenzgrund mancher Nebenfiguren nicht aufgeklärt wird, lässt die Geschichte nicht vollkommen rund erscheinen. Zu viel braucht noch Abschluss, als dass man fünf Sterne vergeben könnte.

 

Roald Dahl – Der krumme Hund

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: Januar 1970 (3. Auflage)
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch
  • ISBN: 3-499-10959-X
  • Taschenbuch 128 Seiten
  • Sprache: Deutsch

 

Klappentext: 

Roald Dahl, dessen wohlige Schauergeschichten „Küßchen, Küßchen“, “ … und noch ein Küßchen“ auch die deutschen Leser begeisterten, erzählt hier die düster-komische Grusel-Episode von einem makabren Rattenfänger, einer Leiche im Heu, einem Mann, der eine Madenfabrik für Angler gründen will und von dem teuflichen Versuch, mit zwei Windhunden, die einander täuschend ähnlich sehen, die gerissenen Buchmacher übers Ohr zu hauen.

Inhalt: 

Das Buch erzählt von mehreren Begebenheiten aus dem Leben von Claud und Gordon.

Aufbau:

Es sind vier kurze Geschichten, die aber alle vier chronologisch zusammengehören. So ist der Hund, der der Mittelpunkt der letzten Geschichte ist, in der ersten noch ein Welpe, in der letzten aber ein ausgebildeter Rennhund.

Charaktere: 

Gordon, der Ich-Erzähler der Geschichten, wird nicht groß thematisiert. Auch von Claud erfährt man nicht viel. Lediglich ausschweifend redet er über Gaunereien bei Hunderennen und scheint für all die illegalen und oft qualvollen Methoden eine gewisse Faszination zu hegen. Das wenige, was man erfährt, lässt ihn aber unglaublich unsympathisch dastehen und man fragt sich, was die anderen Charaktere im Buch dazu bewegt, überhaupt Freundschaften zu ihm aufzubauen.

Fazit: 

Roald Dahl kannte ich bisher als hervorragenden Autor von Hexen hexen, Matilda, Charlie und die Schokoladenfabrik, …

Entsprechend enttäuscht war ich von diesem Buch. Vier zwar irgendwie zusammenhängende, aber doch nicht zusammen passende Geschichten, die alle vier kein vernünftiges Ende haben, und deren Sinn sich teilweise nicht einmal erschließt. Warum ist ein Rattenfänger, dessen Besuch nicht zum Vertreiben der Ratten führt und dessen Geschichte keinen Abschluss findet, in irgendeiner Form für die Geschichte eines Betrugs beim Hunderennen notwendig? Sie baut weder Spannung auf, noch charakterisiert sie die Protagonisten. Und warum müssen mehrere Seiten Doping und andere Rennmanipulationen bis ins Detail aufgeführt werden, wenn nichts davon innerhalb der Geschichte genutzt wird?

In einer Kritik des ÖR hieß es „Wer gescheit und anspruchsvoll unterhalten sein will, der greife nach Roald Dahls ‚Krummen Hund'“, aber ich sehe in der Geschichte weder Anspruch, noch irgendeine Form von Unterhaltung. Eher ist es eine Ode an die Tierquälerei.

Dennoch muss ich einen Stern zusätzlich geben, weil zumindest die letzte Geschichte fesselnd war. Man wollte wissen, ob Claud und Gordon mit ihrem Betrug durchkommen. Das Ende allerdings ließ einen wieder unbefriedigt zurück.

[Kurzrezension] George Bernard Shaw – Die heilige Johanna

Bildergebnis für die heilige johanna bernard Shaw Dieses kleine Büchlein hier hat mich sehr enttäuscht und trotz nur knapp 150 Seiten habe ich mehrere Tage dafür gebraucht, egal wie sehr ich mich angestrengt habe, es endlich zu beenden. Bisher war ich ein großer Fan von Shaw, da ich selbst einst Pygmalion spielen durfte und es mir sehr gefallen hat, aber in ‚Die heilige Johanna‘ ist leider nicht der Witz und die Leichtigkeit zu finden, die ich in Pygmalion so geschätzt habe. Statt dessen finden sich hier teilweise vierseitige Monologe über die Strategie, politische Feinde zu besiegen.

Man meint, dass Shaw den moralischen Zeigefinger erheben möchte und gegen das Vorgehen sowohl der Franzosen als auch der Engländer zur Zeit Jean D’Arcs schreiben möchte, doch dabei verfängt er sich in langen Mono- und Dialogen, die nicht zum Punkt kommen und so leider nur langweilen.

 

[Kurzrezension] Zoe Jenny – Das Blütenstaubzimmer

Das Blütenstaubzimmer. Roman by Zoë Jenny

Dies hier soll ein Roman sein, der das Erwachsenwerden und Loslösen von den Eltern beschreibt, doch um ehrlich zu sein empfand ich es eher als zusammenhangloses Sammelsurium aus Namen, deren Charaktere kaum erklärt werden und die auftauchen und verschwinden, ohne dass man begreift, wie sie zur Protagonistin stehen, und Momenten, die ebenfalls nicht weiter erklärt werden. Mal ist sie im Kino und beschreibt minutiös, was im Film (und im Telefonat eines Mannes, der ebenfalls dort sitzt) vor sich geht, dann ist das aber wieder vorbei, ohne dass es irgendeine Funktion für eine Handlung gehabt hätte. Auch ihre ständigen Träume oder Visionen werden in keinen Kontext gerückt, sondern stehen einzeln und somit sinnlos im Raum. So ist das Buch eigentlich nur eine langweilige Verschwendung von Zeit, ohne dass man jemand die Protagonistin groß kennen gelernt hätte. In sie einfühlen kann man sich erst recht nicht. Und so finden – zumindest in meinem Fall – Leser und Buch an keiner Stelle zu einander.